Hundert Jahre Einsamkeit

Gabriel García Márquez

Hundert Jahre Einsamkeit

Gelesen von Ulrich Noethen

Mit seinem Roman Hundert Jahre Einsamkeit gelang Gabriel García Márquez 1967 der Durchbruch als Schriftsteller. Dieser moderne Klassiker der Weltliteratur erzählt die Geschichte vom Aufstieg und Niedergang der Familie Buendía und des von ihr gegründeten Dorfes Macondo, das zunächst wie das Paradies erscheint. Abgeschnitten vom Rest der Welt durch Sümpfe, Urwald und eine undurchdringliche Sierra, ist es der Ort, an dem sich alle Träume, Alpträume und Entdeckungen des Menschen noch einmal zu wiederholen scheinen. Stärker als die bisherige deutsche Fassung arbeitet die Neuübersetzung von Dagmar Ploetz die unterschiedlichen stilistischen Ebenen des Romans heraus: pathetisch, witzig, lapidar, episch, poetisch. So gelingt ein Blick auf die Welt, der auch den Erfahrungen des 21. Jahrhunderts noch mühelos standhält.

Es ist wirklich ein erstaunliches Epos, das mit dieser Neuübersetzung präsentiert wird. Das kann man schon allein am Umfang der CD-Box erkennen. Nach kurzer Zeit hat man sich in die Geschichte eingehört. Ulrich Noethen, der viel dazu beigetragen hat, bewunderte ich nicht einmal wegen seiner flüssigen Aussprache der spanischen Namen. Die Art, wie er den Roman gelesen hat, und seine Stimmlage waren sehr angenehm zu hören. Die Geschichte selbst ist kaum zu beschreiben. Geht es doch um die Umsetzung einer Vision, die sich nach 100 Jahren wieder auflöst. Dazwischen liegt das Leben einiger Familienmitglieder Buendías. Eine große Herausforderung bestand immer heraus zu hören, von welchem Buendía gerade die Rede ist, da der gleiche Name in mehreren Generationen vorkommt.  Stellt man sich dieser Herausforderung, so hat man mit diesem Hörbuch einen schönen Zugang zu Gabriel García Márquez Werk gefunden.

Über den Autor:
Gabriel García Márquez, geboren 1927 in Aracataca, Kolumbien, arbeitete nach dem Jurastudium zunächst als Journalist. García Márquez hat ein umfangreiches erzählerisches und journalistisches Werk vorgelegt. Seit der Veröffentlichung von Hundert Jahre Einsamkeit gilt er als einer der bedeutendsten und erfolgreichsten Schriftsteller der Welt. 1982 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.

Details zum Hörbuch:
Ungekürzte Lesung, 14 CDs
Laufzeit: ca. 1008 Minuten
ISBN: 978-3-95713-083-9
Hörbuch Hamburg

Christina Burget

Spannend zu lesen

Heute habe ich wieder sehr interessante Bücher für euch zusammengestellt  – wir lernen das organisierte Verbrechen kennen, erleben die Geschichte einer Familie, eine Biographie über Coco Chanel & einen Literaturklassiker von Fontane mit einer Ehe in Briefen! Wunderschön!

Die Zuneigung ist etwas rätselvolles von Emilie & Theodor Fontane erschienen bei Aufbau

Ein bisschen Literatur im Leben hat etwas sehr bereicherndes – finde ich und so musste ich unbedingt zu diesem Buch greifen. Theodor Fontane ist sicher vielen von euch schon seit der Schulzeit ein Begriff – zum Beispiel mit dem Buch Effi Briest – wer also gerne etwas hochwertiges lesen möchte, ist hier bei diesem Buch absolut gut aufgehoben. Im Buchinneren finden sich Briefe aus der Ehe der Fontanes, die tiefe Einblicke ins damalige Leben geben und wunderschön zu lesen sind. Gerade in einer Zeit der Mails, Abkürzungen und SMS, ist es eine Bereicherung schöne Briefe zu lesen!

Zum Inhalt:

Eine außergewöhnliche Künstlerehe – mit bislang unveröffentlichten Briefen.
Die Briefe, die Theodor Fontane und seine Frau Emilie wechselten, gewähren intime Einblicke in die Höhen und Tiefen einer Dichterexistenz und zeichnen das lebendige Bild einer starken Frau, die aus dem Schatten ihres Mannes tritt.

Der Fontane-Experte Gotthard Erler hat die überraschendsten, schmerzlichsten wie schönsten Briefe des Ehepaars zusammengestellt und konnte dabei sogar auf bislang unveröffentlichte Originale zurückgreifen: In zehn Kapiteln umspannt diese Korrespondenz ein halbes Jahrhundert, von den Botschaften der Frischvermählten bis zu Fontanes letztem Brief, geschrieben an seinem Todestag. Lange Phasen der Trennung, bedingt durch dienstliche und schriftstellerische Verpflichtungen, aber auch durch die schwierige wirtschaftliche Lage der Familie, werden durch Briefe überbrückt. Wie das Gespräch in Zeiten der Nähe, so gehört der ununterbrochene, zuweilen überbordende briefliche Austausch zum Wesen dieser Künstlerehe. Ein wunderbarer Lesestoff und eine anschauliche Kultur- und Sozialgeschichte des 19. Jahrhunderts.

