Das Siegel

Cover_SiegelDas Siegel
Wolfgang Hohlbein

Der junge Ulrich von Wolkenstein, der letzte Spross einer verarmten Adelsfamilie, schließt sich dem Kinderkreuzzug an, um das Heilige Land von den Ungläubigen zu befreien, aber auch weil er zu Hause nicht mehr viel zu erwarten hat. In Italien geraten er und seine Mitreisenden an den gerissenen Kapitän Paltieri, der ihnen eine sichere Passage in den Nahen Osten verspricht, sie aber nach Alexandria bringt, um sie auf dem dortigen Sklavenmarkt zu verkaufen. Ulrich erregt die Aufmerksamkeit Paltieris und wird in Alexandria von den anderen getrennt. Er soll an Malik Pascha, die rechte Hand des Alten vom Berg verkauft werden. Als Ulrich hört, welchen unerhört hohen Preis dieser bereit ist für ihn zu zahlen, traut er seinen Ohren kaum. Irgendetwas ist im Gange, Ulrich hat nur keine Ahnung was …

Ein historischer Roman mit den bewährten Zutaten Tempelritter, Sultan Saladin und dem Alten vom Berg, dem sagenumwogenen Führer der Assassinen. Der Autor kombiniert reale historische Persönlichkeiten und Ereignisse mit seiner Erzählung vom jungen Ulrich, der seine Erwartungen vom heldenhaften Kreuzrittertum und seine Sicht auf die Welt revidieren muss. Empfohlen für Jugendliche ab 12 Jahren.

Über den Autor
Geboren 1953 in Weimar. Gemeinsam mit seiner Frau Heike verfasste der damalige Nachwuchsautor 1982 den Fantasy-Roman “Märchenmond”, der den Fantasy-Wettbewerb des Verlags Carl Ueberreuter gewann. Das Buch verkaufte sich bislang weltweit vier Millionen Mal und beflügelte seinen Aufstieg zum erfolgreichsten deutschsprachigen Fantasy-Autor. Im Ueberreuter Verlag beträgt seine Gesamtauflage inzwischen acht Millionen Exemplare, seine Werke wurden in 37 Sprachen übersetzt. Wolfgang Hohlbein lebt heute mit seiner Familie in der Nähe von Düsseldorf.

Buchdetails
Ueberreuter Verlag
Taschenbuch, 350 Seiten
Erschienen am 19. Juli 2013
ISBN: 978-3-7641-7009-7
€ 12,95

Rezensiert von Marlies Presser

Anna Dengel

Anna Dengel Entwurf.inddDas Unmögliche wagen
Anna Dengel – Ärztin, Missionarin, Ordensgründerin

Ingeborg Schödl

„Die Stärke der Frauen ist viel Größer als sie selbst vermuten.“

Anna Dengel wird 1892 im Tiroler Lechtal geboren. Sie ist sehr zielstrebig und zieht 1914 nach Cork/Irland um dort Medizin zu studieren. Nach der Promotion 1919 reist sie nach Indien, um dort einige Jahre als Ärztin zu arbeiten. Zurück in Österreich überlegt sie in ein Kloster einzutreten, verwirft diesen Gedanken aber und reist 1924 in die USA. Gemeinsam mit einer guten Bekannten will sie dort einen Orden gründen, der ihren Vorstellungen entspricht: ein Missionsorden, der sich vor allem um die Gesundheitsversorgung der weiblichen Bevölkerung kümmert. Im Wege steht dem ein kirchenrechtliches Verbot aus dem 13. Jahrhundert, das Ordensfrauen die Tätigkeit auf dem Gebiet der Chirurgie und Geburtshilfe untersagt. Dengel setzt sich daher – gemeinsam mit anderen – für die Abschaffung dieses Verbotes ein. Im Jahr 1936 fruchtet ihre Überzeugungsarbeit und das Verbot fällt. Somit kann auch ihr Orden von der kirchlichen Autorität anerkannt werden. In den folgenden Jahren gründet sie Niederlassungen in der ganzen Welt. 1980 stirbt Anna Dengel in Rom.

