Die Zeitenbummlerin

Josdiezeitenbummlerinefine ist Journalistin und gerade von ihrem Mann nach 18 Jahren Ehe wegen einer Jüngeren verlassen worden. In dieser für sie schweren Zeit soll sie für ihre Zeitschrift einen Artikel über das Glück der Langsamkeit schreiben. Sie möchte dazu Menschen begegnen, die aus dem Alltag ausgebrochen sind und ein anderes Leben jenseits von Stress genießen.
Um die Langsamkeit selbst zu entdecken, entscheidet sie sich spontan dazu ihre Interviewpartner per Fahrrad zu besuchen. So steigt die 52-jährige, unsportliche Berlinerin mit viel zu viel Gepäck auf ihr klappriges Fahrrad und begibt sich in Etappen an die Ostseeküste und schließlich über Dänemark nach Norwegen.
Dabei wird sie immer wieder mit ihren Schwächen konfrontiert, von anderen angestarrt, bemitleidet und bestaunt. Im Laufe ihrer Reise lernt sie aber sich, die Umgebung und die Menschen, die ihr begegnen, besser kennen und findet letztendlich wieder zu sich selbst.

Der Roman ist in einer flüssigen und poetischen Sprache geschrieben und liest sich leicht.
Die Geschichte ist schön und man sollte sich vielleicht selbst auch manchmal überlegen, ob man wirklich immer erreichbar sein möchte und jede Nachricht, die per facebook, whatsapp, E-Mail oder dergleichen eintrudelt, gleich beantwortet werden muss. Vielleicht sollte man sich ein Beispiel an Josefine und ihren Interviewpartnern nehmen, die es schaffen aus dem Alltag auszubrechen und sich einfach treiben zu lassen. Der Begriff der Entschleunigung ist in der heutigen Zeit moderner denn je, so sind es auch die Gedanken des Buchs.

Details zum Buch:
Autorin: Leonie Faber
Verlag: Knaur
Klappenbroschur TB, 336 Seiten
ISBN: 978-3-426-51880-9

Sonja Stummer

Reich und arm – Die wachsende Ungleichheit in unserer Gesellschaft

Reich und Arm von Joseph StiglitzDer Nobelpreisträger Joseph Stiglitz berührt hier ein sehr wichtiges Thema. Denn weltweit nimmt die Schere zwischen arm und reich ein immer größeres Ausmaß an.
Der Autor führt uns ein in die Dimensionen der wachsenden Ungleichheit und entwickelt Ideen für mehr Gerechtigkeit in der Gesellschaft. Stiglitz analysiert die Wirtschaft der USA der letzten Jahrzehnte sehr genau und gibt an, ohne sich ein Blatt vor den Mund zu nehmen, was die Politik gemacht hat und welche Auswirkungen es gegeben hat und was warum getan hätte werden sollen.
Das Werk schildert vor allem die Verhältnisse in der USA, doch auch andere Länder dienen dem Vergleich und der besseren Veranschaulichung. Wenngleich in Europa noch andere Werte zählen, so lassen sich dennoch erste Gemeinsamkeiten erkennen.

Die Analyse und detaillierte Beschreibung der Ursachen und Auswirkungen sind meines Erachtens brillant. Die Sprache ist verständlich, die Zusammenhänge plausibel. Die Lösungsansätze derart schlüssig, sodass man sich fragt, wieso die Politik diese nicht schon längst in die Tat umgesetzt hat.
Nicht nur für Interessierte der Wirtschaftswissenschaften, sondern vor allem für Politiker sollte dieses Werk eine Pflichtlektüre sein.

Über den Autor:
Joseph Stiglitz, geboren 1943, war Professor für Volkswirtschaft in Yale, Princeton, Oxford und Stanford, bevor er 1993 zu einem Wirtschaftsberater der Clinton-Regierung wurde. Anschließend ging er als Chefvolkswirt zur Weltbank und wurde 2001 mit dem Nobelpreis für Wirtschaft ausgezeichnet. Heute lehrt Stiglitz an der Columbia University in New York und ist ein weltweit geschätzter Experte zu Fragen von Ökonomie, Politik und Gesellschaft. Bei Siedler erschienen unter anderem seine Bestseller „Die Schatten der Globalisierung“ (2002), „Die Chancen der Globalisierung“ (2006) „Im freien Fall“ (2010) und zuletzt „Der Preis der Ungleichheit” (2012).

Details zum Buch:
Originaltitel: The Great Divide
aus dem Englischen von Thorsten Schmidt
gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 512 Seiten
ISBN: 978-3-8275-0068-7
Verlag: Siedler

Sonja Stummer