Warum wir Machos trotzdem mögen
Judith Luig
Nur weil die heutigen Machos sich nicht im Unterhemd der Unterschicht die Plauze kratzen, heißt das nicht, dass wir die Typen los sind. Sie treten als Langhaar-Model auf und in Nadelstreifen, tummeln sich in Szenecafés und auf Parteitagen. Frauen lassen sich von Platzhirschen, denen sie intellektuell überlegen sind, degradieren und himmeln sie an. Der Macho ist heute erfolgreicher als je zuvor – und begehrter. Irgendetwas muss dran sein an dem hypermännlichen Mann.
Judith Luig geht dem Phänomen Macho auf den Grund. Sie forscht in Kneipen auf dem rheinischen Dorf und in türkischen Männercafés, sie beobachtet einen privaten Workshop für kriegerische Männlichkeit im Ruhrgebiet und eine staatliche Fortbildungsmaßnahme für Migrations-Machos in Berlin. Sie redet mit Links-Machos, weiblichen Machos und Chefmackern. Und sie stellt fest, dass Machos eigentlich nur Menschen sind. Solche, die nicht mehr so genau wissen, was ein Mann eigentlich ist.
Die Autorin arbeitet in den verschiedenen Kapiteln die verschiedensten Machotypen und auch Frauen, die auf Machos stehen, auf. Ich muss zugeben, dass mich das Buch nicht durchgehend fesseln und unterhalten konnte. Manche Kapitel fand ich ganz amüsant, bei anderen Kapiteln musste ich mich regelrecht „durchackern“. Woran das liegt, konnte ich nicht wirklich herausfinden. Eventuell gingen meine Erwartungen an das Buch in eine andere Richtung. Ich habe mir eine witzige, unterhaltsame, ironische und vielleicht auch manchmal durchaus bissige Aufarbeitung des Themas Macho-Männer erwartet. Aufgrund meiner Leseerfahrung kann ich das Buch nicht uneingeschränkt weiterempfehlen.
Über die Autorin:
Judith Luig, Jahrgang 1974, begann ihre journalistische Karriere als Reporterin für Schützenkönigskrönungen, Karnevalsprinzessinnen und goldene Hochzeiten. Sie schrieb für die »taz« über Frauen, Männer und Paralleluniversen und unterrichtete Literaturwissenschaften an der Freien Universität und an der Humboldt-Universität Berlin. Heute arbeitet sie als Redakteurin für »Welt«, »Welt am Sonntag« und »Berliner Morgenpost«.
Details zum Buch:
Verlag Quadriga (Bastei Lübbe)
ISBN 978-3-86995-008-2
205 Seiten, Paperback
Eva Maria Grill
