Wasser Atmen

Wasser AtmenElisabeth Klar

Wasser Atmen

 

Die Bioakustikerin Erika Wawracek erforscht die Bedeutung der Lärmverschmutzung in den Meeren und deren Auswirkung auf die Kommunikation der Wale. Als ihr Freund Cécil sie überreden will, gemeinsam mit ihm an einem Forschungsprojekt in der Antarktis teilzunehmen, ist sie sich nicht sicher, ob sie das überhaupt möchte. Doch wie so oft, wenn ihr platonischer Weggefährte ihr etwas vorschlägt, ist sie letztendlich doch bereit, mitzumachen. So war es schon beim Aikido und beim Tauchen, beides Tätigkeiten, die ihr Angst machen, denen sie sich aber dennoch wieder und wieder stellt…

Auch die Studentin Judith, die im Rahmen ihrer Magisterarbeit in den Musikwissenschaften Erika interviewt, fühlt sich verloren in einer übermächtigen Welt, die von Geräuschen und Klängen dominiert wird. Neben Cécil und der kämpferischen Feministin Karo wird bald auch Judith Teil von Erikas Freundeskreis.

Dieser sprachgewaltige und bildhafte Roman wird nicht so sehr von Handlungen, als von Gedanken, Eindrücken und Erinnerungen geprägt, vom Wasser und dessen alles verschlingender Macht, vom Fallen, von Geräuschen, die Unheilvolles ankündigen und dem Versuch, das Leben durch immer wiederkehrende Abläufe unter Kontrolle zu bringen. Es sind faszinierende Psychogramme von Frauen, die ihre Angst vor dem Scheitern zu bekämpfen versuchen und das auf ganz individuelle Art und Weise tun.

Dieses Buch ist verstörend und faszinierend zugleich, die entstehenden Bilder brennen sich beim Lesen ein und beunruhigen den Leser zutiefst. Der Autorin gelingt es, Diffuses darzustellen und die latente Bedrohung in unseren Leben zu thematisieren. Dieses, im positiven Sinn unbequeme, Buch gehört definitiv gelesen!

 

Über die Autorin:

Elisabeth Klar wurde 1986 in Wien geboren und studierte Vergleichende Literaturwissenschaft und Transkulturelle Kommunikation. Sie arbeitet in der Softwareentwicklung und leitet Literaturworkshops. Für ihr Debüt „Wie im Wald“ erhielt sie dern Förderpreis der Stadt Wien und stand auf der Shortlist des Rauriser Literaturpreises 2015.

 

Details zum Buch:

2017

Residenz Verlag

ISBN 978 3 7017 1679 1

 

Bettina Armandola

Alte Geschichten

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Elfriede Hammerl

Alte Geschichten

Erzählungen

 

Verlagsinfo: „Zwischen Melancholie, Aufbegehren und Wut: Elfriede Hammerl sucht nach den verdrängten Ängsten, Nöten und Wünschen ihrer langsam in die Jahre kommenden Figuren. Wenn die Zeit, die noch bleibt, weniger wird, kommen Abgründe zum Vorschein: Ob Beate, Carola oder Kurt – sie alle kämpfen an gegen verpasste Chance, Rollenbilder und die Erinnerung an die Verflossenen. Im Verborgenen werden die Säbel gewetzt und auf dem Parkett der schon lang erloschenen Zuneigung wird Stellung bezogen – Mann gegen Frau, Töchter gegen Mütter, Ehefrau gegen Ex-Geliebte, Jung gegen Alt.

Die Erzählungen in „Alte Geschichten“ widmen sich den unangepassten Alten, den Angepassten, die aus ihrer Rolle ausbrechen wollen, und den gerade noch Jüngeren, die sich fragen, wie sie mit dem Näherrücken des Alters umgehen sollen. Und natürlich geht es auch um die alten Geschichten, die irgendwann einmal die Soll- und Habenseite einer Lebensbilanz ausmachen. Elfriede Hammerls „Alte Geschichten“ betreiben literarische Feldforschung auf dem Territorium des Lebensabends.“

Die Lektüre dieses Buches, dieser Sammlung von kleinen, feinen, sehr bösen, sehr düsteren und durchaus auch schwarzhumorigen Geschichten, hat mich sehr bewegt und unterhalten. Keine Geschichte, die nicht länger im Gedächtnis bliebe und zum Nach- und Weiterdenken anregt.