Coco Chanel von Nadine Sieger erschienen bei Herder

Ich verschlinge alle Bücher über Coco Chanel und dieses hier ist wirklich wunderbar und sehr detailliert geschrieben. Es verbindet Tatsachen mit schönen Erzählungen und ist einfach großartig zu lesen. Coco Chanel – von ihren Anfängen bis zu ihrem Ende – Gänsehaut Feeling pur erfährt man hier beim Lesen. Absolut empfehlenswert! Gerade für Leser, die das erste Mal über Chanel etwas lesen möchten, ist es ein Meisterwerk und ein toller Start!

Zum Inhalt:

Ihre Damenmode ist revolutionär, ihr Unternehmergeist visionär. Für jede Frau – egal welchen Alters – sind sie ein Begriff: das »kleine Schwarze«, »Chanel N°5« oder das »Chanelkostüm«. Auf mitreißende Art zeichnet Nadine Sieger nicht nur das vielschichtige Porträt einer besonderen Frau, sondern sie lässt auch das Flair einer der wichtigsten modischen Epochen wieder aufl eben. Sie porträtiert die stilprägende Modeikone Coco im Paris der 1920er-Jahre, erzählt die Geschichte des Hauses Chanel und seiner mondänen Erschafferin, die sich den Traum von einem unabhängigen Leben erfüllte und zu den einfl ussreichsten Frauen ihrer Zeit zählte.

Wir müssen reden von Sibylle Luithen erschienen bei DVA

Dies ist ein Buch, dass unter die Haut geht und auch die dunklen Seiten des Lebens zeigt. Die Gefühle der Hauptakteurin Feline werden ehrlich und teilweile schockierend erzählt. Es ist ein spannendes Buch, faszinerend, aber auch ein wenig düster – so wie es auch im realen Leben sein kann. Extrem gut geschrieben!

Zum Inhalt:

Über die Angst vor dem Scheitern – und das Wagnis, neue Wege zu gehen.

Feline, die Alleskönnerin, die immer lächelnd ihr Leben fest im Griff hat. Aber genügt sie wirklich – als Lehrerin, als Mutter, als Frau? Tatsächlich hält Feline, die noch keine dreißig ist, nur mit Mühe die schöne Fassade aufrecht. Bis eines Abends ihr Mann gesteht, dass er sich in eine andere verliebt hat. Sie flüchtet für ein paar Sommerwochen in die schwäbische Provinz. Dort lernt sie Silver kennen, einen Mann, der sich frei gemacht hat von den Erwartungen an ihn. Langsam beginnt Feline ihre eigenen Träume zu leben …

Mit eindringlicher Lakonie erzählt Sibylle Luithlen von einer sensiblen jungen Frau, die fremd im eigenen Leben ist. Ein feinnerviger Roman über die Zerrissenheit einer Generation, die sich mit den eigenen Ansprüchen überfordert.

Elternteile von Monika Isakstuen erschienen bei Eichborn

Auch dieses Buch zeigt eine Situation, in der man eigentlich gerne nicht stecken würde. Eine zerbrochenen Familie und zwei Elternteile, die sich um ihr Kind bemühen und sich immer mißverstanden und nicht zulänglich fühlen. Ein wunderbar geschriebener Roman über die Tücken des Lebens und wie man sie meistern kann. Einfühlsam und traumhaft geschrieben, darf man als Leser am Leben der Familie teilhaben und kann so vielleicht nach Lesen des Buches so manche anderen Menschen besser verstehen oder nicht urteilen.

Zum Inhalt:

Dies ist kein Wettbewerb. Aber ich will ihn gewinnen.

Eine kleine Familie zerbricht. Karen und ihr Ex-Mann bemühen sich, alles vernünftig und einvernehmlich zu regeln – auch die Erziehung der dreijährigen Tochter Anna. Eine Woche ist das Kind bei seinem Vater, eine Woche bei Karen. Karen kämpft nun an allen Fronten: gegen die Erwartungen der Gesellschaft, die gut gemeinten Ratschläge von Freunden, die Vorwürfe ihrer eigenen Mutter – doch vor allem kämpft sie gegen sich selbst. Denn was ist sie für eine Mutter, wenn Anna bei ihrem Vater ist?
Authentisch und einfühlsam gibt Elternteile einem Tabu eine Stimme und seinen ganz eigenen Platz in der Literatur.

„Der beste Roman zum Thema Trennung, den ich je gelesen habe. Ein trauriges und gleichzeitig humorvolles Buch über Gefühle, die wir uns oft verbieten.“ Aftonbladet, Schweden.

Mc Mafia von Misha Glenny erschienen bei Tropen

Dieses Buch ist richtig faszinierend und erzählt Hintergründe und Fakten, zusammengetragen und gut recherchiert und niedergeschrieben, dass man oftmals vergisst Luft zu holen. Wie funktioniert die Mafia zur Zeit, was macht sie aus? Die Autorin macht dieses Buch und die Fakten lebendig und schildert mit zahlreichen Interviews und Infos die Tatsachen. Das Böse auf der Welt ist nicht aufzuhalten! Eine erschütternde aber auch wachrüttelnde und informative Reportage – absolut lesenswert!

