Als Medea Rache übte und die Liebe fand

Tamar Tandaschwili

Medea ermittelt in einem besonders tragischen Fall sexueller Gewalt. Vor zwanzig Jahren wurde die 14jährige Salome durch den Verrat ihres Freundes zur Sexsklavin einer ganzen Bande von Klassenkameraden und auch noch Jahrzehnte später lassen sie die Erinnerungen an diese schrecklichen Jahre nicht los…

Als Medea erkennen muss, dass ihr Ex-Ehemann an dem Verbrechen beteiligt war, reift in ihr der Plan zur Rache, den sie mithilfe ihrer Geliebten Tina in die blutige Tat umsetzt.

Das Patriarchat ist in Georgien noch um einiges ausgeprägter als bei uns. Abweichende sexuelle Neigungen, von Homosexualität, Transgender oder auch Asexualität werden mit Hass, Ignoranz und Verstoßen durch die eigene Familie bestraft. Die Gewaltausbrüche von Ehemännern gegenüber ihren Frauen, von „braven Bürgern“ gegenüber ihren sexuell andersorientierten Mitmenschen und die Ausbeutung des „schwachen Geschlechts“ thematisiert die Autorin hier knallhart und oft an der Grenze des Erträglichen. Auch der sehr klare Schreibstil und die Verknüpfung der Handlung über Rückblenden werden dem Thema mehr als gerecht und erfüllen die Leser.innen mit Mitgefühl, Ekel aber auch Liebe und dem Wunsch, jedem Menschen seine Würde zuzugestehen.

Ein faszinierendes Buch, das leider nicht nur die georgische Gesellschaft darstellt, sondern auch die im Vormarsch begriffene rechte Politik heutzutage, die alles Anders- und Fremdartige ablehnt. Tamar Tandaschwili hält ein Plädoyer für die Gleichberechtigung, den Respekt und die Liebe in all ihren Formen und hat damit ein wichtiges Thema eindrücklich zu Papier gebracht!

Über die Autorin:

Tamar Tandaschwili wurde 1973 in Tbilisi, Georgien, geboren. Sie studierte Psychologie und Literaturwissenschaft. Als Psychologin und Aktivistin engagiert sie sich vor allem für Frauen und die Rechte sexueller Minderheiten. 2018 erschien ihr erster Roman. „Löwenzahnwirbelsturm in Orange“ in deutscher Übersetzung.

Details zum Buch:

2021

Residenz Verlag

ISBN 978 3 7017 1737 8

Bettina Armandola

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