Das Leben von Anna Dengel war sehr beeindruckend, vor allem wenn man die damaligen Vorstellungen über die Rolle der Frau in der Gesellschaft und deren Möglichkeiten in Bezug auf Ausbildung und Berufswahl bedenkt. Das Buch würdigt Anna Dengels Schaffen und informiert über den Orden der Missionsärztlichen Schwestern und den 2012 gegründeten Verein „Freunde Anna Dengel“. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Missionierung fehlt. Zahlreiche schwarz-weiß Fotografien runden das Werk ab.

Über die Autorin
Ingeborg Schödl, geb. 1934 in Wien, freie Publizistin, ehemalige Redakteurin bei der Wiener Kirchenzeitung und langjähriges ORF-Gremiumsmitglied, kirchliche und staatliche Auszeichnungen, im Jahr 2004 wurde ihr der Professorentitel verliehen. Schödl hat zahlreiche Bücher veröffentlicht u. a. „Im Fadenkreuz der Macht. Das außergewöhnliche Leben der Margarethe Ottillinger“ (Czernin, 2004), „Hildegard Burjan. Frau zwischen Politik und Kirche“ (Wiener Dom-Verlag, überarb. und akt. Neuauflage 2008), zuletzt bei Tyrolia „Vom Aufbruch in die Krise. Die Kirche in Österreich ab 1945“ (2011).

Details zum Buch
Tyrolia-Verlag
Veröffentlicht 2014
Hardcover, 168 Seiten
ISBN: 978-3-7022-3327-3
€ 17,95

Rezensiert von Marlies Presser

Der goldene Schwarm

cover_GoldenerSchwarmDer goldene Schwarm

Nick Harkaway
Aus dem Englischen von André Mumot

„Da morgens um Viertel nach sieben die Temperatur in seinem Schlafzimmer noch unter Weltraumniveau liegt, hat Joshua Joseph Spork einen langen Ledermantel und ein Paar der Golfsocken seines Vaters angezogen. Eigentlich ist Papa Spork gar kein wahrer Golfer gewesen. Wahre Golfer besorgen sich ihre Socken nicht, indem sie einen Lastwagen auf dem Weg nach St Andrews überfallen.“

Joe Spork repariert und handelt mit alten Gerätschaften und Antiquitäten und lebt im heruntergekommenen Lagerhaus seines verstorbenen Großvaters an der Themse. Großvater Daniel war Uhrmacher und ein Handwerker der alten Schule, von dem er viel gelernt hat. Als Kind jedoch hat Joe seinen kriminellen Vater Matthew „Tommy Gun“ Spork bewundert und gerne begleitet. Erst später hat er sich auf die rechtschaffene Seite seines Großvaters geschlagen. Eines Tages kommen zwei sonderbare Herren in Joes Geschäft, die nach einem Buch der Hakote fragen. Er kann die beiden abwimmeln und beginnt zu Recherchieren, da ihm das Ganze nicht ganz kosher erscheint.

Ein zweiter Erzählstrang handelt von Edie Banister, Agentin der britischen Regierung und mittlerweile im Ruhestand. Sie wurde bereits als Jugendliche zur Spionin ausgebildet. Gleich ihr erster Auftrag brachte sie in ein kleines asiatisches Fürstentum, wo der machthungrige Shem Shem Tsien, eigentlich Khan eines Opiumkartells durch taktische Morde, die Nachfolge seines Vaters im kleinen Land angetreten hatte. Die Mutter von Shem Shem Tsien, eine Jugendfreundin des britischen Königs, hatte sich bereit erklärt, bei der Beseitigung ihres sadistischen Sohnes zu helfen. Auf der heiklen Mission lernte Edie die große Liebe ihres Lebens, die Physikerin Françoise „Frankie“ Fossoyer kennen, die für Shem Shem Tsien eine Art Wahrheitsmaschine konstruieren sollte.

„Der goldene Schwarm“ ist eine sehr unterhaltsame Lektüre mit vielen spannenden Wendungen und sympathischen Hauptfiguren, mit denen man gerne mitfiebert. Während dem Lesen habe ich mich immer wieder gefragt, woher der Autor die vielen Ideen für seine Geschichte genommen hat. Eine gelungene Mischung aus Gangster-, Science Fiction- und Geheimagenten-Story mit einem ordentlichen Schuß britischen Humor.