Zum Inhalt:

Die Geschäfte des organisierten Verbrechens boomen wie noch nie. Schuld daran ist die Globalisierung, die Kriminellen auf der ganzen Welt ungeahnte Türen öffnet. Eine erschütternde Reportage über eine der Schattenseiten der Globalisierung und eines der größten Probleme unserer Gegenwart.

Misha Glenny ist Experte für das internationale organisierte Verbrechen und deckt erschreckende Zustände auf. Im Gespräch mit Opfern und Tätern, Politikern und Polizisten wird deutlich, wie die organisierte Kriminalität ihren Siegeszug nach dem Zerfall der Sowjetunion antritt. Die politischen, wirtschaftlichen und technologischen Entwicklungen treiben die kriminellen Machenschaften an und die illegalen Netze breiten sich aus wie nie zuvor. Glenny enthüllt das verheerende Ausmaß der globalisierten Mafia und berichtet von nigerianischen Internetkriminellen, chinesischen Menschenschmugglern und kolumbianischen Drogenbaronen. Seine jahrelangen Recherchen in der Unterwelt lassen nur einen bitteren Schluss zu: Das organisierte Verbrechen ist einer der Gewinner der Globalisierung.

Viel Freude beim Lesen!
Barbara

Das Versteck

Das VersteckChristophe Boltanski

Das Versteck

 

In der Rue de Grenelle in Paris befindet sich das Heim der Familie Boltanski, der Mittelpunkt ihres Lebens, das sich um die nach einer Polioerkrankung gehbehinderte Großmutter dreht. Sie ist der Zellkern, um den sich, Atomen gleich, ihre Kinder drehen. Teil dieses Organismus ist auch Christophes Großvater, der sich während der deutschen Okkupation zwanzig Monate in einem kleinen Verschlag im Haus versteckt hielt, nachdem er offiziell von seiner Frau geschieden und verschwunden war.

Diese List seiner Großmutter rettete seinem Großvater, der als Arzt in einem Krankenhaus gearbeitet hatte, bis er als Jude von dort vertrieben worden war, wohl das Leben. Diese Erinnerungen und die Bewohner des Hauses haben es geprägt. Auf der Suche nach Wahrheit und Fiktion in seiner Familienhistorie, muss Christophe das Haus in der Rue de Grenelle in seine Bestandteile zerlegen.

In jedem Raum des früheren herrschaftlichen und später verwohnten und heruntergekommenen Gebäudes verbergen sich Erinnerungen an die Großeltern, Onkeln und Tante und die eigenen Eltern.

Vom Erdgeschoss bis zum Speicher arbeiten sich die Kapitel dieses wunderbaren Romans, der gleichzeitig der Versuch der Rekonstruktion einer Familiengeschichte ist, durch das Haus und das Leben der Familie Boltanski. Ein faszinierendes Debüt, eine literarische Entdeckung, in der es dem Autor gelingt, die Angst, die die Familie zusammenschweißt und die Freiheit, die sie sich in den eigenen vier Wänden zu schaffen versteht, in Worte zu fassen!

 

Über den Autor:

Christophe Boltanski wurde 1962 in Paris geboren und arbeitete lange Jahre als Journalist und Kriegsreporter. Seit 2017 ist er Chefredakteur der Zeitschrift XXI. Sein erster Roman „Das Versteck“ wurde mit dem Prix Femina ausgezeichnet.

 

Details zum Buch:

München 2017

Carl Hanser Verlag

ISBN 978-3-446-25642-2

 

Bettina Armandola

Irisches Tagebuch

Irisches TagebuchHeinrich Böll verbrachte viele Jahre in Irland und war von der rauen, bergigen Landschaft und den lebensfrohen Menschen sehr begeistert. Seine Eindrücke, Geschichten und Gedanken verarbeitet er in diesem Werk. In der feinen Sprache und den ausdrucksstarken Worten erkennt man in jedem Absatz seine Liebe zu Irland. Durch die genauen Beobachtungen und den gewissen Humor ist das Werk bemerkenswert und einfach lesbar. Seine fast schon poetischen und wunderbar bildlichen Vergleiche wie zum Beispiel: „Schon schmolz das Weiß der Zigarette auf ihre dunklen Lippen zu.“ machen das Werk des Literaturnobelpreisträgers einzigartig.
In den 18 Kapiteln behandelt der Autor seine chaotische Ankunft, den irischen Regen, das Treiben in der Stadt Limerick, irische Redensarten und vieles mehr. Hier beschreibt er das Irland der 1950er Jahre. In einem weiteren Essay das Irland bei seinem Besuch 13 Jahre später. Am Ende des Buches ist ein Lebenslauf Bölls mit allen seinen Werken abgedruckt.
Diese Sonderausgabe ist zu seinem 100. Geburtstag erschienen.
Wer Irland mag oder die Landschaft, Besonderheiten und die Lebensweise und Einstellung der Iren kennen lernen möchte oder Heinrich Böll schätzt, sollte dieses Werk auf jeden Fall lesen.

Details zum Buch
dtv-Verlag
Limitierte Sonderedition 2017
Hardcover, 144 Seiten
ISBN 978-3-423-14604-3

Eure Sonja Stummer

Nichts als die Nacht

Nichts als die NachtJohn Williams

Nichts als die Nacht

 

Der vierundzwanzigjährige Arthur Maxley lebt in den Tag hinein, gleichzeitig ist er aber ein Getriebener eines traumatischen Kindheitserlebnisses. Er fühlt sich einsam und allein und versucht vergeblich, mehr als eine ironische Distanziertheit zu anderen Menschen an den Tag zu legen.

