Alle Farben Rot

cover_farbenrotAlle Farben Rot
Laksmi Pamuntjak
Aus dem Indonesischen von Martina Heinschke

Auf der Molukkeninsel Buru wird eine Frau schwerverletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Sie hat keine Begleiter und auch sonst scheint niemand sie zu kennen. Die Ärzte sind ratlos, denn nachdem die Frau wieder bei Bewußtsein ist, spricht sie kein Wort. Nach einiger Zeit taucht ein junger Mann auf und erkundigt sich nach ihr. Er kann Licht in die Sache bringen und wir erfahren, dass die Frau auf der Suche nach ihrem verschollenen Geliebten ist, den sie vor über 40 Jahren in den blutigen Unruhen nach Suhartos Putsch 1965 aus den Augen verloren hat.

Der eigentlichen Handlung vorangestellt ist eine Zusammenfassung des indonesischen Nationalepos Mahabharata und der Geschichte von Amba, die mit Salwa verlobt ist. Amba und ihre beiden Schwestern werden vom Krieger Bishma entführt. Salwas Truppen versuchen die Schwestern vergeblich zu befreien. In der Zwischenzeit verlieben Amba und Bishma sich ineinander. Schockiert von ihren Gefühlen, bittet Amba Bishma, sie wieder zu Salwa zu bringen, was dieser auch tut. Doch ihr Verlobter möchte von ihr nichts mehr wissen, da sie unverkennbar einen anderen liebt. Amba wendet sich wieder an Bishma, aber dieser hat ein Keuschheitsgelübde abgelegt und kann sie nicht zur Frau nehmen. Amba ist auf sich allein gestellt. Die Truppen von Bishma und Salwa kämpfen indessen unvermittelt weiter. Nach langen Jahren wird Amba als Srikandi wiedergeboren und tötet Bishma bei einem Gefecht. Erst durch seinen Tod endet die Schlacht aller Schlachten.

Mit Rückblenden und aus verschiedenen Perspektiven erzählt Pamuntjak das Epos rund um Amba, Salwa und Bishma neu und verbindet es mit der Geschichte Indonesiens im 20. Jahrhundert. Nach und nach fügen sich die unterschiedlichen Handlungsstränge und Perspektiven zu einem Ganzen. Eine spannende Lektüre mit eindrücklich geschilderten Charakteren.

Über die Autorin
Laksmi Pamuntjak ist eine renommierte indonesische Essayistin, Lyrikerin und Journalistin. Sie veröffentlichte u. a. zwei Gedichtbände (Ellipsis und The Anagram), den Essay Perang, Langit dan dua perempuan („Krieg, Himmel und zwei Frauen“) über Gewalt und die Ilias und eine Kurzgeschichtensammlung. Sie lebt mit ihrer Familie in Jakarta.

Details zum Buch
Ullstein Buchverlage
Erschienen am 29. September 2015
Hardcover, 672 Seiten
ISBN-13 9783550080869
€ 24,70

Rezensiert von Marlies Presser

 

Was das Meer nicht will

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Was das Meer nicht will
Roman
Daniela Gerlach

Die Ich-Erzählerin, ihr Name wird im gesamten Roman nicht erwähnt, sitzt in ihrer Ferienwohnung in Spanien und wartet auf nichts Besonderes. Es ist Nebensaison, die Wohnanlage und der Ort sind wie ausgestorben. Es ist einerlei, ob sie den ganzen Tag im Bett liegt oder am Strand spazieren geht. Sie denkt an Georg, ihren Ehemann und an Karl, ihren Nachbarn und sehr oft kreisen ihre Gedanken um ihre Mutter Erika. Nach und nach erfahren wir mehr vom Leben, das sie bisher geführt hat und relativ spät wird klar, was sich daran auf so dramatische Weise verändert hat.