Über den Autor
Nick Harkaway, 1972 in Cornwall geboren, studierte Philosophie, Soziologie und Politikwissenschaft und hat bereits als Drehbuchautor, Blogger und Werbetexter gearbeitet. “Der goldene Schwarm” ist sein zweiter Roman und wurde, genau wie sein Debut “Die gelöschte Welt”, von der Presse gefeiert und mehrfach ausgezeichnet (2012 Oxfam Emerging Writer Prize im Rahmen des Hay Festivals, Shortlist für den Clarke Award und den LA Times Book Prize). Nick Harkaway lebt mit seiner Familie in London.

Details zum Buch
KNAUS Verlag
Erschienen am 10. März 2014
Paperback, 608 Seiten
ISBN: 978-3-8135-0534-4
€ 20,60

Rezensiert von Marlies Presser

Wenn der Mond stirbt

Cover_MondStirbtWenn der Mond stirbt

Richard Crompton
Aus dem Englischen von Claudia Feldmann

Mollel, Massai und alleinerziehender Vater, ist bei seinen Vorgesetzten in der Kriminalpolizei Nairobi in Ungnade gefallen. Er nimmt es mit den Gesetzen zu genau und tritt im etablierten System der Freunderlwirtschaft jedem auf die Füße. Der Tod seiner Frau hat seine Hartnäckigkeit nur verstärkt. Viele sehen in ihm einen Helden, da er nach einem Bombenanschlag etliche Menschenleben gerettet hat, und so wird er lediglich zur Verkehrsstreife versetzt. Dort sind seine Arbeitsmöglichkeiten jedoch eingeschränkt, denn er besitzt keinen Führerschein. Als im Uhuru Park, nicht weit vom Rotlichtviertel in der K-Street, eine junge Massai tot aufgefunden wird, holt man ihn zurück und er wird gemeinsam mit einem jungen Kollegen, den Kikuyu Kienga, auf den Fall angesetzt.

Der fiktive Kriminalfall spielt vor einem realen Hintergrund: die sozialen und ethnischen Unruhen rund um die Präsidentschaftswahlen im Dezember 2007. Der Autor treibt die Geschichte, die sich in 9 Tagen ereignet, in schnellem Tempo und mit viel Witz voran. In Rückblenden erfahren wir mehr über den tragischen Helden Mollel und die Lebensumstände bei den traditionell lebenden Massai. Richard Crompton hat die beiden Massai-Sagen „Der Ursprung des Todes“ und „Der Honiganzeiger“ in seinen Roman eingebaut. Im englischen Original trägt das Buch auch den Titel „The Honey Guide“. Diesen Krimi gibt man erst wieder aus der Hand, wenn man ihn fertig gelesen hat!

Über den Autor
Richard Crompton hat als Journalist und Produzent für die BBC gearbeitet. 2007 ging er mit seiner Frau, die als Menschenrechtsanwältin bei den Völkermordprozessen von Ruanda tätig war, nach Afrika. Er lebt mit seiner Familie in Nairobi.

Details zum Buch
dtv premium
Erschienen im Mai 2014
Paperback, 384 Seiten
ISBN 978-3-423-26015-2
€ 15,40

Rezensiert von Marlies Presser

Ausfahrt Nizza

Cover_AusfahrtNizzaAusfahrt Nizza

Piersandro Pallavicini
Aus dem Italienischen von Karin Fleischanderl

Der pensionierte Verlagsleiter Cesare, seine Frau Franca, der Witwer Persegati und der gewichtige Luciano Buttafava samt seiner Frau Adriana sind auf dem Weg nach Nizza. Die Runde hat sich im Rotary Club in Vigevano kennengelernt. Cesare empfindet zwar keine Tiefe Freundschaft für die Anderen, aber er kann ihre Gesellschaft immerhin so gut ertragen, dass er hin und wieder etwas gemeinsam mit ihnen unternimmt. Um Persegati nach dem Tod seiner Frau auf andere Gedanken zu bringen, beschließen sie mit ihm einen Ausflug zu machen.

