Der Junge, der zu viel fühlte

Lorenz Wagner

Als der kleine Kai zur Welt kommt, weiß Hirnforscher Henry Markram noch nicht, was ihn dieses Kind alles lehren wird. Das Gefühl, dass sein Sohn sich anders verhält als seine beiden älteren Schwestern, wird mit den Jahren immer offensichtlicher und die Eltern begeben sich auf die Suche nach einer Diagnose, einer Behandlungsmöglichkeit, die das Leben für das Kind lebenswert macht. Oft bekommt der kleine Junge Panik, wenn Unplanbares geschieht, er kann nicht ruhig sitzen, seine Kontaktaufnahmen kommen bei anderen Kindern nicht immer gut an, mit den Jahren entwickelt er Ängste, merkt sich jede angstmachende Situation ein Leben lang.

Nach der ersten Diagnose ADHS, verschiedenen medikamentösen Behandlungen und unterschiedlichen Schultypen, wird irgendwann klar: Kai hat Autismus. Doch die Diagnose selbst und die gängige Behandlung, das Gehirn zu stimulieren, bringt keine Erleichterung für Kais Leben und das seiner Familie. Und so macht sich Henry Markram selbst auf die Suche. Gemeinsam mit seiner zweiten Frau Kamila forschen die beiden an autistischen Tiergehirnen und das Ergebnis revolutioniert die bisher angenommenen Thesen. Es ist nicht ein Defizit, sondern ein Zuviel an Reizüberflutung, das sich im Gehirn von Autisten abspielt und das besonders im Alter bis zu 6 Jahren dazu führt, dass das Gehirn unkontrolliert wächst, um dann irgendwann zu kollabieren.

Die Ergebnisse von Markrams Forschung revolutionieren die Sichtweise auf den Autismus und schlagen sich in der praktischen Behandlung nieder. Obwohl zu Beginn große Zweifel angemeldet werden, sagen vor allem Betroffene selbst, dass der Rückzug eine Reaktion auf das Zuvielspüren ist und nicht die Störung an sich und dass ein reizgemindertes Umfeld, Rituale und Regelmäßigkeiten in der sensiblen kindlichen Entwicklungsphase autistischen Kindern ermöglichen können, ein Gehirn auszubilden, das Eindrücke verarbeiten kann und sich nicht ständig im Panikmodus befindet.

Dieses Buch vereint wissenschaftliche faszinierende Forschung und die persönliche Geschichte Henry Markrams als Vater, der seinem Sohn Kai helfen will und ist ein neuer Blick auf den Autismus, der mit einem großen Verstehen einhergeht! Spannend und interessant ist dieses Buch, das uns die Welt von Autisten zeigt und nicht nur für Betroffene wirklich lesenswert ist!

Über den Autor:

Lorenz Wagner war Chefreporter der Financial Times Deutschland, bevor er 2013 zum Süddeutschen Zeitung Magazin wechselte. Aus seiner Reportage „Der Sohn-Code“ über Henry und Kai Markram entstand dieses Buch. Dafür hat der Autor die Familie Markram lange begleitet und lässt sie auch persönlich zu Wort kommen.

Details zum Buch:

2020

Bastei Lübbe AG

ISBN 9787-3-404-61694-7

Bettina Armandola

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