Die Menschen in den Geschichten sind so gefangen in ihren Lebenssituationen, so eingeschlossen mit Menschen, deren Gesellschaft sie sich besser nicht ausgesucht hätten, dass einem schon auch das Grauen überkommen kann.

Dieses Buch ist auch eine Mahnung, die eigenen Beziehungen und Freundschaften und auch Nachbarschaften mal genauer an zu schauen und potentielle Gefahren zu überlegen. Und es ist eine Warnung davor, dein Leben zu vergeuden, die in die Fallen der Konvention, der töchterlichen Opferbereitschaft, des Patriachats und der traditionellen Zweierbezihung locken zu lassen. Steckst du nämlich einmal drin, gibt es kaum noch ein Entkommen.

Über die Autorin
ELFRIEDE HAMMERL schreibt Erzählungen, Romane, Theaterstücke, Drehbücher und seit vielen Jahren eine Kolumne für profil. In Deutschland wurde sie durch ihr Drehbuch für den Fernsehfilm „Probieren Sie’s mit einem Jüngeren“ (Hauptrolle Senta Berger) und durch ihre Kolumnen in stern, Vogue, Cosmopolitan und Marie Claire bekannt. Die Autorin erhielt für ihre Arbeit zahlreiche Preise, u.a. den Publizistikpreis der Stadt Wien, den Frauenpreis der Stadt Wien, den Concordiapreis (in der Kategorie Menschenrechte), die Johanna-Dohnal- Anerkennung und den Kurt-Vorhofer-Preis.

Details zum Buch

Verlag Kremayr&Scheriau
Hardcover mit Schutzumschlag
192 Seiten, Format 13,5 x 21,5
2. Auflage, Kremayr & Scheriau 2018
22,00 €
ISBN: 978-3-218-01106-8
Februar 2018

 

Jackie Hechmati

Die Flügel meines schweren Herzens

Die Flügel meines schweren HerzensDie Flügel meines schweren Herzens

Lyrik arabischer Dichterinnen vom 5. Jahrhundert bis heute

 

Selten halte ich einen Gedichtband in Händen, noch viel seltener einen mit Lyrik von Frauen und noch nie habe ich einen von arabischen Dichterinnen gelesen!

Es gibt sie also doch, arabische Frauen vom 5. Jahrhundert bis heute, die ihre Gedanken, Gefühle und Ängste in Worte fassen. Diese zweisprachige Sammlung gibt uns einen Einblick in das Selbstverständnis arabischer Dichterinnen. Vom überraschend expliziten erotischen Gedicht bis zu zeitgenössischer Lyrik mit dem Thema Krieg und Exil: hier ist eine erstaunliche Bandbreite von Inhalten vertreten!

Über fünfzig mutige Autorinnen leisten in diesem Lyrikband einen Beitrag zur Islam- Debatte und zur Rolle der Frau im Patriarchat, die beeindruckend in folgendem Gedicht von Aisha Bint Ahmed Al-Qurtubia thematisiert wird:

„Ich bin eine Löwin, doch geb´ ich mich nicht zufrieden

   damit, mein Leben lang jemandes Ruhelager zu sein.

 

Und sollt´ ich einmal für einen mich entscheiden, werde ich

keinen Hund auswählen, nachdem ich nicht einmal

Löwen erhörte.“ (S 59)

Eine beeindruckende Sammlung arabischer Dichtkunst, die mit einigen Klischees aufräumt!

 

Über den Herausgeber:

Khalid Al-Maaly wurde 1956 im Irak geboren, floh 1979 aus politischen Gründen nach Frankreich und dann nach Deutschland. Er lebte als Schriftsteller in Köln und übersetzte unter anderem arabische Lyrik ins Deutsche. Seit 2008 führt er in Beirut seinen eigenen Verlag.

 

Details zum Buch:

2017

Manesse Verlag

ISBN 978-3-7175-4092-2

 

Bettina Armandola

 

Ein Tag in aller Liebe

Francoise Dorner
Ein Tag in aller Liebe

Übersetzung aus dem Französischen von Ulrike Werner

Violette wird auf der Beerdigung ihrer Schwiegermutter einfach von ihrem Mann Richard vergessen. Ein junger Mann hilft ihr in ihrer Not. Doch der junge Mann will nicht nur helfen, er führt einen Racheplan aus. Er will sich an Richard, seinen leiblichen Vater, rechen. Und dafür braucht er Violette.
Was der junge Mann aber nicht bedacht hat, dass er sich in Violette verlieben könnte.
Was Richard nicht bedacht hat, als der junge Mann ihm mit dem Vatersein konfrontiert, dass er immer noch Gefühle für die Mutter des jungen Mannes in sich trägt.
Was Violette nicht wusste, was es heißt zu lieben.

