Versuch den Blitz einzufangen

Cover_BlitzManfred Chobot

Versuch den Blitz einzufangen

„Meine Verwandten liegen mir auf der Zunge wie Speichel. Von Zeit zu Zeit muss ich schlucken, um der Ansammlung Herr zu werden.“

Das Buch erzählt vom teils wenig freudvollen Leben der Frauen der Familie Svoboda: Armut, Prostitution, Neid und Streitereien stehen an der Tagesordnung. Großmutter Josepha ist geschieden und muss als Hausmeisterin drei Kinder versorgen. Wenzel, der Großvater ist Perlmutt-Drechsler und läßt sich nur von Tochter Fanny hie und da etwas Geld abbetteln. Die anderen Kinder, Anna und Paul, drangsalieren Fanny wo und wie es nur geht.

Dann kommt der Krieg und Peter, der uneheliche Sohn von Anna, wird noch Jahre später traumatisiert sein. Peters Vater hingegen, ein gewisser Erich Werlovsky, wird es unter den Nazis weit bringen. Er wird etliche Jahre später von seinem jüngsten Sohn Rainer Maria erschossen.

Und dann ist da noch der Cousin Freddy, ein Schlagerstar, mit dem man angeblich verwandt ist, und der Versuch diesen zu Treffen. Besonders skurril gestaltet sich der Besuch bei seinem Manager in München.

Manfred Chobot berichtet mit viel Augenzwinkern vom Leben der Svobodas. Die Erzählung springt häufig in der Zeit und zwischen den Personen. Es ist nicht immer sofort klar, aus wessen Perspektive und wann gerade erzählt wird. Das Buch ist als Fortsetzung von „Reise nach Unterkralowitz“ (Limbus 2009) gedacht, in dem es vor allem um die Männer der Familie ging. Wer gerne Familiengeschichten und Anekdoten liest und skurrile Figuren mag, wird mit diesem Buch eine Freude haben.

Infos zum Autor:
Manfred Chobot, geboren 1947 in Wien, Studium der Kulturtechnik, lebt als freier Schriftsteller. Seit 1972 etliche Preise und Stipendien (u. a. Theodor-Körner-Preis 1976, Preis der Arbeiterkammer Oberösterreich 1981, Staatsstipendium 1986/87 und 1996/97, Literaturpreis des Landes Burgenland 2006, BEWAG-Literaturpreis 2007). Etwa 50 Hörspiele und Features für ORF, HR, Süddeutschen Rundfunk, Radio Bremen und RAI. Zahlreiche Bücher.

Details zum Buch:
Limbus Verlag
Hardcover, 190 Seiten
Erschienen 2011, Reihe Zeitgenossen
ISBN 978-3-902534-51-4
€ 18,90

Rezensiert von Marlies Presser