Yvan Goll

Die Lebensgier der Bevölkerung macht sich nach dem Ersten Weltkrieg auch in Berlin bemerkbar. Viele Halbweltexistenzen, Schieber und Überlebenskünstler bevölkern die Nachkriegsmetropole. Darunter auch Dr. Odemar Müller, ein zugezogener Provinzteutone, der sich vom Salonbolschewisten über den Spekulanten zum mittelalterlichen Mystiker gewandelt hat und immer mit dabei ist, prinzipienlos aus Prinzip, revolutionär und romantisch- Hauptsache im fortschreitenden Weltgeist…
Die Orientierungslosigkeit, gepaart mit moralischem Desinteresse und der Gier nach dem Leben prägt auch das Dasein der Hauptfigur dieses schrägen Romans, der als französische Originalausgabe 1929 erschien und das Nachkriegsleben Berlins satirisch überzeichnete. Ein Tanz auf dem Vulkan, der den Weg zm nächsten Weltkrieg ebnete, wird hier in bildgewaltiger Sprache dargestellt und führt den Lesern ein Panorama deutscher Absurditäten und Phantasmagorien vor Augen.
Für diesen Roman muss man in jedem Fall Zeit und Geduld mitbringen, denn er liest sich für heutige Ansprüche ein wenig holperig. Doch es lohnt sich, in diesen Zwischenkriegswahnsinn einzutauchen und das schräge, orientierungslose Leben des Odemar Müller kennenzulernen und so ein Gefühl für die Zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts zu entwickeln. Grotesk, spannend und überraschend ist dieses Berliner Sittenbild, das mich als Leserin gefordert hat!
Über den Autor:
Yvan Goll wurde 1891 in Lothringen geboren. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs floh er in die Schweiz und heiratete später in Paris seine Frau Claire. Der Weltbürger wurde zu einem fixen Bestandteil der europäischen Moderne, bevor er nach New York emigrieren musste, wo er mit nur 58 Jahren an Leukämie starb.
Details zum Buch:
2021
ISBN 978-3-7175-2526-4
Bettina Armandola
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