Kleines Buch mit großer Wirkung.
Das Buch, oder besser gesagt Büchlein, misst gerade mal 12 x 17,6 cm, die es aber in sich haben. Liebe, Leidenschaft und unerfüllte Liebe, alles in 140 Seiten reingepackt, bescheren dem Leser eine unerwartete Geschichte.

Über den Autor:
Françoise Dorner, geb. 1949, lebt und arbeitet in Paris. Sie schreibt Drehbücher und Bühnenstücke und ist Romanschriftstellerin. 2004 erhielt sie den Prix Goncourt du Premier Roman für ihr Debüt ›La fille du rang derrière‹, (dt. Die Frau in der hinteren Reihe, erschienen bei Diogenes). Weitere Veröffentlichungen folgten.

Verlag: Bastei Lübbe
Erscheinungsdatum: 11. November 2016
Hardcover, 140 Seiten
ISBN: 978-3-431-03951-1
Altersempfehlung: ab 16 Jahren
UVP: € 12,-

 

Elisabeth Schlemmer

 

Buch des Monats Oktober

DerMenschIstVerschieden.jpgFür das Buch des Monats habe ich diesmal ein witziges, philosophisch interessantes Werk ausgesucht, in dem sich jede Person wiederfindet: „Der Mensch ist verschieden“ von dem Autorenehepaar Michael Köhlmeier und Monika Helfer.

In ganz besonderer Weise charakterisieren die beiden die Menschen und benennen die Eigenarten direkt und in einfallsreichen Dialogen. Man fragt sich: „Bin ich ein Wüstenmacher, eine Vampirgewordene oder doch eine Liebessüchtige?“ Auch seine Freunde erkennt man in den humoristischen, fantasievollen, teils skurrilen und doch auch wieder wahren Beschreibungen von dreiunddreißig Charakteren. Die Wortwahl und der Schreibstil sind sehr kreativ, treffend und – wie könnte es auch bei einem derart berühmten Schriftstellerpaar anders sein – unglaublich gut gewählt.

Für mich ist das Werk eine für alle äußerst lesenswerte Erweiterung und Aktualisierung der vier Persönlichkeitstypen aus dem Altertum (Sanguiniker, Phlegmatiker, Melancholiker und Choleriker), weil es die Ausprägungen und Eigenheiten des Menschen in der heutigen Zeit in amüsanter sowie kurzweiliger Weise beschreibt.

Details zum Buch:
Verlag: Haymon
1. Auflage, 2017
ISBN 978-3-7099-7269-4
112 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag

Viel Spaß beim Lesen, Schmunzeln und Selbsterkennen!
Eure Sonja

 

Herrliche Bücher

Ich habe heute für euch einige wirklich tolle Klassiker herausgesucht, die man unbedingt lesen sollte. Henry James ist hier genauso vertreten wie Tim Parks.

Das Mädchen und der Träumer von Dacia Maraini erschienen bei Folio

Dies ist ein Buch, dass fesselt und bewegt. Eine Geschichte, die unbedingt geschrieben gehörte, die aufregt und erfreut, über Menschlichkeit, Liebe und Verlust schreibt. Keine leichte Lektüre, aber dafür absolut lesenswert und bereichernd!

Zum Inhalt:

Ein überwältigender Roman über Verlust und Menschlichkeit, berührend und fesselnd.

Träume sind Bruchstücke einer Wirklichkeit. Das weiß der Lehrer Nani Sapienza, als er von einem Mädchen träumt, das seiner verstorbenen Tochter ähnlich sieht. Nachdem er am Morgen danach von der vermissten Lucia im Radio hört, ist er überzeugt, dass sie ihm im Traum erschienen ist. Lucia ist spurlos verschwunden, und nach Wochen der vergeblichen Suche geben Polizei und Eltern auf. Nur Nani hört nicht mit seinen Schlussfolgerungen und besessenen Nachforschungen auf und zieht den Argwohn der Kleinstadt auf sich – aber seine Schüler der vierten Grundschulklasse, die nie genug von den wundersamen Erzählungen ihres Lehrers bekommen, bringt er zum Nachdenken. Die Suche nach Lucia wird bald zu einer Suche nach sich selbst.

