Augustus

augustusJohn Williams

Augustus

 

Mit neunzehn Jahren erfährt Octavius, der Adoptivsohn Julius Cäsars, von der Ermordung seines Großonkels, der ihn als Nachfolger auserkoren hat. Die mehr oder weniger unbeschwerte Jugendzeit nimmt ein abruptes Ende, denn die Verschwörer, die Julius Cäsar töteten, wollen nun selbst die Macht an sich reißen.

Obwohl oder vielleicht auch gerade dadurch, dass seine Feinde es ihm nicht zutrauen, tritt er in die Fußstapfen seines mächtigen Vorbilds. Trotz seiner schwächlichen Konstitution gelingt es Octavius, die Feinde seines Adoptivvaters auszulöschen und der erste römische Kaiser zu werden. Intrigen, Machtkämpfe und immer wieder neue Bündnisse ermöglichen es dem als Kaiser Augustus genannten Imperator, das römische Reich zu befrieden und in eine Phase des Friedens und des Wohlstands zu geleiten.

Private Wünsche müssen oft der Staatsräson weichen- diese Notwendigkeit wendet Augustus nicht nur bei sich selbst an, sondern auch bei seinen Verwandten und seiner einzigen Tochter Julia. Die Heiratspolitik des römischen Kaisers dient stets als Instrument der Machterhaltung und der politischen Interessen. So muss auch Julia die von ihrem Vater vorgeschlagenen Ehepartner ehelichen…

In fiktiven Briefen, Senatsprotokollen und Erinnerungen seiner Jugendfreunde, Gegner und Lehrer entsteht ein lebendiges Bild des römischen Herrschers, der von seinem Volk zum Gott erhoben wurde. Im zweiten Buch kommt Augustus´ Tochter Julia im Exil zu Wort, die letzten Seiten des Romans gehören den Erinnerungen des römischen Kaisers selbst, der am Ende seines Lebens feststellen muss: „Man täuscht sich nicht über die Folgen seiner Taten, man täuscht sich darüber, wie leicht man sich mit diesen Folgen abfindet.“(S400)

Dieser Roman über Macht und Schicksal wurde von dem 1994 verstorbenen Autor John Edward Williams 1971 veröffentlicht. Erst heute ist das Buch in deutscher Erstausgabe erhältlich und eine Bereicherung jeder Bibliothek. Es gelingt Williams, römische Geschichte lebendig zu machen und da er keinen Anspruch darauf erhebt, historisch exakt zu sein, wird Augustus auch weit weniger skrupellos und um einiges menschlicher dargestellt als in den Geschichtsbüchern. Eigentlich hätten für meinen Geschmack die Schilderungen Julias und Augustus selbst ruhig mehr Raum einnehmen dürfen, um die Persönlichkeit der beiden Figuren und ihr Dilemma noch etwas besser darzustellen.

In jedem Fall aber ist dieser Roman ganz wunderbar zu lesen und vermittelt, wie das Leben im antiken Rom stattgefunden haben könnte: zwischen dem Verlangen nach Freundschaft und menschlicher Nähe und dem Willen zur Macht und der damit einhergehenden Verantwortung!

 

Über den Autor:

John Edward Williams wurde 1922 in ärmlichen Verhältnissen in Texas geboren. Nach einem abgebrochenen Studium arbeitete er als Redakteur und wurde 1942 widerstrebend Mitglied des Army Air Corps. Während seiner Zeit in Indien und Burma entstand sein erster Roman „Nothing but the Night“. Nach seiner Promotion in Englischer Literatur lehrte er bis zu seiner Emeritierung 1985 als Dozent in Denver im Rahmen des dortigen „writing program“. Williams veröffentlichte zwei Gedichtbände und die Romane „Butcher´s Crossing“, „Stoner“ und „Augustus“, für den er 1973 den National Book Award erhielt. Ein fünfter Roman blieb unvollendet. Williams starb 1994.

 

Details zum Buch:

Deutsche Erstausgabe 2016

Aus dem amerikanischen Englisch von Bernhard Robben

dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG

ISBN 978-3-423-28089-1

 

Bettina Armandola

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