Cesare hat Multiple Sklerose und zur Linderung der Symptome hat ihm sein Arzt Cannabis verordnet. Nach einer turbulenten Anreise und einem beschämenden Zwischenfall im Museum hat Cesare schon bald seinen gesamten Vorrat aufgebraucht. Dann glaubt er auch noch in einem vorbeifahrenden Taxi seinen alten Freund Leo Meyer gesehen zu haben, zu dem er schon seit Jahren keinen Kontakt mehr hat. Und so macht sich Cesare auf die Suche: nach Cannabis, Leo Meyer und einer umstrittenen Klinik, die Sterbehilfe anbieten soll.

„Ich lache wie verrückt. Scheiß drauf, dass ich im Museumsklo vergessen habe, die Hose runterzulassen. Scheiß auf Lucianos bösartige Witze. Ich habe nicht mehr lange zu leben, ich habe Cannabis geraucht, ich habe einen großartigen französischen Weißwein getrunken. Scheiß auf die Welt.“

Den körperlichen Verfall und die zunehmende geistige Verwirrung der fünf RentnerInnen beschreibt der Autor mit viel Realitätssinn und Humor. In Rückblenden erfahren wir von Cesares Leben, seiner engen Freundschaft zum gefeierten Schriftsteller Leo Meyer und von Francas Eifersucht, die mehr als nur Freundschaft vermutet. Dringende Leseempfehlung!

Über den Autor
Geboren 1962 in Vigevano, lebt mit seiner Familie in Pavia, Lombardei (Italien). Er verfasst regelmäßig Beiträge für Zeitschriften, Comics, Rock- und Heavy-Metal-Magazine und Rezensionen für die Literaturbeilage „TuttoLibri“ von „La Stampa“. Im Hauptberuf ist er Professor für Chemie an der Universität Pavia im Fachgebiet Nanotechnologie für medizinische Anwendungen.
Seit 1999 literarische Veröffentlichungen, u. a. „Il mostro di Vigevano“ (1999), „Madre nostra che sarai nei cieli“ (2002), „Atomico dandy“ (2005), „African inferno“ (2009).

Details zum Buch
FolioVerlag
Erschienen am 10. März 2014
Hardcover, 293 Seiten
ISBN 978-3-85256-641-2
€ 22,90

Rezensiert von Marlies Presser

Reise nach Kalino

Cover_ReiseKalinoReise nach Kalino

Radek Knapp

Julius Werkazy hadert mit seinem Leben. Seine Detektei läuft schlecht und auch privat sieht die Bilanz nicht viel besser aus. Er ist geschieden, ohne aktuelle Partnerschaft und hat einen Hang zu hochprozentigem Alkoholkonsum.

Werkazy ist erleichtert, als er endlich wieder einen Auftrag bekommt, da er mit dem Honorar ein paar überfällige Rechnungen bezahlen kann. Gleichzeitig ist er verwundert und skeptisch, warum ausgerechnet er engagiert wurde, denn der Auftrag ist keine Alltäglichkeit. Er soll den ersten Todesfall in Kalino aufklären. Kalino ist eine vollkommen abgeschottete, technologisch hochentwickelte Gemeinschaft. Wenig ist über das Leben in Kalino bekannt und Werkazy ist froh, dass ihn seiner technikaffiner Partner zumindest mit einem Sender versorgen kann, den er allerdings erst unbemerkt nach Kalino schmuggeln muss.

Nach einer ungewöhnlichen Zugfahrt trifft Werkazy auf seinen Auftraggeber F. Osmos, den von allen verehrten Gründer von Kalino. Dieser entpuppt sich nicht nur als ein Mann mit einer großen Vision, sondern auch mit diktatorischen Zügen. Überdies scheint er dem Älter werden ein Schnippchen geschlagen zu haben, was auch auf alle anderen in Kalino zutrifft: niemand wirkt dort älter als 30 Jahre…

Reise nach Kalino“ ist ein utopischer Detektivroman mit einem liebenswürdigen Anti-Helden als Hauptfigur und Erzähler. Radek Knapp schreibt unterhaltsam und kurzweilig. Oft musste ich beim Lesen schmunzeln, v.a. über die nicht immer schmeichelhaften Parallelen zu unserer heutigen Gesellschaft. Empfohlen für Freundinnen und Freunde satirischer Unterhaltung.