„Was das Meer nicht will“ handelt von einem Leben zwischen einer harmonisch-langweiligen Ehe und einer Mutter-Tochter-Beziehung, die von Bevormundung und emotionaler Erpressung geprägt ist. Der Wunsch nach einem Ausbruch aus der Routine und nach Freiheit ist groß, doch fehlt der Protagonistin der Mut dazu. Gerlachs Roman ist keine leichte Urlaubslektüre. Empfohlen für alle, die Beziehungsdramen und Psychogramme zu schätzen wissen.

Über die Autorin
Daniela Gerlach, geboren 1962 in Dortmund, Studium der Neueren deutschen Literatur, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft in München. Arbeitete als freie Journalistin, Werbetexterin und Ghostwriter. Ging 1997 nach Spanien, um dort zu leben. Heute freie Autorin, die zwischen Mittelmeer und Ruhrgebiet pendelt.

Details zum Buch
STORIES & FRIENDS Verlag e.K.
Erschienen am 21. März 2015
Hardcover, 279 Seiten
ISBN 978-3-942181-78-5
€ 18,90

Rezensiert von Marlies Presser

Verkannte Pioniere

cover_pioniereVerkannte Pioniere
Abenteurer – Erfinder – Visionäre
Armin Strohmeyr

Der Autor porträtiert insgesamt drei Erfinderinnen und 19 Erfinder von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Diese habe zu ihren Lebzeiten nicht immer die Würdigung erfahren, die ihnen aufgrund des Stellenwertes ihrer Ideen für ihr Fach hätte zu Teil werden müssen. Häufig waren ihre Entwicklungen und Entdeckungen bahnbrechend, konnten sich jedoch nicht durchsetzen, weil sie nicht die richtigen Fürsprecher im akademischen Betrieb oder die richtigen Verbindungen in die Industrie hatten. Etliche Male wurden die Ideen auch schlichtweg gestohlen und die Betrogenen konnten, mangels rechtzeitiger und ausreichender Patentierung, nicht dagegen vorgehen. In gewisser Weise tragisch erscheint mir, dass viele der vorgestellten Personen zwar in ihrem Fach äußerst fähig, jedoch in der Absicherung und Vermarktung ihrer Ideen und Entwicklungen wenig versiert waren. Besonders die Geschichte von Ilse Kober-Essers entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Trotz beachtlicher Chancen im akademischen Betrieb entschied sie sich gegen eine wissenschaftliche Karriere, sondern für die klassische Rolle als Mutter und Hausfrau. In späteren Jahren schrieb sie Biografien über Naturwissenschafter und Techniker, die sich mit ihren Ideen und Erfindungen nicht durchsetzen konnten.

Manche der vorgestellten Naturwissenschafter/innen und Techniker/innen sind allgemein bekannt, wie z.B. Ignaz Philipp Semmelweis oder Nikola Tesla. Die meisten jedoch sind weniger geläufig, wie z.B. Rosalind Franklin oder Hippolyte Bayard. Empfohlen für alle, die sich für Technikgeschichte interessieren und/oder gerne Biografien lesen.

Über den Autor
Armin Strohmeyr, geb. 1966, promovierter Germanist, preisgekrönter Buchautor, Herausgeber, Autor zahlreicher Radio-Features, schrieb Gedichte und Theaterstücke und lebt in Berlin. Zahlreiche Buchveröffentlichungen, u. a. viel beachtete Biografien und Porträtsammlungen. Bei Styria: First Ladys (2013).

Details zum Buch
styria premium Verlag
Erschienen im Mai 2015
Broschiert, 304 Seiten
ISBN 978-3-222-13394-7
€ 18,90 (A)

Chandigarh Redux

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Fotografien von
Werner Feiersinger
Essay von Andreas Vass
Herausgegeben von
Martin und Werner Feiersinger

„The founding of Chandigarh is a case in which the highest aspirations came up against dramatic shortages of everything that seemed to be necessary for its fulfillment.”

