Josef Frank: Villa Carlsten

Carlsten_COVER_190312.inddDer österreichische Architekt Josef Frank ließ mehrere Häuser in dem südwestschwedischen Dorf Falsterbo erbauen. Diese waren für die damalige Zeit sehr modern, fügten sich aber perfekt in die dortige Landschaft ein. Die Villa Carlsten wurde 1926-27 errichtet und ist die kleinste der dortigen Frank Villen. Wie für Frank typisch verzichtete er auch hier auf Fassadendekor und setzte auf klare funktionale Formen.

In diesem neu erschienenen Buch sieht man zahlreiche Fotos der Villa Carlsten. Es zeigt sowohl Innen- als auch Außenaufnahmen, die wunderschöne idyllische Umgebung, Pläne und viele Details. Im Anschluss gibt es einige Bilder von seinen anderen Villen in Falsterbo, ein Abbildungsverzeichnis, eine auf englisch geschriebene Beschreibung der Villa Carlsten und Fotos von Möbeln, die er entwarf.

Das Fotobuch ist nicht unbedingt für die Allgemeinheit herausgegeben worden, sondern eher für Personen, die Architektur mögen, ein Highlight. Schließlich schuf Josef Frank die Wiener Schule der Architektur und war auch in Schweden einer der renommiertesten Designer, der bis heute bestehenden Stockholmer Firma Svenskt Tenn. In beiden Ländern gibt es zahlreiche von ihm entworfene Häuser. In Österreich vor allem in Wien.

Über die Autoren:
Mikael Bergquist is an architect running his own architectural firm in Stockholm. He also writes on architecture and has published several books on Josef Frank before. He has been commissiones with the restoration of Frank´s Villa Carlsten in Falsterbo, Sweden, in 2016-18.

Mikael Olsson, photographer, studied at the Göteborg University and at the Brooks University of Photography in Santa Barbara, CA. Solo exhibitions include Södrakull Frösakull at House of Sweden, Washington DC and Arthur Ross Architecture Gallery, Columbia University, New York.

Details zum Buch:
Verlag: Park Books
Hardback, 27 x 22 cm
64 Seiten, 62 Farb- und 24 s/w-Illustrationen
ISBN 978-3-03860-136-4

Eure Sonja Stummer

Versuch den Blitz einzufangen

Cover_BlitzManfred Chobot

Versuch den Blitz einzufangen

„Meine Verwandten liegen mir auf der Zunge wie Speichel. Von Zeit zu Zeit muss ich schlucken, um der Ansammlung Herr zu werden.“

Das Buch erzählt vom teils wenig freudvollen Leben der Frauen der Familie Svoboda: Armut, Prostitution, Neid und Streitereien stehen an der Tagesordnung. Großmutter Josepha ist geschieden und muss als Hausmeisterin drei Kinder versorgen. Wenzel, der Großvater ist Perlmutt-Drechsler und läßt sich nur von Tochter Fanny hie und da etwas Geld abbetteln. Die anderen Kinder, Anna und Paul, drangsalieren Fanny wo und wie es nur geht.

Dann kommt der Krieg und Peter, der uneheliche Sohn von Anna, wird noch Jahre später traumatisiert sein. Peters Vater hingegen, ein gewisser Erich Werlovsky, wird es unter den Nazis weit bringen. Er wird etliche Jahre später von seinem jüngsten Sohn Rainer Maria erschossen.

Und dann ist da noch der Cousin Freddy, ein Schlagerstar, mit dem man angeblich verwandt ist, und der Versuch diesen zu Treffen. Besonders skurril gestaltet sich der Besuch bei seinem Manager in München.

Manfred Chobot berichtet mit viel Augenzwinkern vom Leben der Svobodas. Die Erzählung springt häufig in der Zeit und zwischen den Personen. Es ist nicht immer sofort klar, aus wessen Perspektive und wann gerade erzählt wird. Das Buch ist als Fortsetzung von „Reise nach Unterkralowitz“ (Limbus 2009) gedacht, in dem es vor allem um die Männer der Familie ging. Wer gerne Familiengeschichten und Anekdoten liest und skurrile Figuren mag, wird mit diesem Buch eine Freude haben.

Infos zum Autor:
Manfred Chobot, geboren 1947 in Wien, Studium der Kulturtechnik, lebt als freier Schriftsteller. Seit 1972 etliche Preise und Stipendien (u. a. Theodor-Körner-Preis 1976, Preis der Arbeiterkammer Oberösterreich 1981, Staatsstipendium 1986/87 und 1996/97, Literaturpreis des Landes Burgenland 2006, BEWAG-Literaturpreis 2007). Etwa 50 Hörspiele und Features für ORF, HR, Süddeutschen Rundfunk, Radio Bremen und RAI. Zahlreiche Bücher.