Ein Treffen mit einem Bekannten geht ebenso schief wie das Essen mit seinem Vater, der die letzten Jahre durch Abwesenheit geglänzt hat und jetzt vergeblich versucht, ein Verhältnis zu seinem Sohn aufzubauen. Unausgesprochen steht der tragische Tod von Arthurs Mutter zwischen ihnen, der den jungen Mann in seinen Träumen heimsucht. Auch die Bekanntschaft mit einer jungen Frau in einem Tanzlokal nimmt kein gutes Ende…

Der Leser begleitet Arthur Maxley durch einen Tag seines Lebens, das diesem trost-, sinnlos und langweilig erscheint. Obwohl ihn keine existenziellen Fragen quälen, denn sein Vater ermöglicht ihm ein finanziell sorgenfreies Leben, ist Arthur unglücklich. Er weiß nicht, was er mit sich und seinem Leben anfangen soll, er versteht weder seine eigenen Gefühle, noch die anderer Menschen und ist getrieben von seinen Dämonen.

John Williams erzählt in seinem Debütroman „Nichts als die Nacht“, den er mit zweiundzwanzig nach einem Flugzeugabsturz mit dem Army Air Corps im burmesischen Dschungel festsitzend schrieb, über die inneren Abgründe eines jungen Mannes, der den Tod viel zu früh kennengelernt hat. Virtuos beschreibt er die Gemütszustände Arthurs vor dem Hintergrund der Straßen und Bars des nächtlichen San Francisco. Das Gefühl von Schuld und Scham, das Unvermögen, zu anderen eine Verbindung aufzubauen, das Unverständnis seinen eigenen Gefühlen gegenüber, treibt den jungen Mann durch die Nacht…

Dieser Roman hat mich wirklich beeindruckt! Ich habe vor ein paar Monaten „Augustus“, seinen Roman über den römischen Kaiser, von John Williams gelesen und war begeistert. Dieses Buch nun ist komplett anders, aber ebenso fesselnd im Stil und hat eine Atmosphäre, der man sich nicht entziehen kann!

 

Über den Autor:

John Edward Williams lebte von 1922 bis 1994 und wuchs in Texas auf. Anfang der vierziger Jahre wurde er Mitglied des Army Air Corps. Er überlebte einen Flugzeugabsturz im burmesischen Dschungel und wurde nach seiner Rückkehr in die USA Lektor und Universitätsdozent. Sein Roman „Stoner“ wurde posthum zum Welterfolg.

 

Details zum Buch:

Deutsche Erstausgabe 2017

dtv

ISBN 978-3-423-28129-4

 

Bettina Armandola

 

Das Leben wartet nicht

das-leben-wartet-nichtIm Italien der 1950er Jahre werden häufig Kinder vom bitterarmen Süden in die Industriestädte des Nordens geschickt.
Als seine Mutter durch einen Schlaganfall ein Pflegefall wird, kann Ninetto nicht mehr in die Schule gehen, sondern muss mit nur 9 Jahren von Sizilien nach Mailand um Geld zu verdienen. Er schlägt sich unter anderem als Lieferbote durch und arbeitet später bei Alfa Romeo in der Fabrik. Leben tut er in einer Baracke, die er aufgrund der Enge als Bienenstock bezeichnet. Mit nur 15 Jahren heiratet er Maddalena. Ninetto kämpft sich durch die Jahre und will sein Leben – das durch eine Dummheit ins Ungleichgewicht gestürzt wird – wieder in Ordnung bringen.

Manche Kapitel beschreiben die derzeitige Situation Ninettos, andere werden rückblickend verfasst. So erfährt der Leser sehr früh, dass der Hauptdarsteller einige Jahre im Gefängnis verbringen musste. Da man durch die nicht chronologische Schreibweise den Grund erst sehr spät erfährt, bleibt die Erzählung stets spannend und interessant.
Balzanos ruhige und emotionale Erzählweise ist sehr berührend. Die naiven aber auch hinterfragenden Gedan
kengänge Ninettos und seine innerliche Zerrissenheit machen sehr betroffen. Die kurzen Kapitel machen das Lesen angenehm.
Mit der gewählten Thematik g
ibt der Autor den damaligen Kindern eine Stimme und spannt einen Bogen zur aktuellen Flüchtlingssituation.
Von mir gibt es eine a
bsolute Leseempfehlung!

Über den Autor
Marco Balzano, geboren 1978 in Mailand, ist der Sohn von Süditalienern, die ihr Glück im Norden suchten. Er schreibt, seit er denken kann: Gedichte und Essays, Erzählungen und Romane. Neben dem Schreiben arbeitet er als Lehrer für Literatur an einem Mailänder Gymnasium. ›Das Leben wartet nicht‹ ist sein bisher erfolgreichster Roman. Er lebt mit seiner Familie in Mailand.