Chandigarh wurde in den 1950er Jahren als Hauptstadt des neuen indischen Bundesstaates Punjab erbaut. Die Entwürfe für die Planstadt stammen von einem ArchitektInnen-Team rund um Le Corbusier. Die Stadt gilt als Ikone moderner Architektur. Werner Feiersinger hat Chandigarh mit seiner Kamera durchstreift und ausdrucksstarke Aufnahmen verschiedenster Stadtteile und Gebäude gemacht, die im vorliegenden Band präsentiert werden. Die über 300 Fotos sind farblich zurückhaltend und strahlen für mich eine gewisse Melancholie aus, denn obwohl es in indischen Städten vor Menschen normalerweise nur so wimmelt, hat es Feiersinger geschafft, fast keine Personen auf seine Fotos zu bannen.

Der knapp 30seitige Beitrag von Andreas Vass in englischer Sprache behandelt die Geschichte der Stadt, ihre architektonischen Besonderheiten und gibt einen Ausblick auf ihre zukünftige Entwicklung. Für jene, die es genauer wissen wollen, gibt es auch ein Verzeichnis mit weiterführender Literatur. Empfohlen für alle, die sich für moderne Architektur und Architekturfotographie interessieren.

Über die Autoren
Martin Feiersinger is an architect running his own studio in Vienna. He has realized numerous projects in Austria and won several internatiional international awards.
Werner Feiersinger, born 1966, is an Austrian sculptor and photographer living and working in Vienna. He did his artistic education at University of Applied Arts in Vienna. He has lectured at Ecole nationale supérieure des beaux-arts de Lyon in 1999 and, as a visiting professor, at University of Applied Arts in Vienna 2006–08.
Andreas Vass, born 1961, graduated in architecture from the Academy of Fine Arts Vienna in 1988. He is a founding partner of Hubmann Vass Architects in Vienna and has been teaching as a visiting professor at various universities in Austria, Chile, Italy, and Switzerland.

Details zum Buch
Scheidegger & Spiess Verlag
Erschienen 2015
Broschiert, 416 Seiten
ISBN 978-3-85881-762-4
€ 48,00

Marlies Presser

Fine – Das Weinmagazin

cover_fineFine – Das Weinmagazin
Herausgegeben von Ralf Frenzel

In dieser Ausgabe des Fine Weinmagazines wird dem Tignanello – inklusive einer Vertikalverkostung über 4 Jahrzehnte – viel Platz eingeräumt. Daneben gibt es noch Verkostungsnotizen über Raritäten aus Bordeaux. In der Schaumweinserie wird über Champagner für die Reichen und Schönen philosophiert. Allerlei Historisches erfährt man über die Rebsorte Rieslaner. Im zweiten Teil der Artikelreihe Wein und Kritik wird der Übergang von der behördlichen Qualitätskontrolle zur bewertenden Degustation durch den modernen Weinjournalismus beleuchtet. Pigott weiß in seiner Kolumne verblüffende Neuheiten aus Kalifornien zu berichten. Und es werden etliche Weingüter, aufstrebende Jungwinzer und alte Hasen der Branche porträtiert.

Das Fine Weinmagazin ist ein schön gestaltetes Magazin mit ansprechenden Fotos. Die Verkostungsnotizen sind nachvollziehbar und beschreiben nicht nur Aromen, sondern auch andere wichtige Aspekte wie Körper, Länge, Lagerfähigkeit und Tanninstruktur. Sie sind auch für Profis interessant, da die Vertikalverkostungen teilweise mehrere Jahrzehnte umfassen und auch seltene und ältere Weine verkostet werden. Die Beiträge sind gut recherchiert, jedoch keine trockene Fachliteratur, sondern durchgängig interessant zu lesen, v.a. die Beiträge über die Top-Weingüter der Welt. Empfohlen für interessierte Weinliebhaber_innen.