Thomas & Mary von Tim Parks erschienen bei Kunstmann

Tim Parks hat mit diesem Buch einen glorreichen Roman geschrieben, der unter die Haut geht und bewegt. Es ist eine Situation, die hier beschrieben wird, die wir eher nicht so gerne erleben möchten, sehr einfühlsam erzählt mit viel Ehrlichkeit und dennoch nicht zu dramatisch. Eine Geschichte, die das Leben sie erzählt.

Zum Inhalt:

30 Jahre sind Thomas und Mary verheiratet. Sie haben zwei Kinder, einen Hund, ein Haus im Grünen. Aber nach Jahren des Auseinanderlebens kommt es – endlich – zu einer Entscheidung.

In dieser umgekehrten Liebesgeschichte erzählt Tim Parks, was passiert, wenn die Zuwendung und Hingabe, die ein Paar am Anfang füreinander hatte, sich verwandelt: in lange Spaziergänge mit dem Hund, in die Vermeidung, zur gleichen Zeit ins Bett zu gehen, in Spannungen, wer die Kühlschranktür offen gelassen oder den Tisch nicht abgeräumt hat.

Zwischen Komödie und Tragödie pendelt dieser wunderbar leichte Roman, in dem 30 Jahre Ehe mit kühlem Kopf und warmem Herzen überprüft werden, die Abhängigkeiten, die Zärtlichkeit, der Verrat. Es ist die leidenschaftlich intime Chronik einer Ehe, die Tim Parks erzählt, wie sie vielen Leserinnen und Lesern bekannt sein dürfte. Und wie er die Ausläufer des schmerzlichen Verlusts schildert, der durch die ganze Familie geht, wenn das Paar im Grunde seiner Herzen beschlossen hat, dass es vorbei ist – das macht ihm keiner nach.

Die Unvergesslichen von Val Emmich erschienen bei Droemer

Dieses Buch ist einfach WOW – ein Debütroman, der besser nicht geschrieben sein könnte. Eine spannende Konstallation der Hauptakteure und eine geniale Geschichte macht dieses Buch zu etwas Unvergesslichem! Absolut lesenswert!

Zum Inhalt:

Wie muss es sein, niemals vergessen zu können?

Die 10-jährige Joan fürchtet nichts so sehr, wie eines Tages in Vergessenheit zu geraten. Denn anders als sie selbst scheinen die Leute um sie herum ständig alles Mögliche zu vergessen: Joan ist einer von nur 30 Menschen auf der Welt mit einem fast perfekten Gedächtnis, die ihr gesamtes bisheriges Leben, wie ein Videoband im Kopf hat und jeden Moment und jedes Gespräch erinnern kann.

Als der Songwriter Gavin, ein Freund ihrer Eltern, Joan darum bittet, ihre Erinnerungen an seinen plötzlich verstorbenen Partner Sydney mit ihm zu teilen, wittert Joan ihre große Chance: Sie wird für Gavin das Videoband in ihrem Kopf zu jedem einzelnen Moment mit Sydney zurückspulen. Dafür wird er ihr helfen, einen unvergesslichen Song zu schreiben.

DIE UNVERGESSLICHEN zeigt das ungewöhnliche Zusammentreffen eines Mädchens, das nicht vergessen kann, und eines Mannes, der nicht vergessen will. Das Roman-Debüt des amerikanischen Schauspielers und Singersongwriters Val Emmich ist dabei tragikomische Familiengeschichte, coole Musikkomödie und warmherziges Liebesdrama in einem.

Die Kostbarkeiten von Poynton von Henry James erschienen bei Manesse

Henry James Romane sind absolute Klassiker und dieses Buch hier kannte ich bisher noch nicht. Dieses Buch ist eine Neuübersetzung eines Spätwerks des Autors und vielleicht bisher ein bisschen weniger bekannt als die großen namhaften Klassiker. Schon auf der ersten Seite taucht man tief in die Welt von James ein und braucht nach Ende des Buches noch einige Zeit, um wieder in der Realität anzukommen. Ein traumhaftes Buch!

Zum Inhalt:

Wer sagt, dass Blut dicker ist als Wasser? Henry James erklärt in seinem Roman «Die Kostbarkeiten von Poynton» die Familie zum Schauplatz boshafter Verteilungskämpfe. Nach dem gefeierten Erfolg von «Die Europäer» und «Washington Square» führen wir die Henry-James-Renaissance mit dieser Neuübersetzung eines Spätwerks fort.