Über das Buch
Diogenes Verlag
Taschenbuch
304 Seiten
ISBN: 978-3-257-24428-1

Eure Sonja Stummer

Jack Engles Leben und Abenteuer

Jack Engles Leben...Walt Whitman

Jack Engles Leben und Abenteuer

 

Der Waisenjunge Jack hat in seinem Leben Glück im Unglück: er wird von einem liebevollen Ehepaar adoptiert, das sich des Jungen im New York des 19. Jahrhunderts annimmt. Als sein Adoptivvater den jungen Mann bei einem Rechtsanwalt zur Ausbildung gibt, stellt sich bald heraus, dass sein Brotherr dunkle Geheimnisse hat. Und die haben in nicht geringem Maße mit Jacks eigener Kindheit zu tun…

Walt Whitman schildert die Schattenseiten der rasant wachsenden Metropole New York, die politische Korruption, das Elend der Notleidenden- aber auch den „American Dream“, der sich verwirklichen lässt. Vom Tellerwäscher zum Millionär oder zumindest das Finden des eigenen kleinen Glücks: alles ist möglich, unabhängig von Herkunft, Stand oder Religion.

Dieser Roman gilt als sensationelle Entdeckung! Vielleicht nicht so sehr wegen seines Inhalts, als viel mehr wegen der Tatsache, dass dieses Prosawerk des Poeten Walt Whitman erst kürzlich entdeckt wurde. Ursprünglich wurde der Roman 1852 als Fortsetzungsroman im Sunday Dispatch veröffentlicht, allerdings nicht unter seinem Namen. Die Lebensgeschichte des Waisenjungen Jack wird in Dicken´scher Tradition erzählt und zeichnet ein interessantes Bild des damaligen New York und seiner multikulturellen Bewohner. Manchmal ein bisschen verwirrend zu lesen wegen der zahlreich auftauchenden Protagonisten und der Kapitel, die der Fortsetzungsgeschichte geschuldet sind, ist dieses Buch dennoch höchst interessant, weil es zeigt, dass der große Lyriker Walt Whitman sich auch der Prosa gewidmet hat- eine neue, bisher nicht allgemein bekannte Seite des Weltpoeten!

 

Über den Autor:

Walt Whitman lebte von 1819 bis 1892. Er war Lehrer, Schriftsetzer und Wohnungsmakler, bevor er als erster Weltpoet der USA berühmt wurde.Sein lyrisches Hauptwerk ist „Leaves of Grass“.

 

Details zum Buch:

Deutsche Ausgabe 2017

Manesse Verlag

ISBN 978-3-7175-2450-2

 

Bettina Armandola

 

 

Für euch reingelesen…

…habe ich in super spannende Literatur & Belletristik. Mitreißend, einfühlsam und ehrlich – all dies kann man den heutigen Büchern zuschreiben – aber seht selber:

Das Versprechen der Jahre von Penny Vincenzi erschienen bei Goldmann

Dies ist ein wahrer Epos, die Geschichte einer Familie Anfang des 19. Jahrhunderts.
Wunderschön geschrieben erlebt man die Hochs und Tiefs der Familie mit und kann die Verzweiflung, die oftmals in diesem Buch vorkommt, richtig erleben. Es ist ein wundervolles Eintauchen in die Vergangenheit, in eine Geschichte, die bewegt und verzaubert!

Zum Inhalt:

London 1904: Lady Celia Lytton betört die englische Society mit ihrer Intelligenz und Schönheit zugleich. Sie ist die perfekte Gastgeberin, veröffentlicht im eigenen Verlag einen Bestseller nach dem anderen und genießt ihr junges Familienglück – ein privilegiertes Leben. Doch dramatische Ereignisse kündigen sich an, und als ihr Mann Oliver in den Krieg eingezogen wird, können die Lyttons nicht mehr die Augen vor der Realität verschließen. Die makellose Fassade bekommt erste Risse, und Celia beginnt zu verstehen, dass sie einen Preis zahlen muss, für die Entscheidungen, die sie getroffen hat, und die Geheimnisse, die sie bewahrt …

Die Schäferin von Yorkshire von Amanda Owen erschienen Osburg Verlag

Der Untertitel: Mein Leben mit sieben Kindern, 900 Schafen und einem Mann, hat mich sofort aufmerksam gemacht und schon beim Lesen dieses Untertitels, hab ich meinen Hut gezogen. Dieses Buch ist so warmherzig geschrieben, dass man die Gänsehaut bekommt und sehr gerne von Amanda Owen liest, wie sie ihr Leben als Schäferin so meistert und auch genießt. Es ist schön seinem ganz persönlichen Weg zu folgen und seine Träume zu leben. Ein wunderschönes Buch, welches ganz nebenbei von der Traumkulisse im Norden Englands erzählt.

Zum Inhalt:

Oktober 1996: Die 21-jährige Schäferin Amanda Owen hat es ins Herz der Yorkshire Dales verschlagen, wo sie einen Widder abholen soll. Doch was sie letztendlich dort findet, ist weit mehr als ein widerspenstiges Schaf … Schon als Kind verschlang Amanda die Bücher des Tierarztes James Herriot und radelte bei jeder Gelegenheit ins Hochmoor, anstatt, wie von ihrer Mutter vorgesehen, die Laufstege der Welt zu erobern. Und sie verfolgte ihren Weg mit eigenwilliger, nahezu rebellischer Unbeirrtheit. Heute bewirtschaftet Amanda mit ihrem Mann und ihren sieben Kindern die abgeschiedene Farm Ravenseat mit 900 Schafen im Norden Englands und führt ein Leben, das an jenes ihrer Vorfahren vor hundert Jahren erinnert. Einziges Zugeständnis an die Modernität ist eine Satellitenschüssel, mit deren Hilfe Amanda die Vorkommnisse ihres ausgefallenen Lebens twittert und in den Herzen ihrer Follower die Sehnsucht nach der rauen Wildnis weckt. Kein Wunder, dass jetzt die Verfilmung des Buches geplant ist. Voller amüsanter Anekdoten und unvergesslicher Charaktere entführt Amanda Owens Geschichte den Leser in eine Welt, die bestimmt ist vom Rhythmus der Natur. Augenzwinkernd berichtet sie, wie sie den Widrigkeiten des harten Farmalltags entgegentritt: anpackend, geduldig und immer mit dem Gefühl, am wunderbarsten Ort der Welt leben zu dürfen.

