Was das Meer nicht will

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Was das Meer nicht will
Roman
Daniela Gerlach

Die Ich-Erzählerin, ihr Name wird im gesamten Roman nicht erwähnt, sitzt in ihrer Ferienwohnung in Spanien und wartet auf nichts Besonderes. Es ist Nebensaison, die Wohnanlage und der Ort sind wie ausgestorben. Es ist einerlei, ob sie den ganzen Tag im Bett liegt oder am Strand spazieren geht. Sie denkt an Georg, ihren Ehemann und an Karl, ihren Nachbarn und sehr oft kreisen ihre Gedanken um ihre Mutter Erika. Nach und nach erfahren wir mehr vom Leben, das sie bisher geführt hat und relativ spät wird klar, was sich daran auf so dramatische Weise verändert hat.

„Was das Meer nicht will“ handelt von einem Leben zwischen einer harmonisch-langweiligen Ehe und einer Mutter-Tochter-Beziehung, die von Bevormundung und emotionaler Erpressung geprägt ist. Der Wunsch nach einem Ausbruch aus der Routine und nach Freiheit ist groß, doch fehlt der Protagonistin der Mut dazu. Gerlachs Roman ist keine leichte Urlaubslektüre. Empfohlen für alle, die Beziehungsdramen und Psychogramme zu schätzen wissen.

Über die Autorin
Daniela Gerlach, geboren 1962 in Dortmund, Studium der Neueren deutschen Literatur, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft in München. Arbeitete als freie Journalistin, Werbetexterin und Ghostwriter. Ging 1997 nach Spanien, um dort zu leben. Heute freie Autorin, die zwischen Mittelmeer und Ruhrgebiet pendelt.

Details zum Buch
STORIES & FRIENDS Verlag e.K.
Erschienen am 21. März 2015
Hardcover, 279 Seiten
ISBN 978-3-942181-78-5
€ 18,90

Rezensiert von Marlies Presser

Die süße Einsamkeit

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Die süße Einsamkeit

Irène Némirovsky
Aus dem Französischen von Susanne Röckel

Die Erzählung beginnt als Helene acht Jahre alt ist und die Familie, noch scheinbar idyllisch, zusammen mit den Großeltern in einer kleinen Stadt am Dnjepr wohnt. Helenes Mutter ist distanziert und gibt ihr nicht das Gefühl geliebt zu sein. Ihren Vater verehrt Helene, doch der ist selten zu Hause, weil er vor allem damit beschäftigt ist Geld zu verdienen. Die wichtigste Bezugsperson für Helene ist Mademoiselle Rose, ihre französische Gouvernante. Als diese plötzlich stirbt, glaubt sich Helene alleine auf der Welt.

Helene ahnt schon recht früh, dass ihre Mutter ihren Vater betrügt. Als Helene und ihre Mutter vor der Oktoberrevolution über Skandinavien nach Paris fliehen, reist auch ihr Liebhaber Max mit. In Helene wachsen Wut und Verachtung für ihre Mutter. Gleichzeitig wird ihr auf dieser Flucht auch bewußt, dass sie kein Kind mehr ist, sondern aus ihr eine junge Frau wird. Sie beschließt, den Betrug an ihrem Vater zu rächen.

Der Roman ist in drei Teile geteilt und erzählt aus Helenes Perspektive von ihrer Kindheit, ihrer Pubertät und ihrem jungen Erwachsenenalter. Némirovsky schildert sehr gut und realistisch, wie beispielsweise ein achtjähriges Mädchen fühlt und denkt. Die Handlung rückt dabei etwas in den Hintergrund. Wer gerne Coming-of-Age-Dramen liest, kommt hier auf seine Kosten.

 

Über die Autorin

Irène Némirovsky wurde 1903 als Tochter eines reichen russischen Bankiers in Kiew geboren und kam während der Oktoberrevolution nach Paris. Dort studierte sie französische Literatur an der Sorbonne. Irène heiratete den weißrussischen Bankier Michel Epstein, bekam zwei Töchter und veröffentlichte ihren Roman „David Golder“, der sie schlagartig zum Star der Pariser Literaturszene machte. Viele weitere Veröffentlichungen folgten. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach und die Deutschen auf Paris zu marschierten, floh sie mit ihrem Mann und den Töchtern in die Provinz. Während der deutschen Besetzung erhielt sie als Jüdin Veröffentlichungsverbot. In dieser Zeit arbeitete sie an einem großen Roman über die Okkupation. Am 13. Juli 1942 wurde Irène Némirovsky verhaftet und starb wenige Wochen später in Auschwitz. 2005 entzifferte Némirovskys Tochter Denise Epstein das Manuskript, das als „Suite française“ veröffentlicht und zur literarischen Sensation wurde.
Details zum Buch

Albrecht Knaus Verlag
Erschienen am 3. September 2012
Hardcover, 272 Seiten
ISBN: 978-3-8135-0377-7
€ 20,60

Rezensiert von Marlies Presser