
Die Australierin Coralie ist Schriftstellerin und lebt neuerdings in London. Als sie eines Tages zufällig Adam begegnet, merken beide, dass sie füreinander Sympathie hegen. Sie treffen sich immer wieder und ziehen schließlich zusammen. Adam bringt seine Tochter Zora in diese neue Patchwork-Familie mit. Schließlich bekommen sie auch zusammen zwei Kinder. Adam ist ein begeisterter Politik-Journalist und -Autor und geht in seiner Rolle voll auf. Ständig ist er in Meetings und gibt Interviews. Mit dem Brexit-Votum und der Wahl hinsichtlich Boris Johnson gibt ihm England gerade auch viel willkommenen Input für seine berufliche Karriere. Anders läuft es bei Coralie: Sie muss ihren Job aufgeben und ist nur mehr für ihre Familie da. Ist sie am Anfang noch glückliche Mutter, hält sie ihr Leben später nicht mehr aus. Trotz ihrer Fürsorge und liebevollen Aufopferung für ihre Kinder, wird sie nur kritisiert. Sie leidet unter Schlafstörungen, fühlt sich wie ein körperliches und seelisches Wrack, sieht sich als gescheiterte Schriftstellerin und als schlechte Mutter und Lebensgefährtin. Als Coralie einen Nervenzusammenbruch erleidet und an einem Burn out erkrankt, erkennt ihre Familie, dass sich etwas im Leben ändern muss. Sie helfen zusammen, doch der Weg ist schwer.
In diesem Roman lernen wir eine realitätsnahe Darstellung einer jungen Familie kennen, wo die Mutter ihre Karriere aufgibt, um nur für ihre Familie da zu sein. Niemand sieht den Druck, der auf ihr lastet. Und schon gar nicht der, den sie liebt, da er in seinem Beruf vollends aufgeht. Diese Handlung findet vor dem Hintergrund, den Großbritannien zwischen 2013 und 2023 erlebt, statt. Somit kreuzt sich hier eine romantische bis dramatische Liebesgeschichte mit aktueller Politik. Man kann diese Mischung mögen und lesen, aber auch überspringen. Ich selbst habe den Beginn spannend und interessant gefunden, weswegen ich weiter gelesen habe. Später hat das Werk allerdings ziemliche Längen, welche von Alltag geprägt sind. Gegen Ende wird die Geschichte aber wieder spannend und überraschend. Da der Roman in leicht und angenehm lesbarem Stil geschrieben ist, manchmal lustige und weise Aussagen vorkommen und diese allgegenwärtige Familienproblematik zum Denken anregt, würde ich ihn weiter empfehlen.
Über die Autorin
JESSICA STANLEY ist eine australische Autorin, die in London lebt. Sie arbeitete als Journalistin, am Set der TV-Serie ›Neighbours‹, für eine Gewerkschaft und als Werbetexterin. ›Wir in zehn Jahren‹ ist ihr zweiter Roman.
Details zum Buch
Verlag: DuMont Buchverlag GmbH
Seiten: 368
ISBN: 978-3-7558-0041-5
Ausstattung: Gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen
Originaltitel: Consider Yourself Kissed
Aus dem Englischen von Claudia Voit
Eure Sonja
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