Wertvolle Gobelins, Elfenbeinschnitzereien, edle Bronzen und alte spanische Altardecken … Adela Gereth hat in «Poynton Park», ihrem Landsitz aus dem 17. Jahrhundert, lebenslang leidenschaftlich erlesene Einrichtungsgegenstände aus ganz Europa gesammelt. Dass nun weder Sohn Owen noch die von ihm umworbene Mona Brigstock diese Kostbarkeiten zu würdigen wissen, bereitet Adela Kopfzerbrechen. Dass das junge Paar sie ausquartieren will, bringt sie gar an den Rand der Verzweiflung. Dabei hat sie in Fleda Vetch doch bereits eine adäquate und sachkundige Schwiegertochter ausgemacht. Fleda findet tatsächlich nicht nur Gefallen am Haus, sondern auch an Owen – und sitzt plötzlich zwischen allen Stühlen. Bekannt für seine sprachliche wie psychologische Raffinesse, lässt uns Henry James auch mit diesem Roman wieder in die Abgründe menschlicher Beziehungen blicken.

Für Christus und Venedig von Sibyl von der Schulenburg erschienen bei Wieser

Dies ist ein großartiger historischer Roman, der in die Welt des alten Venedigs entführt und die Leser verzaubert. Die Geschichte ist wirklich toll geschrieben und es macht viel Freude jede einzelne Seite dieses Buches zu lesen und am Geschehen teilzuhaben. Absolut lesenswert!

Zum Inhalt:

August 1716. Korfu erbebt unter einem Orkan von Einschlägen, die Hitze hockt unerträglich zwischen den Trümmern. Die Entscheidungsschlacht, ob Korfu in den Händen des Abend landes verbleibt oder in den strategischen Bereich des Morgen landes fällt, tobt.

Im Jahre 1716 wird die westliche Welt durch das türkischosmanische Reich bedroht. Die Machthaber Europas rüsten sich, um die Invasion aus dem Orient aufzuhalten. Der deutsche Feldherr Graf Johann Matthias von der Schulenburg ist beauftragt, die venezianische Insel Korfu als letzten Vorposten Europas zu verteidigen und damit Prinz Eugen von Savoyen Zeit zu verschaff en, seine Truppen nach Osten zu führen. Dreitausend Mann gegen vierzigtausend Feinde, aber auf dem Spiel stehen Venedig, Europa, das Christentum – und der Nachruhm.

Am Neujahrsmorgen 1715 jagten von Wien aus Kuriere in sämtliche Richtungen. Vom General Schulenburg an seine Schwester Melusine Kendal in London, vom Botschafter Grimani an den Dogen in Venedig, vom Generalleutnant Bonneval an eine unbestimmte Adresse im Orient, von der Gräfin Bokum an den König August in Dresden. So verschieden die Empfänger auch waren, diese Nachrichten blieben durch den Inhalt untereinander verbunden und legten sich wie ein Netz über Europa.

Viel Freude beim Lesen.

Barbara

Ein französischer Sommer

Ein franzoesischer Sommer von Jessica BrockmoleClare, eine gebürtige Schottin, verbringt nach dem Tod ihres Vaters den Sommer des Jahres 1911 in Frankreich. In Mille Mots lernt sie Luc kennen. Er kümmert sich um Clare, sie finden Vertrauen zueinander und verlieben sich auch ein bisschen. Danach reist die junge Malerin mit ihrem Großvater, einem Sprachforscher, nach Portugal und Nordafrika, während in Europa der Weltkrieg beginnt. Luc muss für sein Land kämpfen und wird schwer verwundet. Sie schreiben einander Briefe, dennoch reißt der Kontakt zwischen ihnen ab. Durch Zufall sehen sie sich Jahre später in einem Pariser Atelier wieder und versuchen ihre Beziehung wiederherzustellen.

Dieser gefühlvolle Roman von Jessica Brockmole wurde von einer wahren Geschichte inspiriert. Die Autorin schafft es mit ihrer sanften Wortwahl eine romantische und zugleich spannende Geschichte zu erzählen und die Leserin zu begeistern.