Der Club der Nobelpreisträger von Michael Kröher erschienen bei Knaus

Dieses Buch ist bewegend – hier wird eine Geschichte erzählt, die die Welt verändert. Es wird über einen einzigartigen Ort erzählt und die grandiosen Genies, die dort ein und ausgingen und versuchten die Welt zu verändern und zu modernisieren. Gänsehaut pur! Dieses Buch muss man einfach lesen, da führt kein Weg dran vorbei!

Zum Inhalt:

Otto Hahn und Lise Meitner entdecken die Kernspaltung, Max Planck legt den Grundstein der modernen Quantenphysik, Otto Warburg erforscht den Krebs. Im Berliner Villenvorort Dahlem entsteht in der Weimarer Republik ein bedeutender Forschungscampus, eine Art „deutsches Stanford“. Im Zentrum: Das Harnack-Haus, wo im Lauf der Jahre 35 Nobelpreisträger zu Gast sind. Werden die wunderbaren Erfindungen und Technologien dem Fortschritt der Menschheit dienen oder ihrer Vernichtung? Michael Kröher porträtiert diesen einzigartigen Ort, an dem bahnbrechende Wissenschaft auf Macht und Geld trifft und der zum historischen Momentum wird.

Der kleine Minimalist von Joachim Klöckner erschienen bei Ecowin

Dieses Buch ist sehr inspirierend und erzählt die Geschichte eines Mannes, der sich von allem Unnötigem in seinem Leben trennte und ein absoluter Minimalist wurde. Man muss es zwar nicht gleich übertreiben und nur 50 gegenstände besitzen, aber der Weg ist entscheidend etwas ändern zu wollen und man wird nach Lesen dieses Buches sehen, dass es ohne Probleme geht, man muss nur klein beginnen und schon kann es losgehen.

Zum Inhalt:

Joachim Klöckner ist gelungen, woran viele scheitern, allen guten Vorsätzen zum Trotz. Er ist Überflüssiges losgeworden. Er hat Sinn und Zweck der Dinge in seinem Alltag grundlegend hinterfragt und dabei festgestellt: Man braucht zum guten und glücklichen Leben viel weniger, als man denkt.

Joachim Klöckner besitzt nur etwa 50 Dinge. Die Entscheidung für Wesentliches bedeutet für ihn Leichtigkeit und Klarheit. Die schrittweise Erfassung der Komplexität des Alltags während der letzten drei Jahrzehnte führte ihn zu innerer Zufriedenheit und Wohlbefinden.

Aber wie kann das jeder schaffen? Wie entwickelt man weniger materielle Begehrlichkeit und geht ehrlich mit sich und seinen Ressourcen um? Wie findet man den Weg hin zum glücklichen Selbstsein? Wie wird man unnötigen Ballast los? Der kleine Minimalist ist eine Einladung, sein Leben selbst zu gestalten.

In Schopenhauers Gegenwart von Michael Houellebecq erschienen bei Dumont

Wo Houellebecq drauf steht und Schopenhauer drinnen ist, da kann es sich nur um ein geniales Buch handeln. Sehr informativ und inspirierend geht der Autor auf seine Liebe zu Schopenhauer ein und reißt auch die Leser mit und bewegt dazu sich mit dem Philosophen näher zu beschäftigen. Super geschrieben!

Zum Inhalt:

Houellebecq entdeckt Schopenhauer im Alter von etwa sechsundzwanzig Jahren. In diesem Alter begreift er sich als »fertigen« Leser, für den sich bereits alles zu wiederholen beginnt, doch das Erlebnis der Lektüre von Schopenhauers Aphorismen zur Lebensweisheit bringt sein ganzes festgefügtes Denkgebäude zum Einsturz. Im Anschluss an diese im Grunde zufällige literarische Begegnung in einer öffentlichen Bibliothek beginnt Houellebecq ganz Paris nach einem Exemplar von ›Die Welt als Wille und Vorstellung‹ abzusuchen, das zum entsprechenden Zeitpunkt nur antiquarisch erhältlich ist. Die Lektüre krempelt sein Leben schließlich vollends um.
Das Hinterfragen unseres Herangehens an die Welt, unseres Wissens über sie; die Betrachtung des Künstlers und seiner inneren Verfasstheit; die Bedeutung der Kunst in der heutigen Zeit, in der die Kunst zum Massenphänomen geworden ist; Poesie und Wahrheit: das sind Themen, mit denen sich Houellebecq anhand seiner liebsten Passagen in Schopenhauers Werk auseinandersetzt.