Über den Autor

Radek Knapp, 1964 in Warschau geboren, lebt als freier Schriftsteller in Wien und in der Nähe von Warschau. Sein hintergründiger Roman „Herrn Kukas Empfehlungen“ gehört zu den erfolgreichsten Longsellern der Verlagsgeschichte. Außerdem erschienen von ihm bei Piper die Erzählungssammlung „Papiertiger“, eine „Gebrauchsanweisung für Polen“ und der mit dem Aspekte-Preis ausgezeichnete Band „Franio“.

Details zum Buch

PIPER
Erschienen am 17. Feber 2014
Paperback, 256 Seiten
ISBN: 978-3-492-30222-7
10,30

Rezensiert von Marlies Presser

 

Der Schelm von Venedig

Cover_SchelmVenedigDer Schelm von Venedig

Christopher Moore
Aus dem Amerikanischen von Jörn Ingwersen

Der Hofnarr Pocket, der mit der englischen Königin Cordelia liiert ist, fährt in ihrem Auftrag nach Venedig, um dem Dogen klar zu machen, dass die Engländer keinen weiteren Kreuzzug unterstützen werden. Damit kommt er allerdings dem Senator Brabantio, dem Kaufmann Antonio Donnola und dem Soldaten Jago in die Quere. Um sich zu bereichern und ihre Positionen im Stadtstaat zu verbessern, käme ihnen ein weiterer Kreuzzug sehr gelegen. Und sie sind auch nicht zimperlich bei der Durchsetzung ihrer Pläne. Als Pocket von den drei Verschwörern in einen Hinterhalt gelockt und bei lebendigem Leib eingemauert wird, muss er erfahren, dass sie auch seine geliebte Cordelia vergiften ließen. Dem Wahnsinn nahe und von Wut und Trauer gepeinigt, gelingt es ihm sich mit Hilfe einer mythischen Kreatur zu befreien. Er flieht auf die Insel La Giudecca auf der die jüdische Bevölkerung Venedigs leben muss. Dort kommt er bei Shylock und seiner Tochter Jessica unter. Getarnt als Shylocks Gehilfe beginnt Pocket mit seinen Nachforschungen und feilt an seinem Racheplan.

Der Roman ist kein rein historischer Roman, sondern hat auch Fantasy-Elemente, die im Laufe der Handlung immer stärker zum Tragen kommen. Die Sprache ist eher deftig und einige Szenen sind durchaus blutrünstig. Insgesamt fand ich das Buch kurzweilig und unterhaltsam geschrieben.
Sehr interessant waren auch die Hintergrundinformationen des Autors im Anhang. Er hat sich von drei literarischen Werken inspirieren lassen: einerseits von „Der Kaufmann von Venedig“ und „Othello, der Mohr von Venedig“ von Shakespear und andererseits von der Kurzgeschichte „Das Fass Amontillado“ von Edgar Allan Poe. Für „Der Schelm von Venedig“ hat er einige Handlungsstränge dieser Werke aufgegriffen und die Hauptrollen neu arrangiert.

Über den Autor

Der ehemalige Journalist Christopher Moore arbeitete als Dachdecker, Kellner, Fotograf und Versicherungsvertreter, bevor er anfing, Romane zu schreiben. Seine Bücher haben in Amerika längst Kultstatus, und auch im deutschsprachigen Raum wächst die Fangemeinde beständig. Christopher Moore liebt – nach eigenen Angaben – den Ozean, Elefanten-Polo, Käsecracker, Acid Jazz und das Kraulen von Fischottern. Er mag aber weder Salmonellen noch Autoverkehr und erst recht nicht gemeine Menschen. Der Autor lebt in San Francisco, Kalifornien.

