Vivaldi und seine Töchter

Peter Schneider

Selbst Menschen, deren Musikgeschmack sich auf heutige Hits beschränkt, haben wohl schon mal den Namen des begnadeten Komponisten Antonio Vivaldi gehört, zumindest im Zusammenhang mit seinem Werk „Die vier Jahreszeiten“. Doch die wenigsten wissen, dass sein Werk erst vor etwa 100 Jahren wiederentdeckt wurde und dass Vivaldi das erste Frauenorchester Europas gründete.

Im frühen 18. Jahrhundert ist der geweihte Priester und Musiker Antonio Vivaldi als Lehrer an einem Waisenhaus in Venedig, der Pietà, tätig. Er unterrichtet als „maestro di violino“ die Waisenmädchen in verschiedenen Saiteninstrumenten und leitet später auch den Chor. Da die Oper sich gerade als Massenspektakel erfindet, bekommt auch Vivaldi Aufträge, die finanziell nicht unriskant sind, muss er doch die gesamte Planung und Besetzung der Oper selbst leiten und vorfinanzieren. Als Musiker ist man zu dieser Zeit auch immer von seinen Gönnern abhängig und ständig auf der Suche nach Einkünften, mit der er selbst den Großteil des Familieneinkommens beisteuert. Obwohl er in kürzester Zeit zahlreiche Werke komponiert, ist er dennoch immer auch auf die Gunst der Kirche, der Oberen und des Volkes, das die Opern zum Erfolg oder Misserfolg macht, angewiesen und der Konkurrenz durch andere Musiker und Opernbetreiber ausgesetzt.

Die Beziehung zu seiner jungen Primadonna Anna Girò wird Vivaldi gleichzeitig Inspiration und beinahe auch Verhängnis, denn die Anfechtungen durch die Kirche veranlassen ihn, Venedig zu verlassen, in das er nicht mehr zurückkehren soll.

Der Autor beschreibt in seinem biografischen Roman das interessante Leben Antonio Vivaldis und das Venedig des frühen 18. Jahrhunderts. Er informiert und spekuliert über den Verlauf seiner Karriere und seine Beziehungen, führt uns aber immer wieder zu den Fakten, die heute bekannt sind, zurück. Dadurch entsteht ein wirklich spannender Blick auf das Leben des Ausnahmetalents, der durch das erzählerische Element viel Lebendigkeit bekommt!

Über den Autor:

Peter Schneider wurde 1940 in Lübeck geboren und wuchs in Freiburg auf, wo er Germanistik, Geschichte und Philosophie studierte. Zu seinem Werk zählen Romane, Drehbücher und Essays, darunter „Lenz“ und „Der Mauerspringer“. Er unterrichtete in Stanford, Princeton und Harvard und lebt heute in Berlin.

Details zum Buch:

1.Auflage 2019

Verlag Kiepenheuer & Witsch

ISBN 978-3-462-05229-9

Bettina Armandola

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