Das Siebte

Tristan Garcia

Das Siebte

An seinem siebten Geburtstag soll eigentlich das Nasenbluten beginnen, doch nichts passiert. Er glaubte sich in einer endlosen Zeitschleife gefangen und begreift nun, dass er sterblich geworden ist. Das siebte ist sein letztes Leben.
Es geschieht sieben Mal: Er stirbt und wird im selben Moment wieder geboren. Immer neu. Stets der Gleiche. Immer wieder kehrt der Ich-Erzähler nach dem Tod an den Anfangspunkt zurück, behält aber all seine früheren Leben in Erinnerung, alle Irrtümer und Erfolge. Jedes Mal muss er wieder neu laufen und sprechen lernen, warten, bis das Blut kommt, um dann nach Paris gebracht zu werden. Dort trifft er Fran, der ein Mittel zur Blutstillung besitzt, ihn stets aufs Neue erwartet, erkennt und begleitet. Wie alles andere auch ist diese Freundschaft sieben Mal gleich und doch grundverschieden. Sieben Mal liebt der Erzähler außerdem hingebungsvoll die gleiche, ja dieselbe Frau mit dem seltsamen Namen: Hardy.
Wie wäre es, noch einmal ganz von vorn anfangen zu können? Und ist dem, was Leben ausmacht, eher wissenschaftlich oder politisch, religiös, sinnlich oder künstlerisch auf die Spur zu kommen?
Dieser waghalsige Roman erzählt spielerisch und humorvoll von Zufall und Schicksal und befragt die Möglichkeit von (politischer) Veränderung überhaupt.
Ein maßloses Buch, sinnlich und klug, das schwindlig macht und lange zu denken gibt.

Es ist ein verführerischer Gedanke, das Leben öfters leben zu können. Nicht so, wie bei den Untoten, die nicht sterben, sondern man erlebt immer wieder in der gleichen Zeitschleife – mit den gleichen Eltern, den gleichen Schulkollegen, mit Fran und der gleichen großen Liebe Hardy. Was aber zu Beginn für ein Aha-Erlebnis sorgt, wird dann zum großen Experimentierfeld. So beschreitet der Protagonist auf verschiedene Arten seine Leben und macht die unterschiedlichsten Erfahrungen. Dabei geht er immer wieder an und über seine Grenzen. Dass er dabei seine Familie und Freunde verletzt, kümmert ihn weniger. Für ihn ist es ’nur‘ ein weiteres Leben, das gelebt werden will. Doch es ist keine Endlosschleife. In seinem achten Leben erkennt er, dass das sein letztes sein wird und wie sehr er andere beeinflusst hat. Als Leser erkennt man die Wandlung des Protagonisten. Was ist wichtig im Leben, welche Entscheidungen bzw. Aktionen beeinflussen das weitere Leben und wie will man dieses überhaupt führen? Das sind die Fragen, denen sich der Protagonist stellen muss. Spannend, vor allem wenn man sich selbst die Fragen stellt.

Über den Autor:
Tristan Garcia wurde 1981 in Toulouse geboren und verbrachte seine Kindheit in Algerien. Er ist Schüler von Alain Badiou und lehrt Philosophie in Lyon und Paris. Sein bereits umfangreiches Werk umfasst philosophische Texte ebenso wie Romane und Erzählungen. Er gilt in Frankreich als herausragende intellektuelle Stimme seiner Generation.

Details zum Buch:
304 Seiten. Gebunden mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-8031-3315-1
Wagenbach Verlag

Christina Burget

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