Ausfahrt Nizza

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Piersandro Pallavicini
Aus dem Italienischen von Karin Fleischanderl

Der pensionierte Verlagsleiter Cesare, seine Frau Franca, der Witwer Persegati und der gewichtige Luciano Buttafava samt seiner Frau Adriana sind auf dem Weg nach Nizza. Die Runde hat sich im Rotary Club in Vigevano kennengelernt. Cesare empfindet zwar keine Tiefe Freundschaft für die Anderen, aber er kann ihre Gesellschaft immerhin so gut ertragen, dass er hin und wieder etwas gemeinsam mit ihnen unternimmt. Um Persegati nach dem Tod seiner Frau auf andere Gedanken zu bringen, beschließen sie mit ihm einen Ausflug zu machen.

Cesare hat Multiple Sklerose und zur Linderung der Symptome hat ihm sein Arzt Cannabis verordnet. Nach einer turbulenten Anreise und einem beschämenden Zwischenfall im Museum hat Cesare schon bald seinen gesamten Vorrat aufgebraucht. Dann glaubt er auch noch in einem vorbeifahrenden Taxi seinen alten Freund Leo Meyer gesehen zu haben, zu dem er schon seit Jahren keinen Kontakt mehr hat. Und so macht sich Cesare auf die Suche: nach Cannabis, Leo Meyer und einer umstrittenen Klinik, die Sterbehilfe anbieten soll.

„Ich lache wie verrückt. Scheiß drauf, dass ich im Museumsklo vergessen habe, die Hose runterzulassen. Scheiß auf Lucianos bösartige Witze. Ich habe nicht mehr lange zu leben, ich habe Cannabis geraucht, ich habe einen großartigen französischen Weißwein getrunken. Scheiß auf die Welt.“

Den körperlichen Verfall und die zunehmende geistige Verwirrung der fünf RentnerInnen beschreibt der Autor mit viel Realitätssinn und Humor. In Rückblenden erfahren wir von Cesares Leben, seiner engen Freundschaft zum gefeierten Schriftsteller Leo Meyer und von Francas Eifersucht, die mehr als nur Freundschaft vermutet. Dringende Leseempfehlung!

Über den Autor
Geboren 1962 in Vigevano, lebt mit seiner Familie in Pavia, Lombardei (Italien). Er verfasst regelmäßig Beiträge für Zeitschriften, Comics, Rock- und Heavy-Metal-Magazine und Rezensionen für die Literaturbeilage „TuttoLibri“ von „La Stampa“. Im Hauptberuf ist er Professor für Chemie an der Universität Pavia im Fachgebiet Nanotechnologie für medizinische Anwendungen.
Seit 1999 literarische Veröffentlichungen, u. a. „Il mostro di Vigevano“ (1999), „Madre nostra che sarai nei cieli“ (2002), „Atomico dandy“ (2005), „African inferno“ (2009).

Details zum Buch
FolioVerlag
Erschienen am 10. März 2014
Hardcover, 293 Seiten
ISBN 978-3-85256-641-2
€ 22,90

Rezensiert von Marlies Presser