Details zum Buch

Wilhelm Goldmann Verlag
Erschienen am 26. Mai 2014
Paperback, 384 Seiten
ISBN: 978-3-442-31328-0
17,50

Rezensiert von Marlies Presser

 

Ashby House

Cover_AshbyHouseAshby House
V. K. Ludewig

Die Schwestern Lucille und Laura Shalott ziehen in die Abgeschiedenheit der englischen Provinz. Ihre neues Heim ist das herrschaftliche Ashby House. Nach und nach entdecken die beiden Schwestern mit Hilfe ihres Butlers Steerpike die wahre Größe und das gruselige Eigenleben des alten Gemäuers.
Die Geschwister haben ein sehr zwiespältiges Verhältnis zueinander. Lucille, die ältere Schwester, ist eine weltweit bekannte und gefragte Fotografin. Seit einem Unfall ist sie jedoch auf einen Rollstuhl und die Hilfe ihrer Schwester angewiesen. In Ashby House will sie ungestört von Presse und Jet Set für ihr neuestes Projekt recherchieren.
Die jüngere Schwester Laura wird seit dem Unfall ihrer Schwester von ihrem Freundes- und Bekanntenkreis gemieden, da alle der Meinung sind, dass sie an Lucilles Unfall schuld wäre. Frustriert darüber und über den Umzug in die Einöde, freut sie sich umso mehr, als sie den charmanten Hector Slasher, Besitzer des Kaffeehauses im Nachbarort, kennenlernt.

Das Buch ist spannend geschrieben. Man möchte wissen wie es weiter geht und was hinter den unerklärlichen Ereignissen im Ashby House steckt. Ich musste auch immer wieder schmunzeln, da die Figuren vom Erzähler durchaus ironisch beschrieben werden. Dazwischen gibt es Erklärungen und Rückblenden zu den einzelnen Charakteren, die nicht direkt mit der Handlung zu tun haben. Ich empfand diese, vor allem zu Beginn, als irritierende Unterbrechungen des Handlungsflusses. Insgesamt ist Ashby House ein kurzweiliges Lesevergnügen für Gruselfans.

Über den Autor
V. K. Ludewig betätigte sich nach seinem Anglistikstudium u.a. als Ghostwriter, Übersetzer, Redakteur, Fernseh- und Buchautor. Sein Ratgeber ›Nur nicht aus Liebe weinen‹ wurde zu einem Klassiker der schwulen Selbsthilfeliteratur. 2012 debütierte er mit seinem Grusel-Fantasy-Roman ›Ashby House‹ bei dtv, 2013 erscheint die Fortsetzung, ›Oper der Phantome‹.

Details zum Buch
Deutscher Taschenbuch Verlag
März 2012
Paperback, 320 Seiten
ISBN 978-3-423-21351-6
€ 10,30

Rezensiert von Marlies Presser

Manon Lescaut

Cover_ManonLescautManon Lescaut

Abbé Prévost
Aus dem Französischen von Jörg Trobitius
Nachwort von Kristina Maidt-Zinke

Der Chevalier de Grieux und Manon Lescaut treffen sich zufällig vor einer Herberge in Amiens. Die beiden verlieben sich sofort ineinander und brennen gemeinsam durch. Der junge Mann, der behütet und begütert aufgewachsen ist, sollte nach seinem Philosophie-Studium eine Laufbahn als Priester einschlagen. Die junge Manon Lescaut war gerade dabei ins Kloster zu gehen, wohin ihre Eltern sie geschickt hatten. Die beiden sind noch recht unerfahren, vor allem wenn es darum geht ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Da ihre finanziellen Mittel bald aufgebraucht sind und sie auf Dauer nicht von Luft und Liebe leben können, müssen sie zu Geld kommen. Und hier beginnen die Schwierigkeiten, denn die beiden sehen sich nur im Stande als Prostituierte und als Betrüger, die für ihren gehobenen Lebensstil nötigen Summen aufzutreiben.

In Rückblenden wird die Geschichte der beiden jungen Verliebten erzählt. Der Chevalier reitet sich, naiv und verliebt wie er ist, von einer Bredouille in die nächste und landet sogar im Gefängnis. Über die junge Dame erfährt man nicht viel. Hier muss man sich völlig mit den Beschreibungen ihres jungen Verehrers begnügen. Die Erzählung plätschert so dahin, die Handlung kommt nicht so recht in Fahrt. Auch die Figur der Manon Lescaut und die Beziehung der beiden Hauptcharaktere zueinander ist für mich nicht nachvollziehbar beschrieben. Ich habe das Buch nach ca. 200 Seiten weg gelegt. Empfohlen für hoffnungslose RomantikerInnen.

