Villa Metaphora

Villa MetaphoraAndrea De Carlo

Villa Metaphora

Architekt Perusato eröffnet ein exklusives Luxusresort auf der italienischen Insel Tari, das nur auf dem Wasserweg erreicht werden kann. Mit dem Bau der Anlage will sich der ehrgeizige Architetto selbst ein Denkmal setzen. Auf den Klippen der Vulkaninsel hat er nun seine ersten Gäste, für ihn die Feuerprobe, hat doch der Bau der Villa und der Suiten riesige Schulden verursacht.

Umso wichtiger seine erste exklusive Klientel: die amerikanische junge Schauspielerin Lynn Lou Shaw, die ihr Mann, von Berufs wegen Coach für Problemlösungen, nach einem Nervenzusammenbruch am Set auf die Insel begleitet, der deutsche Banken-Vizepräsident Reitt, der auf der Flucht vor kompromittierenden Fotos im Internet gemeinsam mit seiner Frau auf Tari eintrifft, ein italienisches altes und sehr distinguiertes Ehepaar und die inkognito reisende französische Journalistin.

Bald wird die ganze Bandbreite menschlichen Egoismus und Eitelkeit offenbar. Auch das Eintreffen des Abgeordneten Gomi, der sich durch ein Gespräch mit Reitt einen Karriereschub erhofft, fügt dem Kaleidoskop der Egozentriker noch eine Facette hinzu.

Machthunger, Selbstdarstellung, Überheblichkeit sind die vorherrschenden Eigenschaften. Daneben gibt es aber auch die geradezu religiöse Verehrung der Schauspielerin durch den einheimischen Bootsmann Carmine oder die genügsame Bodenständigkeit des Tischlers Paolo.

Das so elitäre Konzept bekommt bald erste Risse, unvorhergesehene Ereignisse lassen den Urlaub für die Anwesenden zum Horrortripp werden.

„Man müsste Murphys Gesetz mit einem Zusatz versehen, nämlich dass alles, was schiefgehen könnte, nicht nur schiefgehen wird, sondern auch genau in dem Moment schiefgeht, in dem es den größten Schaden anrichtet.“ (S 894)

Auf über 1000 Seiten erzählt der Autor aus verschiedenen Perspektiven sieben Tage auf der Vulkaninsel Tari, die in einem Desaster enden. Keine einzige davon ist zuviel, so faszinierend versteht es De Carlo, Menschen zu beschreiben! Ein besonderes Lob hat sich in meinen Augen die Übersetzerin Maja Pflug verdient, die den „taresischen Dialekt“ wunderbar in eine neue Sprache verwandelt hat! Eine klare Leseempfehlung von mir und vielleicht schon eine Weihnachtsgeschenkidee für Literaturinteressierte!

Über den Autor:

Andrea De Carlo wurde 1952 in Mailand geboren und lebte nach seinem Literaturstudium in den USA und Australien. Bevor er mit seinem ersten Roman „Creamtrain“ den Durchbruch erreichte, war er Maler, Fotograf und Rockmusiker. Sein Roman „Zwei von zwei“ wurde zum Kultbuch einer ganzen Generation. Heute lebt De Carlo in Mailand und Ligurien.

Details zum Buch:

Copyright der deutschen Ausgabe 2015

Diogenes Verlag

ISBN 978 3 257 06938 9

Bettina Armandola

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