Über die Autorin:

Jessica Brockmole hat seit jeher eine große Leidenschaft für historische Romane. Die Idee zu ihrem Debüt, dem internationalen Bestseller „Eine Liebe über dem Meer“, entstand während eines langjährigen Aufenthalts in Schottland. „Ein französischer Sommer“ ist ihr zweites Buch. Die Autorin lebt heute mit ihrem Ehemann und ihrem zwei Kindern in Indiana, USA.

Details zum Buch:
Verlag: Diana-Verlag
Taschenbuch, 415 Seiten
ISBN: 878-3-453-29181-2

Eure Sonja Stummer

Himbeeren mit Sahne im Ritz

Zelda Fitzgerald
Himbeeren mit Sahne im Ritz
Erzählungen

Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Eva Bonné
Nachwort von Felicitas von Lovenberg

Den Anfang macht die Leinwandkönigin Grace, die fest daran glaubt, dass sie eines Tages ganz groß rauskommt. Den Titel der Erzählungen verdanken wir der zweiten Geschichte, die den Anfang im Ritz nimmt, und über Gay der Revuetänzerin handelt. Einer Frau die das Leben, die Schönheit für sich gepachtet hat, bis es Zeit war, stilvoll den Abgang zu machen. Die nächste Geschichte führt uns in die Südstaaten, ein weiteres Mädchen, welches mit dem Schicksal zu hadern hatte.

Eines haben alle Geschichten gemeinsam, sie handeln von Frauen, die sich mit dem Schicksal anlegen. Die nicht den einfachen Weg einschlagen, sondern etwas aus sich machen wollen, und dadurch Wege einschlagen, die von der Norm abweichen und in manchen Gesellschaftsschichten als anrüchig angesehen werden. Diese Frauen nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand und warten nicht darauf, bis der Ritter in der glänzenden Rüstung erscheint.
Für die damalige Zeit sind es äußerst wagemutige Geschichten. Aber auch wenn diese Geschichten vor fast 100 Jahren geschrieben worden sind, haben sie immer noch ihre Gültigkeit.
Zelda Fitzgerald hätte sich nicht hinter den Namen ihres Mannes verstecken müssen. Sie hätte, wenn sie sich an ihren Protagonistinnen orientiert hätte, in den Vordergrund drängen, und denen zeigen sollen, dass auch Frauen schreiben können.

Über die Autorin:
Zelda Fitzgerald, geb. Sayre, wird im Jahr 1900 in Montgomery geboren. Sie macht eine Ballettausbildung und zieht nach der Heirat mit Francis Scott Fitzgerald 1920 nach Frankreich. Am 26. Oktober 1921 bringt sie ihr einziges Kind zur Welt, die Tochter Frances Scott („Scottie“). Zelda Fitzgerald veröffentlicht in der „Chicago Sunday Tribune“ einige Kurzgeschichten, die allerding unter dem Namen ihres Mannes erscheinen. Sie setzt ihre mit achtzehn abgebrochene Ballettausbildung fort, parallel dazu nimmt sie Kunstunterricht. Seit 1930 Schizophrenie diagnostiziert wird, lebt sie in einer Nervenklinik, wo sie 1948 bei einem Brand ums Leben kommt.

Verlag: Manesse Verlag Zürich
Erscheinungsdatum: 26. September 2016
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-7175-2400-7
UVP: € 25,70

 

Elisabeth Schlemmer

 

Die Liebe unter Aliens

Die Liebe unter AliensTerézia Mora

Die Liebe unter Aliens

 

Ein japanischer Professor in Berlin geht in Pension: wie soll er jetzt Struktur in sein Leben bringen ohne seine Lehrarbeit? Der Plan, ein Buch zu schreiben, misslingt. Und so beginnt Masahiko mit Spaziergängen, in deren Lauf er eine Putzerei entdeckt, die ebenfalls von einer Japanerin geführt wird. Eigentlich ist er ja glücklich verheiratet, aber er spürt, dass hier das Schicksal auf ihn wartet. In der Zwischenzeit wird alles, was er tut, zum So-tun-als-ob:

„Es ergab sich nämlich, dass Masahiko Satos neue Routine daraus bestand, erst eine Weile in seinem Zimmer zu verharren, wo er nicht arbeitete, nur so tat, dann hinauszugehen, wo er nicht spazierte, nur so tat, und dass er auf dem Rückweg einkaufte, konnte er nur deswegen nicht simulieren, weil Spazierengehen und Nur-so-tun-als-ob-man-spazierte für den Betrachter gleich aussehen, aber ein Einkauf nicht, denn entweder hast du etwas eingekauft oder nicht. Wie auch immer, das Wesentliche ist, dass alles, was er tat, im Grunde nur Tarnung war, denn der einzig wichtige Punkt eines jeden Tages war jener, da er endlich bei der Reinigung vorbeikam.“ (S 246 f.)