Über den Autor

Abbé Prévost (1697– 1763) floh als Benediktiner-Novize vor einem Haftbefehl nach England und Holland. In Utrecht lernte er die Kurtisane Lenki Eckhardt kennen – ihre gemeinsame Zeit weist viele Parallelen zu «Manon Lescaut» auf. 1735 kehrte Prévost heimlich nach Frankreich zurück, später wurde er Hauspfarrer des Fürsten von Conti und dessen Protégé.

Details zum Buch

Manesse Verlag – Bibliothek der Weltliteratur
Erschienen am 23. September 2013
Hardcover mit Lesebändchen, 384 Seiten
ISBN: 978-3-7175-2298-0
€ 23,60

Rezensiert von Marlies Presser

 

Die süße Einsamkeit

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Die süße Einsamkeit

Irène Némirovsky
Aus dem Französischen von Susanne Röckel

Die Erzählung beginnt als Helene acht Jahre alt ist und die Familie, noch scheinbar idyllisch, zusammen mit den Großeltern in einer kleinen Stadt am Dnjepr wohnt. Helenes Mutter ist distanziert und gibt ihr nicht das Gefühl geliebt zu sein. Ihren Vater verehrt Helene, doch der ist selten zu Hause, weil er vor allem damit beschäftigt ist Geld zu verdienen. Die wichtigste Bezugsperson für Helene ist Mademoiselle Rose, ihre französische Gouvernante. Als diese plötzlich stirbt, glaubt sich Helene alleine auf der Welt.

Helene ahnt schon recht früh, dass ihre Mutter ihren Vater betrügt. Als Helene und ihre Mutter vor der Oktoberrevolution über Skandinavien nach Paris fliehen, reist auch ihr Liebhaber Max mit. In Helene wachsen Wut und Verachtung für ihre Mutter. Gleichzeitig wird ihr auf dieser Flucht auch bewußt, dass sie kein Kind mehr ist, sondern aus ihr eine junge Frau wird. Sie beschließt, den Betrug an ihrem Vater zu rächen.

Der Roman ist in drei Teile geteilt und erzählt aus Helenes Perspektive von ihrer Kindheit, ihrer Pubertät und ihrem jungen Erwachsenenalter. Némirovsky schildert sehr gut und realistisch, wie beispielsweise ein achtjähriges Mädchen fühlt und denkt. Die Handlung rückt dabei etwas in den Hintergrund. Wer gerne Coming-of-Age-Dramen liest, kommt hier auf seine Kosten.

 

Über die Autorin

Irène Némirovsky wurde 1903 als Tochter eines reichen russischen Bankiers in Kiew geboren und kam während der Oktoberrevolution nach Paris. Dort studierte sie französische Literatur an der Sorbonne. Irène heiratete den weißrussischen Bankier Michel Epstein, bekam zwei Töchter und veröffentlichte ihren Roman „David Golder“, der sie schlagartig zum Star der Pariser Literaturszene machte. Viele weitere Veröffentlichungen folgten. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach und die Deutschen auf Paris zu marschierten, floh sie mit ihrem Mann und den Töchtern in die Provinz. Während der deutschen Besetzung erhielt sie als Jüdin Veröffentlichungsverbot. In dieser Zeit arbeitete sie an einem großen Roman über die Okkupation. Am 13. Juli 1942 wurde Irène Némirovsky verhaftet und starb wenige Wochen später in Auschwitz. 2005 entzifferte Némirovskys Tochter Denise Epstein das Manuskript, das als „Suite française“ veröffentlicht und zur literarischen Sensation wurde.
Details zum Buch

Albrecht Knaus Verlag
Erschienen am 3. September 2012
Hardcover, 272 Seiten
ISBN: 978-3-8135-0377-7
€ 20,60

Rezensiert von Marlies Presser