Über den Herausgeber
Als Ralf Frenzel 2004 den Tre Torri Verlag in Wiesbaden gründete, waren Bücher rund um die Themen Essen, Trinken und Genuss keine Unbekannte für ihn. Mit seiner Communications- und Projektagentur CPA! war er ab 1994 u. a. für den großen Erfolg von Alfred Biolek´s „Alfredissimo“ mitverantwortlich, produzierte die Erfolgskochbücher zur TV-Serie und zahlreiche weitere Klassiker der Küchenkunst. An diesen Erfolg knüpfte er mit seinem eigenen Verlag nahtlos an.

Details zum Heft
Tre Torri Verlag
Ausgabe 3/2014
Broschiert, 148 Seiten
EAN 419-77725-1500-2
€ 16,90

Marlies Presser

Lockruf des Goldes

cover_LockrufGoldLockruf des Goldes
Jack London
Neu übersetzt von Lutz-W. Wolff

Elam Harnish ist ein Held in der Goldgräbergemeinschaft, die den Winter in Circle City am Yukon verbringt. Mit seiner körperlichen Ausdauer und Kraft und seinem schnellen Verstand stellt er viele seiner Kollegen in den Schatten. „Nur wenige kannten Elam Harnish bei einem anderen Namen als Burning Daylight, … weil er seine Kameraden immer schon frühmorgens aus den Decken gerissen hatte, mit der Behauptung, sie verschwendeten Tageslicht.“ Das Leben in den Goldgräberlagern ist entbehrungsreich und gefährlich. In den Wintermonaten suchen die Männer Ablenkung beim Glücksspiel, bei Alkohol und Frauen. Burning Daylight liebt das Glücksspiel, Frauen verunsichern ihn jedoch. Als in der Nähe eine große Goldader gefunden wird, kommt Burning Daylight mit geschickten Spekulationen zu einigem Reichtum. Gelangweilt vom Leben in Alaska zieht er nach San Francisco, wo er in das große Spiel der Hochfinanz einsteigt. Nachdem er dort eine erste bittere Lektion lernen muss, wird er zu einem skrupellosen und von Rache getriebenen Investor und Spekulanten. Seine Sekretärin Dede, in die er sich verliebt, stellt ihn schließlich vor eine prinzipielle Entscheidung…

Jack London schildert sehr anschaulich und unaufgeregt die Lebensverhältnisse der Goldgräber im hohen Norden und den Charakter der Hauptfiguren Burning Daylight und Dede. Das Buch wurde erstmals 1910 veröffentlicht und war ein großer Publikumserfolg. Die Sprache der damaligen Zeit wird in der aktuellen Übersetzung gut wiedergegeben. Ein kurzer Lebenslauf Jack Londons und Hintergründe zur Entstehung des Buches können im Anhang nachgelesen werden. In einem Glossar werden im Roman erwähnte Orte, historische Ereignisse und Persönlichkeiten erklärt. Wer gerne Abenteuer- gemischt mit Liebesgeschichten liest, wird hier fündig.

Über den Autor
Jack London (eigentlich John Griffith Chaney) wurde am 12. Januar 1876 als uneheliches Kind in San Francisco geboren. Er wuchs in Armut auf und musste bereits früh zum Einkommen der Familie beitragen. Nach einer Zeit, in der er sich als Fabrikarbeiter, Robbenjäger und Landstreicher durchschlug, holte er das Abitur nach und begann 1896 ein Studium, das er jedoch schon nach einem Semester abbrach. Er ließ sich vom Goldrausch anstecken und schürfte in Alaska selbst nach dem Edelmetall. Zurück in Kalifornien stellten sich mit seinen Tiergeschichten und Erzählungen über das harte Leben einfacher Menschen der Arbeiterklasse erste literarische Erfolge ein. In kurzer Zeit wurde London sehr wohlhabend. Seine plötzliche Popularität überforderte ihn jedoch. Alkohol und ein extravaganter Lebensstil führten den Schriftsteller in den Ruin. Jack London starb am 22. November 1916 im Alter von nur 40 Jahren auf seiner Farm Glen Ellen.