Details zum Buch:
Limbus Verlag
Hardcover, 190 Seiten
Erschienen 2011, Reihe Zeitgenossen
ISBN 978-3-902534-51-4
€ 18,90

Rezensiert von Marlies Presser

Narr

Cover_Narr

Gerd Schilddorfer und David Weiss
Narr

Der alte Geschichtsprofessor und Mentor von Georg Sina wird ermordet. Sina findet ihn erhängt in seinem eigenen Garten in Nußdorf ob der Traisen.
Zeitgleich entdecken Peter Marzin und Fritz Wollner, die beiden einzigen Mitglieder des Vereins „Berliner Untergrund e.V.“, eine geheime Kammer unter dem alten Hotel Adlon in Berlin. Als sie sich die Truhe, die in der Mitte des Raumes, gelagert ist, näher ansehen wollen, bezahlen sie diesen Versuch beinahe mit ihrem Leben. Ein raffinierter Mechanismus schützt sie vor unerwünschten Zugriffen.
Und schließlich sterben nach und nach ranghohe österreichische Politiker unter fragwürdigen Umständen.
All dies hat mit vier geheimen Dokumenten zu tun, die Fürst Metternich in Europa verteilen ließ und die die Basis für einen politischen Umsturz in Österreich bilden könnten.

Narr ist der zweite Teil der Wiener Thriller-Trilogie um den Historiker Georg Sina und den Journalisten Paul Wagner, in der Fiktion und historische Tatsachen vermischt werden.
Die erste Hälfte des Buches hat mir sehr gut gefallen und ist spannend geschrieben mit
Cliffhängern wie aus dem Lehrbuch. Man wird in die verschiedenen Handlungsstränge eingeführt und erfährt nach und nach, wie alles zusammenhängt.
Die zweite Hälfte hat mich weniger überzeugt. Die Handlung wird im Laufe des Buches immer konstruierter und erinnert eher an einen Actionfilm.

Fazit: Eine spannende Schnitzeljagd mit vielen glücklichen Wendungen.

Infos zu den Autoren

Gerd Schilddorfer ist in Wien geboren und aufgewachsen. Er ist Journalist und Fotograf, Reisender, Weltenbummler und begeisterter Motorradfahrer. Er lebt und arbeitet in Wien, Berlin, Niederösterreich und wo immer es ihn hinverschlägt.

David Weiss, geboren am 4. Februar 1978, lebt in Wien und im Waldviertel in Niederösterreich. Studium der Kultur- und Sozialanthropologie an der Universität Wien, Diplomprüfung mit Auszeichnung. Wissenschaftliche Vorträge im In- und Ausland sowie unselbstständige Schriften zu diversen kulturhistorischen Themen. Seit 2006 regelmäßige Publikationen im ORF-Hörfunk. Außerdem sind ein Roman, eine Prosasammlung in Kooperation mit dem ORF und ein Theaterstück erschienen.

Details zum Buch
Langenmüller Verlag
Erschienen 2010
Hardcover, 656 Seiten
ISBN 978-3-7844-3235-9
€ 23,7

Rezensiert von Marlies Presser

Todeswalzer

Cover_TodeswalzerGerhard Loibelsberger

Todeswalzer
Ein Roman aus Wien im Jahr 1914

Ein junger Mann wird brutal ermordet und Inspector Josef Maria Nechyba muss seine Kur in der Steiermark abbrechen, um die Ermittlungen aufzunehmen. Ein Herr aus dem Innenministerium wünscht es so, der Tote war sein Sohn. Geehrt macht sich Nechyba an die Arbeit. Schon bald folgt der nächste Mord: diesmal ist eine Prostituierte das Opfer. Die Nachforschungen führen Nechyba zuerst ins Rotlicht-Milieu und zum Zuhälter Zygmunt Karminsky, genannt der Guade. Doch jede vermeintliche Spur, die der Inspector verfolgt, entpuppt sich als Sackgasse. Mehr durch Zufall als durch kriminalistischen Scharfsinn kommt es schließlich zur Aufklärung der Morde.

Loibelsberger versetzt die Leserinnen und Leser gekonnt ins Wien der 1910er Jahre. Nechyba ist ein zum Granteln neigender Kriminalbeamter mit teils derben Sprüchen, aber einem guten Herzen. Auch die anderen Figuren sind nicht auf den Mund gefallen und es rennt der Schmäh. Sehr hilfreich ist daher das Glossar der Wiener Ausdrücke.
Den historischen Hintergrund bildet das Attentat auf den Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajevo. In Wien läuft die Propagandamaschinerie auf Hochtouren. Die breite Masse ist ihr bereits erlegen und mahnende Stimmen werden von den Hetzern als unpatriotisch und feige abgetan. Bald wird Österreich-Ungarn Serbien den Krieg erklären.


Infos zum Autor:

Gerhard Loibelsberger wurde 1957 in Wien geboren. Er ist Autor von Sach- und Gourmetbüchern, Songtexten und Kriminalromanen. Zahlreiche Lesungen sowie Auftritte mit dem Jazz- & Improvisationsprojekt »Club Dada« und der Undergroundband »Der dritte Mann« machten ihn bekannt. 2009 startete Gerhard Loibelsberger mit den »Naschmarkt-Morden« eine Serie von historischen Kriminalromanen rund um den schwergewichtigen Inspector Joseph Maria Nechyba und den Journalisten Leo Goldblatt. 2010 wurden »Die Naschmarkt-Morde« für den Leo-Perutz-Preis der Stadt Wien nominiert.


Details zum Buch:

Gmeiner Verlag
Erschienen im August 2013
Paperback, 275 Seiten
ISBN 978-3-8392-1467-1
13,40 €

Rezensiert von Marlies Presser