Buch des Monats Juni: Wer hier schlief

Wer hier schliefEs ist wieder Zeit für das Buch des Monats, also eines, das uns besonders gefallen/ berührt/ beeindruckt hat. All das trifft bei diesem Roman der österreichischen Autorin Isabella Straub zu, die einen schrägen Plot mit seltsamen Protagonisten genial umgesetzt hat!

Philipp Kuhn ist dabei, sein Leben radikal zu verändern: er hat soeben seine Partnerin Vera, dank der er ein sorgenfreies Leben als Mitarbeiter ihrer Sicherheitstürenfirma und Mitbewohner in ihrer großzügigen Villa genossen hat, verlassen. Nun ist er mit seinem letzten Besitz, einer Reproduktion aus Hausners Adam- Serie, unterwegs, um mit Myriam ein neues Leben zu beginnen. Doch diese taucht am vereinbarten Treffpunkt nicht auf, meldet sich nicht am Handy, arbeitet nicht mehr an der Rezeption des Hotels, in dem sie angestellt war und in ihrer Wohnung lebt eine fremde Frau.

Es dauert seine Zeit, bis Philipp erkennt, dass er das Opfer eines Betrugs geworden ist: seine Ersparnisse, die er bei Myriam aufbewahrt hat, sind verschwunden, die lebensnotwendigen Refluxtabletten, die er wegen seiner Magenbeschwerden nehmen muss, neigen sich dem Ende zu und sein Kinderzimmer wurde von seiner Mutter untervermietet. Zumindest ist die Firmenmitgliedschaft im Fitnesscenter noch gültig, sodass Kuhn dort im Meditationsraum etwas Ruhe finden kann. Dort ist es auch, wo er Tamara kennenlernt.

Die ist Teil einer Hausbesetzerszene, die leerstehende Wohnungen renoviert und während dieser Zeit kostenfrei dort leben darf. Sie rekrutiert Philipp, Teil der SUHOS zu werden. Mit seinem vermeintlichen Wissen über Sicherheitstüren soll er die „Suddenly Homeless“ unterstützen und ihnen den Weg ebnen, um in leerstehenden Häusern übernachten zu können. Zwischen seiner immer aussichtsloser werdenden Suche nach Myriam und der Sorge, einen Schlafplatz zu finden, hin- und hergerissen, macht Philipp Kuhn die Bekanntschaft mit neuen Menschen, existenziellen Problemen und nicht zuletzt auch mit sich selbst…

„Alles, was wichtig war im Leben, hatte nur eine einzige Silbe: Herz. Kopf. Bauch. Frau. Sex. Bett. Haus. Traum. Bild.

Die Sprache war sparsam, dachte Kuhn, also konnte er es auch sein.“ (S 124)

Mit Ironie, Witz und großer Menschenkenntnis hat mich dieser, auch sprachlich faszinierende Roman von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen! Der Kritik von Sabine Oppolzer, ORF, kann ich mich nur anschließen: „Man überschlägt sich mit Adjektiven wie eloquent, leichtfüßig, originell, grotesk, anspruchsvoll, empfehlenswert oder bereichernd.“ Unbedingt lesen!!!!

Über die Autorin:

Isabella Straub wurde 1968 in Wien geboren und arbeitete nach ihrem Studium der Germanistik und Philosophie als Journalistin und Werbetexterin. Ihr Roman „Südbalkon“ erhielt unter anderem den Franz-Tumler-Preis für das beste deutschsprachige Debüt. Die Autorin lebt in Klagenfurt und Wien.

Details zum Buch:

1.Auflage 2017

Blumenbar bei Aufbau Verlag

ISBN 978-3-351-05042-9

 

Bettina Armandola

 

 

 

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