Details zum Buch
dtv Verlagsgesellschaft
Erschienen am 24. Juli 2015
Softcover, 416 Seiten
ISBN 978-3-423-14426-1
€ 13,30

Marlies Presser

Sehnsucht Persien

cover_deutsch_englisch_persien.inddSehnsucht Persien
Austausch und Rezeption in der Kunst Persiens und Europas im 17. Jahrhundert & Gegenwartskunst aus Teheran

Herausgegeben von Axel Langer
In Zusammenarbeit mit dem Museum Rietberg, Zürich

Das Buch erschien zur gleichnamigen Ausstellung „Sehnsucht Persien“, die vom 27. September 2013 bis 12. Januar 2014 im Museum Rietberg in Zürich gezeigt wurde. Die insgesamt elf Beiträge thematisieren einerseits die politischen Beziehungen und den wirtschaftlichen und kulturellen Austausch zwischen Europa und Persien im 17. Jahrhundert. Andererseits werden einige ausgewählte Werke, die Produkt dieses Austausches sind, näher vorgestellt. Das letzte Kapitel spannt den Bogen wieder in die Gegenwart.

Inhaltsverzeichnis
1. Die Beziehung des Iran zu Europa in der Safawidenzeit: Diplomaten, Missionare, Kaufleute und Reisen
2. Europäische Kartografen und die Kartierung Persiens bzw. des Iran im 17. Jh. und früher
3. Die Safawidentracht und Europa
4. Die Sherleys und der Schah: Persien als Spielfigur in einem Schurkengambit
5. Lost in Translation: Exotismus in den Niederlanden der frühen Neuzeit
6. Persische Kunst und polnische Identität
7. Persische und polnische Schärpen: Signaturen nationaler Identität und Luxustextilien in einem internationalen Markt
8. Zwischen Hof und Handelsgesellschaft: Niederländische Künstler in Persien
9. Europäische Einflüsse in der persischen Malerei des 17. Jh.: Von schönen Europäern, nackten Frauen und Pariser Uhren
10. „Gewandet in vielerlei Moden“: Ölmalerei und die Ikonografie der menschlichen Vielfalt im Iran der Frühen Neuzeit
11. I Can’t Get No Sleep: Zeitgenössische Kunst aus Teheran

Die Autorinnen und Autoren bieten mit ihren unterschiedlichen Erzählweisen und Zugängen zum Thema eine sehr abwechslungsreiche Lektüre. Der großformatige Band glänzt mit 302 farbigen und 10 s/w Abbildungen sowie durch ein elegantes Layout. Literaturverzeichnis und Bildnachweis schließen das Buch ab. Empfohlen zur Horizonterweiterung!

Über den Herausgeber
Axel Langer studierte Kunstgeschichte, Musikwissenschaften und Neue deutsche Literatur. Seit 2007 ist er Kurator für die Kunst des Nahen Ostens am Museum Rietberg in Zürich.

Details zum Buch
Verlag Scheidegger & Spiess
Erschienen im Herbst 2013
Broschiert, 320 Seiten
ISBN 978-3-85881-396-1
€ 52,-

Rezensiert von Marlies Presser

Reckless: Das goldene Garn

Cover_RecklessReckless – Das goldene Garn (Bd. 3)
Cornelia Funke

Jacob Reckless, Schätzjäger und Held der Spiegelwelt-Saga, und seine Mitstreiterin, die Gestaltwandlerin Fuchs sind auf der Suche nach Jacobs Bruder Will. Clara, Wills Freundin, ist in eine unerklärliche Bewußtlosigkeit gefallen. Um sie zu retten, müsse Will lediglich die Dunkle, eine Fee in der Spiegelwelt, töten. So wurde es ihm zumindest von Spieler, einem Erlelf, erklärt. Das Spieler eigentlich Clara vergiftet hat und Will nur benutzt, ahnt er nicht. Will macht sich also auf in die Spiegelwelt und bekommt schon bald Gesellschaft von Bastard, einem Onyxgoyl. Dieser wittert seine große Chance, sich über Will an seinem Bruder Jacob Reckless zu rächen. Zur Sicherheit hat Spieler außerdem noch zwei seiner Diener in die Spiegelwelt geschickt, die alles was sie berühren in Silber verwandeln. Sie sollen dafür sorgen, dass niemand Will von seinem Vorhaben abbringt. Doch genau deswegen, sind Jacob und Fuchs hinter Will her.

