Zerrüttung

Gerhard Loibelsberger

1933: Hitler erringt in Deutschland Wahlsiege und die NSDAP übernimmt die Macht. Im März desselben Jahres wird durch den Rücktritt aller drei Nationalratspräsidenten am 4. März der österreichische Nationalrat beschlussunfähig. Damit begann die Zerrüttung der Demokratie in Mitteleuropa, die auch der ehemalige Oberinspector Nechyba mit großer Sorge verfolgt. Bei seinen täglichen Besuchen im Café Jelinek wird ihm die Zeitungslektüre immer mehr zur Qual, denn der Hass und die Hetze gegen Juden, Sozialdemokraten, kurz gesagt gegen alle, die dem nationalsozialistischen Denken nicht entsprechen, schlagen sich immer mehr in den Schlagzeilen nieder…

Gleichzeitig verfolgen wir auch die Zerrüttung einer Familie. Hausmeister Loibelsberger, seine Frau und der kleine Sohn Erich sind Nachbarn von den Nechybas. Vater Loibelsberger kann seine Launen nicht im Zaum halten und die Streitereien und das Geschrei machen dem kleinen Erich sehr zu schaffen, der oft Zuflucht bei einer lieben Nachbarin sucht. Die gesellschaftlichen und politischen Umstände dieser Zeit tragen zum tragischen Verlauf der Familiengeschichte bei!

Ich kannte Nechyba bisher nur in seiner Ermittlerfunktion. Hier ist er Pensionär und erlebt die Umsturzzeit in die Diktatur mit. Die herrschende Atmosphäre in Wien wird besonders durch die authentischen Zeitungsartikel vermittelt und erzählt in wienerischen Ausdrücken vom damaligen Leben während der Dollfußregierung. Ein erschreckend aktuelles und eindringlicher Roman, der zeigt, wie schnell Hass, Verleumdung und tiefe Gräben entstehen und in die Katastrophe führen können!

Über den Autor:

Gerhard Loibelsberger startete 2009 seine Serie historischer Kriminalromane rund um Joseph Maria Nechyba. 2016 erhielt der Autor den goldenen HOMER Literaturpreis für „Der Henker von Wien“.

Details zum Buch:

1.Auflage 2023

Gmeiner Verlag

ISBN 978-3-8392-0521-1

Bettina Armandola

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