Hörbuch-Special April

Im Hörbuch-Special werden ab sofort regelmäßig Bücher, die als Hörbücher eine spezielle Note bekommen, präsentiert. Nicht nur lange Autofahrten können durch „Vorlesen“ kurzweilig werden, auch ein gemütlicher Strick-Nachmittag oder die tägliche Jogging-Routine eignen sich hervorragend für „gesprochene Literatur“.

Für den April habe ich die Hörbuchfassung des Debütomans  eines deutschen Journalisten gewählt:

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Timur Vermes
Er ist wieder da

gelesen von Christoph Maria Herbst

Im Jahr 2011 erwacht Adolf Hitler mitten in Berlin auf einer Parkbank. Seine Uniformjacke riecht nach Benzin, beim Gedanken an seine Pistole bekommt er Kopfschmerzen, aber ansonsten fühlt er sich wie nach einem langen Nickerchen.

Erst an einem Kiosk begreift Hitler, wie viel Zeit vergangen ist. Der Zeitungsverkäufer erkennt ihn zwar, hält ihn aber für einen Schauspieler mit seltsamen Marotten. Er macht Hitler mit zwei seiner Kunden bekannt, die bei der Agentur Flashlight (dt. „Blitz“) arbeiten und Unterhaltungsfernsehen produzieren. Die beiden halten Hitlers Gehabe und Reden für einstudierte Comedy und sehen ihre Chance auf eine Story und entsprechende Quote. Hitler hingegen ist es ganz und gar ernst. Er ergreift die Chance, über das TV das deutsche Volk zu erreichen und ist dafür auch bereit, sich mit den neuen Medien, dem „Internetz“ und der Computer-Maus auseinanderzusetzen.

Zunächst tritt er in der Sendung eines türkischstämmigen Comedian auf, doch schon bald erhält er ein eigenes Studio, seine eigenen Website, Merchandising, Sendeplätze. Er wird von Politikern aller Parteien umworben, jede Couleur findet einen Vorwand, warum er in ihrer Gruppierung eine neue Heimat finden sollte. Doch Hitler geht seinen eigenen Weg. Er wird ein neues Buch schreiben und mit seiner eigenen Show die Massen um sich scharen.

Eine Satire über Hitler, ja darf man denn das? Diese Frage begleitet einen durchaus während des Romans. Es blieb mir mehrmals das Lachen im Hals stecken. Gerade weil der Autor Hitler nicht zur Witzfigur macht, wirkt das Szenario so realistisch. Ich finde die Story bemerkenswert, sie führt vor Augen, wie einfach es für Populisten ist, in unserer Medienlandschaft Aufmerksamkeit zu bekommen.

Das Buch stand in seinem Erscheinungsjahr wochenlang auf den Bestsellerlisten, und es wurde auch schon verfilmt. Dennoch ist die Hörbuchfassung meine bevorzugte Wahl. Warum? Weil der Sprecher Christoph Maria Herbst das Hörbuch zu einem eigenen Kunstwerk erhebt. Er spricht Hitler in dessen eigentümlichen Duktus und gibt auch allen anderen auftretenden Figuren ihren eigenen Erzählton. Plastischer kann man Geschichte nicht zur Zeitgeschichte werden lassen.

Aber hört selbst – der Verlag stellt auf Youtube eine ausführliche Hörprobe zur Verfügung:

Über den Autor:
Timur Vermes wurde 1967 als Sohn einer Deutschen und eines 1956 geflohenen Ungarn geboren, studierte in Erlangen Geschichte und Politik und wurde dann Journalist. Er schrieb für die „Abendzeitung“ und den Kölner „Express“, arbeitete für mehrere Magazine und ist als Ghostwriter tätig.

Details zum Hörbuch:
Verlag: Lübbe Audio
Erscheinungsdatum: 8. 10. 2014
6 CDs, 411 min
ISBN: 978-3-7857-5039-1
UVP: € 9,99

Katja Csukker

 

 

 

 

 

 

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