Cornelia Funke hat sich großzügig bei den Märchen der Gebrüder Grimm bedient und Themen und Figuren daraus in ihrer Spiegelwelt neu arrangiert. Die Spiegelwelt ähnelt zwar unserer Welt, sie ist jedoch bevölkert von Fabelwesen und es herrschen Könige und die Gesetze der Magie. Es ist allerdings nicht schwer zu erraten, an welches Land beispielsweise Nihon oder an welche historische Person Therese von Austrien angelehnt ist. Auch ohne die vorherigen Bände gelesen zu haben, kann man der Handlung gut folgen. Ein kurzweiliger Fantasy-Schmöker für Jugendliche und Erwachsene.

Über die Autorin
Cornelia Funke ist die international erfolgreichste und bekannteste deutsche Kinderbuchautorin. Heute lebt sie in Los Angeles, Kalifornien, doch ihre Karriere als Autorin und Illustratorin begann in Hamburg. Nach einer Ausbildung zur Diplom-Pädagogin und einem anschließenden Grafik-Studium arbeitete sie als freischaffende Kinderbuchillustratorin. Da ihr die Geschichten, die sie bebilderte, nicht immer gefielen, fing sie selbst an zu schreiben. Zu ihren großen Erfolgen zählen DRACHENREITER, die Reihe DIE WILDEN HÜHNER und HERR DER DIEBE, mit dem sich Cornelia Funke auch international durchsetzte. Ihre TINTENWELT-Trilogie eroberte weltweit die Bestsellerlisten. Jacob Reckless ist der Held ihrer neuesten Bestseller-Reihe, der SPIEGELWELT-Serie. Über 50 Bücher hat Cornelia Funke mittlerweile geschrieben, die in mehr als 40 Sprachen erschienen sind. Zahlreiche Titel wie z.B. HÄNDE WEG VON MISSISSIPPI, HERR DER DIEBE, DIE WILDEN HÜHNER und TINTENHERZ wurden verfilmt. Aber auch in Preisen und zahlreichen Auszeichnungen spiegeln sich ihre Beliebtheit und ihr Einfluss wider.

Details zum Buch
Dressler Verlag
Erschienen im Februar 2015
Hardcover, 464 Seiten
ISBN 978-3-7915-0496-4
€ 20,60

Rezensiert von Marlies Presser

Die Liebe zur Freiheit hat uns hierher geführt

cover_liebefreiheitDie Liebe zur Freiheit hat uns hierher geführt
Gunnar Ardelius
Aus dem Schwedischen von Thorsten Alms

Eine schwedische Familie kommt 1969 ins liberische Yekepa, genauer in die abgeschottete Siedlung der europäischen Verwaltungsangestellten der schwedischen Mienenfirma LAMCO. Vater Hektor soll dort als Personalchef arbeiten. Ihm kommen nach der anfänglichen Freude über den neuen Job bald Zweifel. Er weiß nicht, wie er seine Ideale und die Erwartungen der Firma in Gestalt seines Vorgesetzten Ture auf einen Nenner bringen soll. Die Lage spitzt sich zu als es zu einem Streik kommt und Menschen sterben. Hektor wird als Personalchef für die ganze Situation verantwortlich gemacht.

Die Ehe von Hektor und seiner Frau Margret steckt in einer Krise. In Schweden arbeitete sie als Lehrerin, in Yekepa weiß sie nicht, wie sie ihre Tage verbringen soll. Außerdem hat sie Schwierigkeiten den jungen Gärtner und seine Arbeitsweise zu akzeptieren. Als es zum Streit kommt, schlägt sie ihn.

