Gabriele Reuter

In der Kaiserzeit ist es ein Makel und Unglück, wenn unverheiratete Frauen schwanger werden. Sie werden versteckt, die Kinder werden in Kost gegeben, die Fassade der Ehrbarkeit muss um jeden Preis aufrecht erhalten bleiben. So fällt auch Cornelie eigentlich in dieses Schema und trifft im Frauenheim einer geldgierigen Hebamme in der schwäbischen Provinz ein, wo sie ihr Kind, verborgen vor der Öffentlichkeit, zur Welt bringen will.
Im Gegensatz zu den anderen werdenden Müttern im „Tränenhaus“ will die Schriftstellerin Cornelie jedoch ihr Kind behalten und ein selbstbestimmtes Leben führen. Bald solidarisiert sie sich mit den anderen Mädchen und kämpft auch für ihre Rechte…
Das 1908 erschienene „Tränenhaus“ wurde bei seinem Erscheinen in der damals herrschenden Doppelmoral zum Skandal. Weibliche Selbstbestimmung war zu dieser Zeit unvorstellbar, weibliche Solidarität selten. So ist dieses Buch, das zahlreiche autobiografische Züge trägt, nicht nur ein Gesellschaftsbild aus der Jahrhundertwende, sondern auch ein Plädoyer für die weibliche Selbstermächtigung und beeindruckt durch die mutige Haltung der schwangeren Frauen, die ihr Leben selbst gestalten wollen.
Details zum Buch:
2026
ISBN 978-3-15-011578-7
Bettina Armandola
Hinterlasse einen Kommentar