Herr Parkinson

Herr Parkinson
Richard Wagner

Herr Parkinson verwirrt den Körper und lässt den Kopf zuschauen …
Wie lebt man mit einer Krankheit, die selbst die all- täglichsten Dinge sabotiert? Wie leben die anderen damit? Was bedeutet Krankheit überhaupt? Mit dem unbestechlichen Blick des Schriftstellers erzählt Richard Wagner von seiner Parkinson-Erkrankung. Zunächst ganz zurückhaltend wird dieser gelassene und unberechenbare Herr Parkinson über die Jahre zum schicksalhaften Gegenüber des Autors und erlangt immer mehr Macht über dessen Leben. Zu Beginn ist es nur ein leichter Taumel in einer Bar in der Grune- waldstraße, dessen Ursache noch alles mögliche hätte sein können. Dann, nach der Diagnose, geht bald nichts mehr ohne mächtige Medikamente, die wie in einem wunderbaren Honeymoon zunächst alles bewältigbar erscheinen lassen. Bis nach und nach Herr Parkinson übernimmt und die Welt des Patienten zum schwarzen Quadrat wird. Richard Wagner erzählt ohne Bitterkeit, aber auch ohne Beschönigungen und folgt mit allen Hoffnungen und Rückschlägen dem Verlauf dieser eigenwilligen Erkrankung, die Körper und Geist entzweit. 

In der Auseinandersetzung mit der Diagnose wird die Krankheit personifiziert, und als Herr Parkinson erhält sie einen eigenen Willen. Selbstverständlichkeiten werden zu Aufgaben und irgendwann hilft auch der gute Wille nicht mehr weiter. Dieser Text ist weniger eine Schilderung des Krankheitsverlaufs, sondern mehr das Sprachkunstwerk eines Künstlers der Wortakrobatik. Was ihm der Körper an Beweglichkeit verweigert, leistet die Sprache – immerhin, die gehorcht ihm noch aufs Wort. So wie der Autor mit seinem Alltag kämpft, ringt der Leser mit dessen manchmal schwierigen Formulierungen und den Aneinanderreihungen von Gedanken, die nicht immer leicht lesbare Prosa ergeben. Sehr aufwändige Satz- konstrukte, die gekonnt die Hilflosigkeit des Patienten widerspiegeln. Auf unge- wöhnliche Art schafft der Autor Verständnis für das Wesen der Krankheit und die Bürden, die sie dem Kranken und seinem Umfeld auferlegt. Das Krankheitsbild selber wird erklärt, aber auch die Fachbegriffe, mit denen man sich als Patient konfrontiert sieht, werden verständlich erläutert.

Über den Autor:
Richard Wagner, geboren 1952 im rumänischen Banat, arbeitete dort als Journalist und veröffentlichte Lyrik und Prosa in deutscher Sprache. Nach Arbeits- und Publikationsverbot verließ er Rumänien 1987 und lebt seitdem als freier Schriftsteller in Berlin. Seine Romane und Essays wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Zuletzt erschienen Die deutsche Seele (mit Thea Dorn) und Habsburg – Bibliothek einer verlorenen Welt.

Details zum Buch:
Albrecht Knaus Verlag
April 2015, Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
144 Seiten
€ 17,50 [A] | € 16,99 [D] | CHF 22,90
ISBN: 978-3-8135-0653-2

Gerlinde Götz

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