Viel Freude beim Lesen!
Barbara

Traumhafte Literatur

Heute habe ich wieder einige extrem gute Bücher für euch – Literatur at its best sozusagen – Themen und Texte, in die mein eintauchen kann und erst wieder auftaucht um kurz Luft zu holen, oder am Ende des Buches. Lasst euch von der Vielseitigkeit der Romane überraschen!

Wie man die Zeit anhält von Matt Haig erschienen bei DTV

Dies ist eine Geschichte von der richtigen, wahren Liebe, die alles verändert und eine Welt und Sichtweise zeigt, die berührt. Dieses Buch ist brilliant geschrieben und man liebt es von der ersten Seite an. Wunderschöne Rückblicke und Erzählungen lassen die 400 Jahre von Tom auch die die Leser erlebbar sein und man genießt es so viel in diesem Buch erleben und erfahren zu können. Eine absolute Bereicherung!

Zum Inhalt:

Wenn Liebe die Zeit besiegt.

Keiner lehrt Geschichte so lebendig wie er ‒ und das hat einen guten Grund: Tom Hazard, Geschichtslehrer und verschrobener Einzelgänger, sieht aus wie 40, ist aber in Wirklichkeit über 400 Jahre alt. Er hat die Elisabethanische Ära in England, die Expeditionen von Captain Cook in der Südsee, die Literaten und Jazzmusiker der Roaring Twenties in Paris erlebt und alle acht Jahre eine neue Identität angenommen. Eines war er über die Jahrhunderte hinweg immer: einsam. Denn die Nähe zu anderen Menschen wäre höchst gefährlich gewesen. Jetzt aber tritt Camille in sein Leben. Und damit verändert sich alles.

Das verlorene Kopftuch von Nadine Pungs erschienen bei Malik

Dies ist ein wunderbar zu lesendes und sehr ehrliches Buch von einer tapfereen Frau, die sich alleine in den Iran aufmacht und dabei so viel großartiges erlebt. Es ist ein Buch voller Überraschungen und Lebensfreude und zeigt tiefe Einblicke in die jetzige Situation im Land, wie man sie von außen bloß durch die Medien niemals sehen und kennenlernen würde. Sehr einfühlsam und großartig geschrieben, hat man durch dieses tolle Buch die Möglichkeit zumindest mit diesen Zeilen auch selber eine Reise in den Iran zu machen.

Zum Inhalt:

Ein Glas Wein trinken, ohne Kopftuch über die Straße laufen und einfach einen Mann küssen. Da, wo Nadine Pungs sich hinbegibt, ist all das strengstens verboten, werden Frauenrechte nicht sonderlich geachtet und können alltägliche Dinge mit Peitschenhieben bestraft werden. Ihr Ziel: der Iran. Mit Schmugglerbussen und Taxifahrern, die während der Fahrt zum Himmel beten, reist sie von Teheran über den Persischen Golf im Süden bis fast an die Grenze zu Aserbaidschan im Norden. Dabei möchte sie herausfinden, was sich hinter dem leidigen Begriff »Achse des Bösen« verbirgt und wie der Iran abseits westlicher Klischees tatsächlich tickt. Schließlich bekommt sie nicht nur einen Wein angeboten, sondern mehrere … Der Verlust des Kopftuchs scheint somit unvermeidlich. Und als sie auch noch dem smarten Kourosh begegnet, ist das Chaos perfekt. Eine poetische Reise hinter den Schleier, in ein zerrissenes Land voller Menschlichkeit und Schönheit.

Billy Marvins Wunderjahre von Jason Rekulak erschienen bei Wunderraum

Ein fantastisch geschriebenes Buch über eine Zeit, an die sich viele von euch noch erinnern, die 80er Jahre. Köstlich werden hier Details und Situationen von damals beschrieben, die den Leser lachen und schmunzeln lassen und so die eigene Jugend oder Kindheit noch einmal erleben lassen. So manches kommt wieder in Erinnerung und ganz nebenbei ist die Geschichte in diesem Buch wirklich reizend und man liest sie sehr gerne und nimmt am Geschehen teil.

Zum Inhalt:

Für alle, die sich an die 80er-Jahre erinnern und daran, verknallt, verwegen und vierzehn zu sein.

Drei beste Freunde, die erste Liebe und die Frage, wie man einen ›Playboy‹ klaut …
Es ist der Mai des Jahres 1987, und vom Cover des ›Playboy‹ lächelt Vanna White. Im amerikanischen Fernsehen dreht sie das „Glücksrad“, und bei 14-jährigen Jungs wie Billy, Alf und Clark drehen bei ihrem Anblick die Hormone durch. Wenn es den dreien gelänge, eine Ausgabe des Magazins zu ergattern, könnte das ihr ganzes Leben verändern. Für immer. Auf legalem Weg ist die Zeitschrift für sie unerreichbar, also schmieden sie einen genialen Plan. Sie ahnen nicht, welche Gefahren, Gegner und Abfalltonnen ihnen im Weg stehen – und wie ein Mädchen namens Mary tatsächlich Billys ganzes Leben verändern könnte. Für immer.

