Buch des Monats Dezember

Cafe KraneDas letzte Buch des Monats im zu Ende gehenden 2019 wurde von einer norwegischen Schriftstellerin verfasst, die von 1880 bis 1974 lebte. Cora Sandel (bzw. Sara Fabricius) erregte mit dem Erscheinen von „Cafe Krane“ im Jahr 1945 großes Aufsehen. Erst jetzt wurde das Buch ins Deutsche übersetzt.

In einer norwegischen Kleinstadt in den 1920er Jahren spielt die Handlung dieses Romans: er kommt mit einem einzigen Schauplatz aus (das Cafe Krane) und beschreibt die Ereignisse zweier Tage. Die begabte Katinka Stordal betreibt ein Schneideratelier und wird für ihre Kreationen und ihre handwerklichen Fähigkeiten geschätzt. Allerdings meinen ihre Kunden, Bekannten und Familie, sie immer wieder auf den rechten Weg weisen zu müssen. Die ständig drohende Armut, die Herablassung der Gesellschaft, die ihr ja „nur Gutes will“, die Überheblichkeit der eigenen Kinder und die Schmähgesänge der jungen Burschen auf die geschiedene Frau, wenn sie getrunken hat, setzen ihr zu.

Als sie sich diesmal im Clubraum des elegant renovierten Cafes Krane zurückgezogen hat, bekommt sie Gesellschaft vom Hafenarbeiter Hut-Svenne. Der spürt, dass sie beide durch ihr Aussenseitertum, ihre Einsamkeit und ihre Unverstandenheit verbunden sind und spendiert Katinka Portwein und Gebäck. In der Zwischenzeit versucht die Lokalbesitzerin Frau Krane, den Ruf ihres Etablissements zu erhalten: was werden bloß die Leute sagen, wenn die sich mit zahlreichen Schneideraufträgen im Verzug befindliche Katinka mit diesem zwielichtigen Menschen allein in einem Raum aufhält und auch alles gute Zureden, doch Vernunft anzunehmen, fehlschlägt?

Eine Zeit lang gelingt es der Belegschaft, die Besucher des Nebenzimmers geheim zu halten, doch es kommt, wie es kommen muss und bald hat die ganze Stadt etwas zu besprechen. Was für ein Skandal!

Cora Sandel beschreibt die Figuren sehr nuancenreich, sie  bringt für die lebensmüde Schneiderin ebensoviel Einfühlungsvermögen und Verständnis auf wie für die meisten anderen Protagonisten: den Aufreißer Lydersen, der Apotheker ist, den erfolglosen Baumeister Stordal, den Exmann Katinkas, den ehemaligen Liebhaber der Schneiderin und diverse Vertreter der besseren Gesellschaft, die sich in der Rolle der Wohltäter gefallen. Zeitlich und örtlich sehr begrenzt, entfaltet sich ein gesellschaftskritischer Blick auf die Kleinstadtbewohner in den 1920er Jahren, der den Leser fasziniert und fesselt!

Mein Buch des Monats ist zwar schon vor über 70 Jahren veröffentlicht worden, hat aber trotzdem nichts Altbackenes. Die Probleme und Eitelkeiten der Menschen sind eben zeitlos und das erschließt sich bei der genussvollen Lektüre von „Cafe Krane“, einem Buch, das ich jedem nur empfehlen kann!

Details zum Buch:

2019

Verlag Urachhaus

ISBN 978-3-8251-5213-0

 

Bettina Armandola

 

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