Sohn Marten hat sich in der Zwischenzeit mit dem jungen Gärtner angefreundet und in der Schule Ingela kennengelernt. Zu dritt nehmen sie an einer Demonstration gegen LAMCO teil, die von der Polizei aufgelöst wird. Der junge Gärtner wird dabei tödlich verletzt, Marten und Ingela werden mit Dutzenden anderen verhaftet.

Die Erzähung beginnt mit dem Eintreffen der schwedischen Familie in Yekepa und mit den Schwierigkeiten sich in der neuen Umgebung zurecht zu finden. In Rückblicken wird das Leben geschildert, dass die Familienmitglieder in Schweden zurückgelassen haben, und da gibt es einige Geheimnisse. Das Buch verknüpft persönliche und gesellschaftspolitische Themen. Wer gerne Sozialdramen liest, ist hier richtig aufgehoben.

Über den Autor:
Gunnar Ardelius, geboren 1981, studierte Literatur und Publikationswissenschaften. 2006 erschien sein Debüt, ein Jugendbuch, für das Ardelius mit dem Slangbellan, dem wichtigsten schwedischen Debütantenpreis ausgezeichnet, und für den August-Preis, den renommiertesten schwedischen Literaturpreis, nominiert wurde.
Die Liebe zur Freiheit hat uns hierher geführt ist Ardelius‘ erstes Buch für Erwachsene und wurde für den Tidningen Vi:s litteraturpris nominiert. Seit 2012 ist Gunnar Ardelius Vorsitzender des schwedischen Schriftstellerverbandes. Er lebt in der Nähe von Stockholm.

Details zum Buch:
Blessing Verlag
Erschienen am 2. März 2015
Hardcover, 256 Seiten
ISBN 978-3-89667-548-4
20,60

Rezensiert von Marlies Presser

Über das Alter

Cover_AlterÜber das Alter – Ein Gespräch mit Cato über den Jugendwahn, Weisheit und Vergänglichkeit
Heinz Dürr

In kurzen Kapiteln und im launigen Plauderton schreibt Heinz Dürr über ein fiktives Gespräch mit Cato dem Älteren. Er hat ihn in sein Haus im schweizerischen Sils-Maria eingeladen und nun sitzen die beiden Herren bei einem Gläschen Wein zusammen, um über das Älter werden zu sinnieren. Für Cato gibt es vier Gründen, warum ihm „das Alter beklagenswert erscheint: weil es uns von der Ausübung einer Tätigkeit abhält, weil es unseren Körper schwächt, weil es uns sämtlicher Genüsse beraubt, weil es dem Tode nahe ist.“ Auf den folgenden Seiten erfährt man, wie schwer es dem Autor fällt sein eigenes Älter werden zu akzeptieren.

Die Aussagen von Cato sind Ciceros Schrift „Cato der Ältere über das Alter“ und „Res publica. Texte zur Krise der frührömischen Tradition“ entnommen. Die Lebensläufe von Cato dem Älteren und Heinz Dürr sind im Anhang beigefügt.

Über den Autor
Heinz Dürr, geboren 1933 in Stuttgart, baute nach einer Schlosserlehre und einem Maschinenbaustudium die väterliche Firma als Zulieferer für die Automobilindustrie zu einem international tätigen Unternehmen aus. 1980 wurde er Chef der AEG, dann Vorstandsmitglied bei Daimler-Benz und 1991 Chef der Deutschen Bahn, ab 1994 Vorstandvorsitzender der neu gegründeten Deutschen Bahn AG. Von 1999 bis 2003 war er Stiftungskommissar der Carl-Zeiss-Stiftung. Seit 1989 ist er Aufsichtsratsvorsitzender der Dürr AG. Heinz Dürr und seine Frau Heide leben in Berlin. Sie sind seit 1975 verheiratet und haben drei Töchter.

Details zum Buch
Quadriga Verlag
Veröffentlicht 2011
Hardcover, 224 Seiten
ISBN: 978-3-86995-011-2
k. A.

Rezensiert von Marlies Presser