Im Kopf des Terrors

Im Kopf des TerrorsNajem Wali

Im Kopf des Terrors

 

„Auch wenn die Französische Revolution die Ideen des Zeitalters der Aufklärung proklamierte, war sie auf ihre Weise führend bei der Propagierung einer Herrschaft des Terrors und es war unwesentlich, dass sie dies im Namen der Ideen eines Jean-Jaques Rousseau und eines Gesellschaftsvertrags tat. Der Begriff des Terrors in all seinen Formen und Spielarten, wie wir ihn heute kennen, nahm von dort seinen Ausgang. Seinen Samen legten Revolutionäre, die dachten, sie allein seien im Besitz der Wahrheit, ihnen allein stünde das Wort des Rechts zu Gebote.“ (S 111)

In der heutigen Zeit ist der Begriff des Terrors in aller Munde, es vergeht keine Woche ohne Vorfälle, die mutmasslich ein Akt des Terrors sind. Die schrecklichen Ereignisse in Paris oder zuletzt in London und Barcelona werfen die Frage auf, was im Kopf der Täter vor sich geht und was sie glauben macht, das Recht zum Töten zu haben.

Der Autor geht bei der Beantwortung dieser Frage einen unkonventionellen Weg. Anhand literarischer Beispiele wie einer Erzählung Sartres über den Einzelgänger Paul Hilbert, Dostojewskis „Dämonen“ oder „Dantons Tod“ von Georg Büchner erkennen wir, dass die Ursachen des Terrors, seien sie von einem politischen Ideal oder vom „Glauben an Gott“ gelenkt, nur vorgeschoben sind. Die Antriebsfeder aller dieser Mörder sind keine hehren Gründe, sondern der Wunsch nach der Macht über Tod und Leben und damit dem Gottsein.

Dieses Buch, das „Vom Töten mit und ohne Gott“ (so der Untertitel) handelt, öffnet dem Leser die Augen darüber, dass es keine Rechtfertigung für Gewalt gibt. Wie im Anfangszitat erkennbar, reicht der Terror weit in die Geschichte zurück und ist nicht erst in den letzten Jahrzehnten entstanden.

„Im Kopf des Terrors“ ist besonders in unserer Zeit ein wichtiges Buch, das unbedingt gelesen gehört und dessen Fazit sich auf dem Umschlag findet: „Das Töten ist ein Instinkt, genauso wie das Böse. Das Gute ist eine Idee, eine Haltung, genauso wie der Frieden.“

 

Über den Autor:

Najem Wali wurde 1956 im irakischen Basra geboren und flüchtete 1980 nach Deutschland, wo er Germanistik studierte und anschließend spanische Literatur in Madrid. Er schreibt für verschiedene Publikationen, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung und den Spiegel. 2014 erhielt er den Bruno-Kreisky-Preis für seinen Roman „Bagdad Marlboro“. Er lebt als freier Schriftsteller und Journalist in Berlin.

 

Details zum Buch:

2016

Residenz Verlag

ISBN 978-3-7017-3402-3

 

Bettina Armandola

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