Hochzeit in Wien
Marianne Philips
Verlag Urachhaus

Dieser Roman spielt in Wien im Juni 1933 an einem einzigen Tag und zeigt ein vielschichtiges Bild der Wiener Gesellschaft kurz vor einem historischen Umbruch. Im Mittelpunkt steht die goldene Hochzeit des Ehepaars Hodl. Dies ist ein festlicher Anlass, der die Gemeinschaft und Lebensfreude symbolisiert. Das Fest findet in der Luftbadgasse 12 statt. In diesem Mietshaus wohnen Menschen unterschiedlichster Herkunft, Religionen, Lebensentwürfe und Generationen. Viele Geschichten sind berührend und widersprechen zum Teil einander. So wie es in Wien in dieser Zeit war.
Während gefeiert wird, liegen Schatten über der Zukunft. Antisemitismus, politische Radikalisierung und soziale Unsicherheit sind bereits zu spüren, wenn manchmal auch nur sehr leise. Die Personen stehen jeweils für unterschiedliche Haltungen wie Hoffnung, Resignation, Anpassung und Widerstand, Rückzug ins Private bzw. Verantwortung für andere. Sehr berührt hat mich die Darstellung jüdischer Figuren und die Bedrohung, die bereits greifbar wird, obwohl das Leben als noch ganz normal erscheint.
Dieser Roman von Marianne Philips bringt Schicksale mit einer Mischung aus feinsinnigem Humor und einfühlsamer Melancholie zu Papier. Es wird auch die Atmosphäre des alten Wiens dargestellt. Es werden die Menschen und die Stadt Wien sehr feinsinnig erzählt.
Dieses Buch macht den Leser zeitweise sehr nachdenklich. Dies alles am Vorabend einer großen Katastrophe.
Brigitte H. Schild
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