Hotel du Nord
Paris in den 1920er Jahren: Das Hotel du Nord bekommt neue Pächter. Emile und Louise Lecouvreur haben alles Geld zusammengekratzt, um einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen und sehen sich nun in dem Arbeiterviertel am Kanal neuen Herausforderungen gegenüber.
Das Hotel ist nicht das, was wir heute darunter verstehen. Es ist eine Art Wohnpension für Arbeiter, Kutscher, Dienstmädchen und Wäscherinnen- alle Bewohner des Hotel du Nord haben langfristig ein Zimmer gemietet, oft nur eine winzige Absteige, in der sich ihr gesamtes Privatleben abspielt.
Dieses zu beschreiben hat sich der Autor zum Ziel gemacht. Die unterschiedlichsten Menschen treten hier für ein Kapitel vor den Vorhang. Sie alle sind einfache Leute, die mit Alkohol, Armut, Prostitution und Ausbeutung bereits Erfahrungen gemacht haben.
Die Lebensläufe sind alle mehr oder weniger traurig, ohne viel Lebensfreude oder Leichtigkeit, die Männer nutzen die Frauen aus und werfen sie dann weg, Alte und Kranke sind auf sich gestellt, das Leben eine Aneinanderreihung von Schicksalsschlägen, die alle so hingenommen werden, als kämen sie verdient.
Dass diese Erzählung so lebensnah ist, liegt daran, dass der Autor selbst als Nachtwächter im Hotel du Nord gearbeitet hat, nachdem seine Eltern es 1923 übernommen haben. Aus diesen Erfahrungen heraus hat Eugène Dabit den Roman geschrieben und gibt uns heute die Gelegenheit ins Paris der 20er Jahre einzutauchen, fernab von allem Mondänen und Luxus. Es ist ein berührendes, wenn auch etwas deprimierendes Buch über einfache Menschen, die keine Träume mehr haben.
Über den Autor:
Eugène Dabit wurde 1898 geboren als Sohn einfacher Leute. Er diente als Soldat im Ersten Weltkrieg und studierte Malerei.Sein Roman „Hotel du Nord“ erhielt den Prix populiste. Dabit starb 1936 auf einer Reise durch die UdSSR.
Details zum Buch:
Erste Auflage der Neuübersetzung 2015
ISBN 978-3-89561-166-7
Bettina Armandola

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