Zehn Erzählungen drehen sich um zehn Leben, zehn Schicksale. Neben dem japanischen Professor lernen wir ein junges Paar kennen, Tom ist Kochlehrling und lebt mit seiner Freundin Sandy auf beengtem Raum zusammen. Sandy will unbedingt ans Meer, doch auf dem Weg dorthin verschwindet sie plötzlich. Wir treffen einen geschiedenen Vater, eine junge Frau, die Dank Stipendien durch Universitätsstädte reist, einen Alkoholiker, der eine Prüfung für Verwaltungsangestelltenanwärter macht. Allen ist gemeinsam, dass sie sich Hoffnung bewahrt haben, auch wenn ihnen das Leben doch immer wieder einen Strich durch die Rechnung macht. Der Wunsch nach und die Angst vor Nähe, die Unmöglichkeit, den Ansprüchen anderer und von sich selbst gerecht zu werden, spiegelt sich in den unaufgeregt erzählten Geschichten wider.

In einer wunderbaren Sprache, mit Humor und viel Einfühlungsvermögen, werden wir Leser hineingezogen in die Leben der Protagonisten, die auftauchen, uns berühren und sich wieder verabschieden! Eine beeindruckende Sammlung von Kurzgeschichten!

 

Über die Autorin:

Terézia Mora wurde 1971 in Sopron, Ungarn geboren und lebt seit 1990 in Berlin. Für ihren Roman „Das Ungeheuer“ erhielt sie 2013 den Deutschen Buchpreis. Sie zählt auch zu den renommiertesten Übersetzern aus dem Ungarischen.

 

Details zum Buch:

1.Auflage 2016

Luchterhand Literaturverlag

ISBN 978-3-630-87319-0

 

Bettina Armandola

 

Meine Tage mit Fabienne

Hubertus Meyer-Burckhardt
Meine Tage mit Fabienne

Herr Kannstatt ist Immobilienkaufmann, liebt die Musik über alles, aber vor allem liebt er die Regelmäßigkeit in seinem Wohnhaus. Er kennt die Schritte seiner Nachbarn, weiß die Geräusche zu deuten, kennt ihre Tagesabläufe. Das beruhigt ihn, gibt ihm ein Gefühl der Sicherheit.

Und dieses Leben wird jetzt gestört durch eine junge Hutmacherin, Fabienne.
Eine Frau, die das Leben für sich gepachtet hat.

Sie genießt es in vollen Zügen, reist alle in ihren Strudel mit hinein – auch Kannstatt. Nichts ist mehr wie es war. Sie gibt ihm das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Doch seine Einsicht ist zu spät, sie ist fort.

Fabienne hat sich einen anderen Ort gesucht, den sie aufmischen kann.

Einfach lesen und genießen.
Diese Geschichte bringt viele Facetten des Lebens zum Vorschein, die wir schätzen und doch gleichzeitig hassen. Die Regelmäßigkeit, der Alltag des Lebens, ist es Glück oder ein Fluch?

Über den Autor:
Hubertus Meyer-Burckhardt, 1956 in Kassel geboren, betrat bereits im Alter von 15 Jahren die Bühne des dortigen Staatstheaters und wusste gleich, dass er einmal „irgendetwas mit Unterhaltung“ machen wollte. Was lag da näher, als in München die Hochschule für Fernsehen und Film zu besuchen. Er wurde TV-Produzent. Es folgten viele Filme – und viele Preise, und danach Jahre im Vorstand der Axel Springer AG sowie bei ProSieben Sat1 und später eine Professur an der Hamburg Media School. Er hofft, seinen beiden Kindern bisher ein guter Vater gewesen zu sein und empfiehlt im Übrigen die Liebe nie und nimmer zu suchen, sofern man sie finden möchte. Er wohnt in Hamburg und ist dauernd unterwegs.

Verlag: Lübbe
Erscheinungsdatum: 4. März 2016
Hardcover, 224 Seiten
ISBN: 978-3-431-03953-5
UVP: € 18,-

 

Elisabeth Schlemmer