Queer London

Queer London von Peter AckroydWährend manche überlegen oder forschen, ob Homosexualität angeboren oder erworben ist, ist die Frage, ob es sie schon immer gab, wesentlich einfacher zu beantworten: Ja!
Der Autor Peter Ackroyd recherchierte zum queeren Lebensstil in London von der Antike bis heute. So fand er neben eindeutiger Literatur Abbildungen, Vasen und Skulpturen von Männern in erotischen Positionen. Daher weiß man, dass Kaiser Trajan ausschließlich Männer geliebt haben soll oder der Dichter Christopher Marlow, sowie der Autor Oscar Wilde. Shakespeare hielt Homosexualität für ein natürliches Phänomen und schrieb zum Beispiel ein Liebesgedicht an einen Mann.
Sodomie galt damals als menschliches Phänomen. Je nach Laune wurde mal das eine Geschlecht, mal das andere bevorzugt. Die Frage entweder/oder stellte sich im Altertum und Mittelalter nicht, solange man beides haben konnte.
Obwohl vermehrt über männliche Homosexualität geschrieben wird, gab es auch Travestie, sexuellen Missbrauch von Kindern und ebenso Lesben. Doch diese wurden nicht sonderlich ernst genommen. Dennoch weiß man, dass Lesben häufig Dildos verwendeten: alleine, zu zweit und vor allem auch im Kloster. Es wird geschrieben, dass „jede, von der Äbtissin bis zur Schwester, damit öfter hantiere als mit einem Rosenkranz.“ (zitiert von Seite 88)
Während alle Arten von Sexualität vor allem früher und auch heute wieder akzeptiert werden, gab es jedoch auch Jahrzehnte mit Intoleranz und täglichen Verhaftungen. So dürfte die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts für Homosexuelle sehr schwierig gewesen sein. Doch Gott sei Dank ist ab den 1970er Jahren die Toleranz gestiegen und London präsentiert sich wieder als eine offene Stadt für alle.

Das Werk ist sehr informativ und vom Autor äußerst genau recherchiert. Viele Informationen sind interessant, von manchen war ich geschockt. Obwohl das Buch weder langweilig noch schlecht geschrieben ist, braucht man doch eine Zeit um es zu lesen und den Inhalt zu verdauen.
Denjenigen, die an der Geschichte Londons oder dem queeren Leben interessiert sind, kann ist das Werk uneingeschränkt empfehlen. Ansonsten ist es doch ein sehr spezielles Thema, das man mögen muss.

Über den Autor:
Peter Ackroyd, geboren 1949 in London, wo er bis heute lebt. Er studierte Literaturwissenschaft in Yale und Cambridge und arbeitete viele Jahre für den „Spectator“ und die „Times“. Mit seinen Romanen, Theaterstücken und Biographien gehört er zu den wichtigsten britischen Gegenwartsautoren. Er erhielt unter anderem den Somerset Maugham Award und den Whitbread Award. Er gilt als brillanter Autor mit einem unverwechselbaren Stil. Zuletzt veröffentlichte der Knaus Verlag seine Biographie über Shakespeare.

Details zum Buch:
Penguin-Verlag
Aus dem Englischen von Sophia Lindsey
Originaltitel: Queer City
Hardcover mit Schutzumschlag, 272 Seiten, 44 farbige Abbildungen, 18 s/w Abbildungen
ISBN: 978-3-328-60065-7

Eure Sonja Stummer

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