Die Form der Schönheit von Frank Berzbach erschienen bei Eichborn

Dieses Buch zeigt eine sehr spannende und interessante Sichtweise und Form der Schönheit. Es ist eine Quelle der Lebenskunst. Schönheit ist so unterschiedlich und realtiv, aber Berzbach versucht uns mit diesem Buch und seinen Texten seine persönliche Sichtweise zu präsentieren. Diese regt zum Nachdenken an und vielleicht auch Überdenken so mancher Sichtweise und sorgt so für einen Erweiterung des eigenen Horizontes. Besonders amüsant finde ich die Seiten…wenn ihr das Buch in Händen haltet, werdet ihr wissen, was ich meine.

Zum Inhalt:

Schönheit ist ein Grundbedürfnis. Jeder Mensch »verschönert« etwas und wenn er das tut, geht es ihm besser. Dennoch nehmen wir die Schönheit oft nicht als Bestandteil unseres Alltags war – wir vernachlässigen unsere ästhetischen Bedürfnisse, unser Formbewusstsein verkümmert.

In seinem neuen Buch zeigt Frank Berzbach: den Sinn für Schönheit zu schärfen, ein Bewusstsein für Ästhetik zu entwickeln, heißt auch, ein glücklicheres Leben zu führen. Nur so können wir die Schönheit von Menschen, von Kleidung und Essen, die Schönheit des Analogen wie auch der Natur wertschätzen.

Die Architektur des Knotens von Julia Jessen erschienen bei Kunstmann

Dieses Buch geht unter die Haut. Es ist sehr feinfühlig und wunderbar geschrieben und man saugt jede Seite so richtig auf. Zum Glück in diesem Fall ist man nur der Beobachter der Geschichte und befindet sich nicht mitten drinnen. Ein sehr heikles und schwieriges Thema wird hier auf sehr feinfühlige und intensive Art und Weise beschrieben. Spannende Wendungen und Situationen, die es hier zu lesen gibt. Ein Buch, dass vorallem für Frauen mit Kindern extrem spannend zu lesen ist.

Zum Inhalt:

Eine Frau verlässt ihren Mann und ihre beiden noch kleinen Kinder. Niemand versteht das, auch sie selbst nicht. Aber das Gefühl, in der Routine des Alltags zu ersticken, ist übermächtig …

Yvonne und Jonas sind ein gutes Paar. Sie kümmern sich liebevoll um ihre Kinder, sie haben einen großen Freundeskreis, sie verstehen sich, beide sind berufstätig, teilen sich die Aufgaben. Warum Yvonne immer mehr das lähmende Gefühl hat, nur noch zu funktionieren, ist ihr selbst rätselhaft. Nur die Gewissheit, dass es so nicht weitergehen kann, die wird immer stärker.

Nach einem Fest geht sie mit einem der jüngeren Gäste noch in eine Bar. Und schläft mit ihm. Aber warum musste sie es ihrem Mann erzählen? Warum dann ihre Familie verlassen? Warum etwas zerstören, was sie perfekt aufgebaut hat? Um dem wunschlosen Unglück, der stillen Zerstörung zuvorzukommen, die man oft erst bemerkt, wenn es zu spät ist?

Julia Jessen erzählt schmerzhaft genau von Konflikten, in denen viele sich wiederfinden, auch wenn sich nur wenige so radikal damit konfrontieren. Und sie erzählt davon, wie eine Familie wieder zusammenfindet, auch wenn es nicht mehr so ist, wie es mal war.

Viel Freude beim Lesen!
Barbara

Das Winterbuch

Das WinterbuchTove Jansson

Das Winterbuch

 

Wenn im hohen Norden Winter herrscht, bedeutet das eisige Temperaturen, Schneeverwehungen, im Meer vorüberziehende Eisberge, Dunkelheit und Einsamkeit…

Es bedeutet aber auch Geborgenheit, wenn sich die kleine Tove vorstellt, dass das ganze Haus vom Schnee verschluckt wird oder die Krippenfiguren zu Weihnachten hervorgeholt werden, die von ihren Künstlereltern dekorativ platziert werden.

Die Erzählungen, die in diesem Band versammelt wurden, bieten ein weites Spektrum der kalten Jahreszeit. Die finnische Autorin beschreibt die Kraft und Unerbittlichkeit der Natur und den Platz des Menschen darin, der sich nicht zwischen dem Wunsch nach Einsamkeit und dem nach Nähe entscheiden kann.

Es gibt berührende, verstörende, witzige und traurige Passagen in diesem Erzählband: zwischenmenschliches Scheitern, das Verhältnis zwischen Mensch und Tier, die Angst vor dem Alleinsein. Die Schöpferin der Mumin-Geschichten erzählt bewegend von der Kindheit und den Mühen des Alters, private Fotos der 2001 verstorbenen Künstlerin sind in diesem Buch eingestreut und unterstreichen die Geschichten aus dem hohen Norden, die uns ein großes Lesevergnügen und eine gedankliche Abkühlung in den momentanen sommerlich-heißen Zeiten bieten!

 

Über die Autorin:

Tove Jansson, 1914-2001, wuchs in Helsinki auf und studierte Malerei, bevor sie durch ihre Mumin-Geschichten international bekannt wurde. Für ihr literarisches Werk wurde sie mehrfach ausgezeichnet., u.a. mit dem Hans-Christian-Andersen-Preis.

 

Details zum Buch:

2017

Lübbe

ISBN 978-3-431-04078-4

 

Bettina Armandola