Fremd
Geschichte eines Lebens
Elena Gil wird 1932 als Tochter einer spanischen Mutter in der französischen Kolonie Algerien geboren. Dort verbringt sie mit ihrer rasch wachsenden Familie die Jahre des Erwachsenwerdens. Als ältestes Kind trägt sie bald die Verantwortung für den Haushalt und ihre vier Geschwister, trotzdem genießt das Mädchen die Zeit in dem Küstenstädtchen im Maghreb, auch wenn das Leben durch den Zweiten Weltkrieg sehr beeinträchtigt ist. Sie liebt die Landschaft und das Meer, Zeichnen und Lesen und ist sehr lernbegierig.
1950 spitzt sich die politische Lage so zu, dass die Familie gegen den Willen des Vaters nach Marokko flieht, um den Gewaltandrohungen der algerischen Unabhängigkeitsbewegung zu entkommen- plötzlich sind die Gils Fremde in der eigenen Heimat. Doch die Achtzehnjährige Hélène, wie sich Elena später nennt, hält es nicht in Marokko, wo sie keine Perspektive sieht. Sie reist nach Paris, bekommt dort zunächst aber keine Aufenthaltsgenehmigung. Ein Leben im Spanien der Franco- Diktatur kann sie sich ebensowenig vorstellen. Erst in Italien fühlt sie sich willkommen.
„Jeden Morgen, wenn ich die Augen aufschlage, entscheide ich mich neu für mein Leben, für den Ort, an dem ich mich befinde, und ich nehme die Realität an, wie sie ist.“ (S 245)
„Fremd“ ist die autobiografische Aufarbeitung einer Kindheit, in der die Autorin rasch erwachsen werden musste, um zu überleben. Trotz aller Schicksalsschläge spürt man aus jeder Zeile den Willen und die Stärke einer Frau, die ihre eigene Unabhängigkeit gesucht und verteidigt hat entgegen allen damaligen Erwartungen an das „schwache Geschlecht“. Das transportiert auch der sehr spezielle Schreibstil, den Hélène Visconti gekonnt einsetzt und der den Leser in seinen Bann schlägt und ihn mitnimmt durch die ereignisreichen Jahre des Erwachsenwerdens einer großen Persönlichkeit.
Über die Autorin:
Die in Algerien geborene Hélène Visconti lebt seit nunmehr vielen Jahren in Ligurien.
Details zum Buch:
Aus dem Italienischen von Karin Krieger
Deutschsprachige Ausgabe 2010
Albrecht Knaus Verlag, München
ISBN 978-3-8135-0361-6
Bettina Armandola
